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4 Konzepte zur Sicherung von Börsengewinnen

Nach den Krisen, dann wieder Aktien-Rallyes und nachfolgenden Börsen-Erdbeben, die die internationalen Märkte in den letzten Jahren heimgesucht haben, resignierten zahlreiche Kleinanleger und verließen das Börsenparkett genauso schnell, wie sie es betreten hatten.

Viele machten sogar den schlimmsten aller Anlegerfehler: Sie kauften ihre Aktien im Rausch zu Höchstpreisen und verkauften sie anschließend voller Panik zu Spottpreisen.

Das größte Problem dieser Aktionäre war wohl, dass Sie keine Aktien-Erfahrungen und Börsen-Konzepte mitbrachten. Um nicht auch so zu enden, wird es Sie sicherlich interessieren, wie Sie sich am besten gegen Rückschläge schützen können. Im folgenden Beitrag zeige ich Ihnen daher,

  • welche Konzepte Sie zur Sicherung von Börsengewinnen systematisch einsetzen
  • und wie Sie diese in der aktuellen Situation praktisch umsetzen können.

Konzept 1: Ausstieg nach Erreichen fest definierter Kursziele

Ich kenne einige Anleger, die die Sicherung entstandener Kursgewinne nach folgendem, zunächst gar nicht so unklug erscheinenden, jedenfalls verblüffend einfach wirkenden Konzept durchzuführen versuchen:

Nachdem sie in einen Wert eingestiegen sind, definieren sie den Kurs, der erreicht werden muss, um einen bestimmten, durchgängig gleichen Gewinn von beispielsweise 10% zu erwirtschaften. Wenn der Titel dann dieses Kursziel erreicht hat, verkaufen sie den Wert unbesehen.

Dahinter steckt die Überlegung, dass ein für besonders aussichtsreich gehaltener, vielleicht gerade in vielen Finanzpublikationen oder von den Banken empfohlener Wert zu diesem Zeitpunkt wenn schon nicht das ganze ihm zugesprochene Kurspotential, so doch zumindest diesen Mindestgewinn ermöglichen sollte.

Eine Variante dieses Konzepts besteht darin, die Höhe des Kursziels nicht von einem für alle Werte gleichen %-Satz abhängig zu machen, sondern je nach Titel oder charttechnischer Situation stärker zu differenzieren.

Vor- und Nachteile

(+) Einfache Umsetzung des rechnerischen Konzepts durch Festlegung entsprechender Limits, wobei Sie auf jede fundamentale oder technische Analyse verzichten können.

(+) Einfache Auswahl der in Frage kommenden Titel, da Sie sich nur nach den zum jeweiligen Zeitpunkt besonders stark zum Kauf empfohlenen Titeln zu richten brauchen.

(-) Bei gut laufenden Börsen oder Einzelwerten sind Sie ständig genötigt, Ihr Depot umzuschichten, und werden viele Male ohne Not auf Kursgewinne verzichten, die bei einem weiteren Halten der Position möglich wären.

(-) Statt mit einer einzigen Position beispielsweise 50% zu gewinnen, müssen Sie bei einer Kursmarge von beispielsweise 10% insgesamt 5 Positionen eingehen, um denselben Effekt zu erzielen, und setzen sich damit auch einem 5fachen Verlustrisiko aus.

Insgesamt ist dieses Konzept daher wenig geeignet, den Zweck zu erfüllen, für den es gedacht ist.

Insbesondere die systematische Erhöhung des Anlagerisikos, die sich bei einem Monate andauernden schwächeren Markttrend sogar äußerst fatal auswirken kann, würde Ihnen mit einiger Sicherheit langfristig nur unterdurchschnittliche Anlageergebnisse bescheren.

Konzept 2: Positionsabbau bei stark steigenden oder exzessiven Kursen

Die Entwicklung des DAX in der letzten Zeit, aber auch in der Langzeitbetrachtung der letzten 3 Jahre lässt ein anderes von mir häufig praktiziertes Gewinnsicherungs-Konzept als sehr viel profitabler erscheinen:

Danach sollten Sie Einzelpositionen, aber auch Ihren Gesamtbestand an kursabhängigen Anlagen dann reduzieren, wenn die vorangegangene Entwicklung nach oben kurzfristig zu heftig ausfällt.

Solche Übertreibungen können Sie beispielsweise daran erkennen, dass der aktuelle Kurs einer Aktie oder eines Indexes sich von der Linie der gleitenden Durchschnittskurse der letzten 100 oder 200 Tage (GDL) im Vergleich zur normalen Entwicklung sehr weit entfernt hat.

Der Chart auf der folgenden Seite zeigt Ihnen sehr deutlich, dass dies beispielsweise Mitte 1998 und Ende 1999 beim DAX der Fall war, wo der Abstand bis zu 20% betrug. Entsprechende Übertreibungen können Sie auch bei Einzelwerten ausmachen.

Je höher dabei das bereits erreichte Kursniveau, um so erfolgversprechender ist dann auch das Konzept, sich die aufgelaufenen Gewinne zwischenzeitlich zu sichern, um nach der mit Sicherheit kommenden Konsolidierung oder Korrektur auf einem tieferen Kursniveau – vielleicht sogar in dieselben Titel – wieder einzusteigen.


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Historischer Chart: Deutscher Aktienindex von 1997 bis 2000

Wenn Sie die Entfernung der 100-Tage-Durchschnittslinie vom jeweiligen aktuellen Indexstand betrachten, sehen Sie einen sehr großen Abstand um bis zu 20% im Frühsommer 1998 und ab November 1999.

Eine solche Entwicklung können Sie als typisches Warnzeichen für eine unmittelbar bevorstehende kräftige Korrektur ansehen, so dass Sie diese zum Anlass nehmen sollten, aufgelaufene Gewinne auch einmal mitzunehmen.

Ein weiteres kurzfristiges Verkaufssignal können Sie daraus entnehmen, dass der Verlauf der Kurse eine solche Durchschnittslinie von oben nach unten nachhaltig durchschreitet.

Als nachhaltig gilt eine solche Entwicklung dann, wenn sie wenigstens 3 Tage lang andauert und der Durchbruch mindestens 5% beträgt. Dies war beispielsweise im Sommer 1998 beim DAX der Fall, als dieser bei 5.600 Punkten unter die 100-Tage-Linie fiel.

Schließlich können Sie auch aus der fundamentalen Bewertung eines Einzeltitels, einer Börse oder eines speziellen Börsensegments auf eine kurzfristige Überbewertung (= Ausstiegssignal) schließen.

Auch wenn das Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) als Maßstab gerade bei sehr jungen Unternehmen leicht zu Fehlschlüssen veranlasst, sollten Sie es als Beurteilungskriterium nicht aus den Augen verlieren.

Vor- und Nachteile

(+) Sie orientieren sich an objektiven Daten und machen sich nicht von willkürlich festgelegten Kurszielen abhängig.

(+) Da sich diese Daten ständig verändern, ist auch die Kursentwicklung eines Einzelwerts oder des Gesamtmarkts mit Blick auf solche Veränderungen einer ständigen Neubewertung unterworfen.

(-) Trotz der objektiven Beurteilungsbasis hängt die Feststellung einer Überbewertung und eines damit gegebenen Ausstiegssignals zur Gewinnsicherung stark von Ihrer persönlichen Einschätzung ab.

(-) Da sich plötzlich verändernde Rahmenbedingungen (beispielsweise durch eine starke Änderung bei den Zinsen oder der steuerlichen Behandlung von Unternehmenserträgen) erst mit einiger Verspätung auf die fundamentalen

Daten auswirken, ist die Gefahr von Fehlbeurteilungen groß.

Wenn Ihnen nicht klar ist, ob ein Markt oder ein Einzelwert überbewertet ist, sollten Sie einen Ausstieg oder die Reduzierung von Beständen zur Gewinnsicherung nicht auf einen Schlag, sondern in 2 bis 3 Schritten durchführen.

Konzept 3: Verkauf mit Hilfe von nachgezogenen Stop-Loss-Limits

Sich an alten Börsenweisheiten zu orientieren, kann niemals falsch sein, und eine der ältesten Börsenweisheiten besagt, dass Sie als Anleger dann am besten verfahren, wenn Sie Gewinne laufen lassen und Verluste begrenzen.

Damit werden Sie der Tatsache gerecht, dass Sie nie genau sagen können, wie stark ein Aktienwert oder eine Börse in einem überschaubaren Zeitraum tatsächlich ansteigen wird.

Sie legen dazu als Gedankenstütze (Mental Stop) oder per Bankorder schon beim Kauf einer Aktie einen Kurs in Höhe von beispielsweise 10 oder 15% unterhalb Ihres Kaufpreises fest, zu dem Sie auf jeden Fall verkaufen wollen, falls Ihre Aktie bis dahin fällt.

Bei entsprechender Beauftragung Ihrer Bank wird Ihre Order dann automatisch zum nächsten festgestellten Kurs verkauft, sobald dieses sogenannte Stop-Loss-Limit erreicht wird.

Sie werden Ihre Position auf diese Weise zwar selten genau zum vorgegebenen Limit glattstellen können, aber bei entsprechend liquiden Titeln immerhin um dieses Limit herum.

Zur Sicherung Ihrer Gewinne reicht dieses Konzept aber nicht aus. Es geht ja gerade darum, gar nicht erst in die Verlustzone zu kommen.

Doch Sie können den dahinterstehenden Grundgedanken gut für Ihre Zwecke verwenden, wenn Sie die Regel etwas abwandeln: Verkaufen Sie die Position einfach dann, wenn der jeweils aktuelle Kurs im Vergleich zum vorangegangenen letzten Höchstkurs um beispielsweise 10% (= Gewinnrückschlagstoleranz) zurückgefallen ist.

Vorzüge und Gefahren

(+) Sie partizipieren so lange an der Aufwärtsbewegung der Kurse, wie diese innerhalb der von Ihnen vorgegebenen Schwankungsbreite verläuft.

(+) Sie brauchen sich um Kursziele, fundamentale Einflüsse oder charttechnische Sachverhalte keine Gedanken zu machen, sondern können dieses Konzept ganz mechanisch durchführen und schalten auf diese Weise auch alle emotional bestimmten psychologischen Momente aus.

(-) Bei zu geringer Veranschlagung der prozentualen Gewinnrückschlagstoleranz können Sie aufgrund der höheren natürlichen Kursschwankungsbreite des jeweiligen Wertes schnell ”ausgestoppt” werden, bevor sich die Kurse wieder nach oben bewegen.

(-) Wenn Sie nicht über einen Computer mit entsprechendem Programm verfügen, ist der zeitliche Aufwand für die regelmäßige Kontrolle und die Neuberechnung der aktuellen Stop-Loss-Kurse erheblich und bei einem umfangreichen Depot schwer zu leisten.

Andererseits bietet Ihnen heute das Internet in dieser Richtung sehr viele Möglichkeiten; hier finden Sie nicht nur auf zahlreichen Seiten die aktuellsten Aktienkurse, sondern auch sehr viele Börsen- und Finanz-Programme, die Ihnen bei den unterschiedlichsten Anlagesituationen hilfreich sein werden.

GB-Tipp:

Gehen Sie bei unterschiedlichen Anlageformen auch von unterschiedlich hohen Gewinnrückschlagstoleranzen aus. Wählen Sie bei normalen Standardwerten 10%, bei Aktien der Neuen Märkte, aus dem Internet-Bereich oder aus den Emerging Markets 20% und bei Optionsscheinen und Optionen etwa 30%.

Konzept 4: Kauf von Verkaufsoptionen zur Kurs- und Gewinnsicherung

Ihre aufgelaufenen Kursgewinne können Sie sich auch über den Kauf von Verkaufsoptionen (Puts) an der Terminbörse – beispielsweise der Eurex für deutsche und Schweizer Aktien – sichern.

Das kann ebenso über den Erwerb von Index-Puts – beispielsweise auf den DAX – geschehen, wenn Ihr Depot stark an den Titeln eines solchen Indexes ausgerichtet ist.

Beim Kauf einer entsprechenden Anzahl von Puts brauchen Sie Ihre Aktien nicht zu veräußern, weil der Wert der Verkaufsoptionen die Kursrückschläge, die den Wert Ihres Depots mindern, tendenziell ausgleicht.

Das Ganze funktioniert in der Weise, dass Sie über den Kauf solcher Verkaufsoptionen gegen Zahlung einer Optionsprämie das Recht erwerben, bis zum Ablauf dieser Optionen den jeweiligen Aktienwert zu einem bestimmten, beispielsweise auf der aktuellen Höhe liegenden Kurs jederzeit verkaufen zu können.

Um eine solche Strategie optimal nutzen zu können, sollten Sie mit Optionen allerdings schon gewisse Erfahrungen gesammelt haben und deren Wirkungsweise richtig einschätzen können. Absolute Börsen-Anfänger müssen hier also mit höchster Vorsicht agieren.

Vorzüge und Nachteile

(+) Neben der angestrebten Gewinnsicherung können Sie dieses Konzept anwenden, um Ihre Gewinne über bestimmte Termingrenzen (Jahresende, Ablauf der Spekulationsfrist) zu bringen und damit deren steuerliche Behandlung optimal zu gestalten.

(+) Es kann Ihnen völlig gleich sein, wohin sich die Kurse nach dem Erwerb der Puts tatsächlich bewegen, weil der Wert aus Optionen und Depotpositionen sich im Idealfall kaum ändert.

(-) Da an der Terminbörse Optionen immer nur für eine begrenzte Anzahl an Aktien (im wesentlichen sind es die marktbreiten Standardwerte) angeboten werden, können Sie den Kurs der meisten Aktien nicht direkt, sondern nur über Put-Indizes absichern.

In diesen Fällen kann es daher zu einer starken Abweichung der Wertentwicklung bei den entsprechenden Aktien und dem Index-Put kommen.

(-) Die deckungsgleiche Absicherung eines Depots ist beim Kauf der Put-Optionen hinsichtlich der notwendigen Anzahl, des Basispreises oder des zu wählenden Fälligkeitstermins mit erheblichem Rechenaufwand und wegen der möglicherweise auch ganz abzuschreibenden Optionsprämie mit entsprechenden ”Versicherungskosten” verbunden.

Börsengewinne nachhaltig sichern

Kaufen Sie Put-Optionen zur Gewinnsicherung nur, wenn Sie von kurzzeitigen, schnell wieder vorübergehenden Kursrückschlägen ausgehen, und/oder zur Überbrückung steuerlich relevanter Termine.

Greifen Sie dabei aus Kostengründen auf solche Optionen zurück, die auch eine entsprechend geringe Restlaufzeit haben. Machen Sie sich dabei klar, dass der Wertanstieg Ihrer Optionen die eingetretenen Kursverluste in Ihrem Depot niemals genau ausgleichen wird.

Mit einer Kombination aus dem 2. und 3. Konzept fahren Sie auf die Dauer am besten

Nach meinen Erfahrungen erzielen Sie mit Hilfe des 3. und 4. Gewinnsicherungs-Konzepts auf die Dauer immer noch die besten Ergebnisse. Am einfachsten ist dabei die Anwendung des 3. Konzepts, weil es dabei allein auf die technische Umsetzung von Berechnungesoperationen ankommt.

Diese Vorgehensweise sollten Sie jedenfalls bei Einzelpositionen, die einen erheblichen Depotanteil ausmachen, anstreben.

Sie ist aber auch anwendbar, wenn Sie die Kurssicherungstoleranzen auf die Gesamtentwicklung Ihres Depots beziehen und bei entsprechenden Rückschlägen Ihre kursreagiblen Bestände insgesamt reduzieren.

16. Juli 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.