von Janne Jörg Kipp

“Dax unentschlossen” - Analysten-Bilanz erschreckend: Die Sommer-Wahrheit

Geldanlage-Verteilung erschreckend.

Substanz schlägt in diesen Tagen alle anderen Aktien und Vermögensklassen, meint Chefanalyst Janne Joerg Kipp. Investieren Sie anders als die Masse in Ihre Vorsorge, schon für das zweite Halbjahr 2011.

So wenig Substanz wie aktuell haben die Analysen an den Märkten selten gehabt. Kein Analyst scheint zu kommentieren, wohin die Reise geht. Die Stimmung ist gelähmt. Dies kann und soll Sie nicht davon abhalten, auch nach dieser Woche die Substanz in den Märkten zu nutzen. 7.200 oder 7.10 bis 7.300 Punkte beim Dax sind - unerheblich. Garantiert.

Griechenland und Washington, Afghanistan und London - weltweit brennt es

Ginge es nur nach den aktuellen Brandherden, könnten Sie aktuell eine Extrem-Position einnehmen. Entweder Sie flüchteten aus Aktien, wie es viele Investoren machen, oder Sie würden wie Kostolany einst “kaufen, wenn die Kanonen donnern”.

Soviel Unsicherheit weltweit habe ich jedenfalls in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten nicht erlebt. Asien, der nahe und der ferne Orient, Europa, Nordamerika, überall und sogar in Afrika zündelt es nachhaltig. Dies wird sich in den kommenden Wochen nicht mehr ändern.

Daher ist es kein Wunder, wenn der “Dax unentschlossen” ist. Niemand weiß, wie es weiter geht. Nur hilft Ihnen das für die Vorsorge, für langfristige Entscheidungen nicht. Für Sie daher eine klare Situations-Analyse - damit die Lähmung an Ihnen vorübergeht.

Kurzfristig: Zinsen werden steigen - Schwankungen bleiben harmlos

Ich habe mir die Schwankungsbreite im Dax auch in diesen Tagen genau angesehen. Der VDax, der diese misst, bleibt vergleichsweise ruhig. Mit einem Wert von unter 18% ist er weit unter dem, was als “nervös” gelten müsste. Der Dow Jones-Index ist unruhiger. Hier hat das Beben eingesetzt.

Gespannt warten Investoren und Analysten, ob sich in wenigen Tagen Republikaner und Demokraten auf den neuen Schuldenstand einigen - und das dafür notwendige Gesetz. Meine Signale aus Washington sind eindeutig: natürlich einigen sich die Parteien.

Daher werden die Börsen in den USA zunächst erleichtert sein, nach oben schießen und dann feststellen, wie ernst die Lage dort eigentlich ist. Ein “Todeskandidat”, der noch einmal Aufschub bekommen hat. Probleme werden dieser Tage in den USA nicht gelöst - nirgends.

Kurzfristig aber werden daraufhin die Zinsen in Europa noch einmal leichter steigen. Hier reagiert die Europäische Zentralbank auf die zusätzlichen Schulden, die Europa gerade macht. Die Inflationsrate, ausgehend von den USA, steigt weiter. Dies kurbelt die Zinsschraube an.

Noch nicht eingepreist: höhere Zinsen

Die höheren Zinsen sehen Sie in den vergangenen Tagen an den Aktienkursen nicht. Theoretisch müssten dies tendenziell leicht fallen. Der Markt aber ist: “unentschlossen”.

Immerhin reagierten Anleihen, wie wir es erwarten konnten. Ich habe Sie davor gewarnt, in Anleihen aus der Eurozone zu investieren. Staatsanleihen werden weiter an Wert verlieren. Die Warnung bleibt bestehen.

Der Rettungsfonds, zunächst für Griechenland jetzt erste Hilfe, wurde auf insgesamt 440 Milliarden Euro aufgestockt. Darauf hat sogar die 10-Jahres-Anleihe des Bunds reagiert: die Rendite sackte auf weniger als 3%. Mit weiteren Kurssenkungen müssen Sie rechnen, denn: die bestehenden Anleihen verlieren an Wert, wenn die Märkte mit künftig höheren Zinsen rechnen.

Die Rendite berechnet sich aus dem Verhältnis zwischen den gezahlten Zinsen und dem jeweiligen Kurs der Anleihe. Deshalb sinken die Kurse weiter - für Sie ein schlechtes Vorsorge-Investment.

Währung Euro im Vormarsch

Der Euro hat hingegen durch die US-Streitigkeiten bei der neuen Schuldenaufnahme weiter zugelegt. Vor Währungsspekulationen jedoch warne ich weiterhin. In den Medien tauchte in dieser Woche öfter an verschiedenen Stellen die Empfehlung auf, Devisenfonds zu kaufen.

Diese Empfehlung teile ich nicht. Auch die Fondsmanager haben keinen Zugriff auf diesen Billionen-Markt. Wer nicht einfaches Glück hatte, schaffte mit seinem Fonds in den vergangenen Jahren Renditen, die jedes Sparbuch Ihnen bringt. Dafür jedoch ist das Risiko zu hoch.

Wenn Sie auf einen starken Euro setzen, steuern Sie dies einfach über den Anteil der Euro-Anlagen in Ihrem Depot. Wer gegen den Euro wetten möchte, kann etwas Kapital in den Schweizer Franken geben. Allerdings wird auch dieser gegenüber Edelmetallen weiter verlieren.

Edelmetalle sind auch in dieser Woche stabil gewesen und melden weiteren Zufluss. Selbst der Silberpreis, lange totgesagt, hat den Trend nach unten einfach gestoppt. Soviel lässt sich nach den inzwischen fast gleichmäßigen Kursen sagen. Achtung: dramatisch war der Absturz nicht. Im Vergleich zum Jahrestiefstkurs steht Silber am Ende dieser Woche mit einem Plus von 112,31% gut da.

Geldanlage-Verteilung: Desaster im ersten Halbjahr

Frisch herein kam in dieser Woche die Meldung über die Geldanlage in Deutschland. Aktien sind nur noch zu 5% in den Depots vertreten. Ungefähr 60% aber sind aktuell zum Ende des ersten Halbjahrs 2011 noch auf Bankkonten, in Versicherungsverträgen oder in reinem Bargeld. Die Verzinsung wird insgesamt bei ungefähr 2% liegen.

Diese Verteilung aber ist jetzt zum Ende des ersten Halbjahrs 2011 ein Desaster. Die Inflationsrate bereits frisst den Zins einfach auf. Investoren verbrennen regelrecht ihre Vorsorge-Chancen, da auch die Steuerbelastung mit knapp 30% die Bruttorendite noch reduziert.

Anders war es nach diesen frischen Daten nach dem Ende des zweiten Weltkriegs und zum Anfang des Wirtschaftswunders: gut 20% des Vermögens steckten damals in Aktien. Neben dem tatsächlichen Wirtschaftswunder schafften Privathaushalte und Unternehmer damit ihr eigenes Wirtschaftswunder.

Ich empfehle Ihnen, auch wenn der Dax “unentschlossen” ist: nutzen Sie jetzt zum zweiten Halbjahr ebenfals die Gelegenheit für Ihr eigenes Wirtschaftswunder. Die reine Substanz entscheidet.

Aktien: Substanz bei ausgesuchten Werten ist hoch

Wenn Sie die aktuellen Daten alleine für Aktien aus Deutschland heranziehen, dann findet sich genügend Substanz, um langfristig und für die Vorsorge zu investieren.

Ein Kriterium, das sich bewährt hat, sind Dividendenrenditen. Nicht nur die Höhe der Dividendenrenditen ist dabei entscheidend, sondern auch deren Verlauf in den vergangenen Jahren.

Die besten Unternehmen der Welt, langfristige Outperformer, wie es im Aktiendeutsch heißt, haben über viele Jahre ihre Dividenden stets erhöht. Einige Beispiele:

Procter&Gamble hat die Dividende 54 Jahre hintereinander Jahr für Jahr erhöht. Coca-Cola erhöht seit 49 Jahren seine Dividende stets. Johnson&Johnson erhöht seit 48 Jahren.

Da Dividenden auch die Verzinsung Ihrer Aktieninvestitionen sind - wenn Sie langfristig dabei bleiben - ist eine solche Politik zu vergleichen mit stetigen Zinssteigerungen. Auch in Deutschland können Sie noch in Aktien mit ähnlicher Tendenz investieren.

Meine Empfehlung: Aktien mit stetiger Dividendensteigerung

Dies sind Aktien, deren Dividende in den vergangenen 5 Jahren stetig gestiegen sind. Dazu zählen Werte wie:

Fuchs Petrolub - sowohl die Stamm- als auch die Vorzugsaktie hat jeweils eine Dividendenerhöhung von fast 30% geschafft.

Fielmann - aktuell auch im “Neuen Deutschen Geldanlagebrief” empfohlen - mit einer Steigerung von durchschnittlich fast 20%.

Fresenius: auch hier hat es sowohl für die Vorzüge als auch die Stämme Steigerungen von jährlich etwa 10% gegeben.

Meine Empfehlung: Investieren Sie gerade nach “unentschlossenen” Wochen wie aktuell in solche Werte. Ihre Vorsorge wird es Ihnen danken. Alle anderen Vorsorgeformen werden in den nächsten Jahren bittere Entwicklungen nehmen und sogar Armut produzieren. Alleine die Inflation frisst alles auf. Dies ist die Sommer-Wahrheit 2011 - während der “Dax unentschlossen” ist. Analysten verpassen hier leider klare Worte.

Suchen Sie dagegen Aktien mit höchster bilanzieller Substanz, findet sich in diesen Tagen ebenfalls ein attraktives Investment. Nach den Buchwerten schlage ich etwa einen Versorger wie E.ON vor. Auch dieser steht trotz ungünstiger politischer Stimmung auf der Empfehlungsliste des “Neuen Deutschen Geldanlagebriefs” - auch für das zweite Halbjahr

 
 
Bildquelle: somenski - Fotolia

Autor:

Janne Joerg Kipp

Janne Joerg Kipp ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage. Aktuelle Hinweise und Empfehlungen zur Vorsorgeoptimierung erhalten Unternehmer und Entscheider im kostenlosen Newsletter Wirtschaft Vertraulich.