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Abgeltungssteuer: Sinnlose Klage – richtige Strategie

Das Rentner-Ehepaar möchte auch die Kosten für die Zinsen eines Kredites absetzen, den sie für den Kauf von Genussscheinen aufgenommen hatten (Az. 6 K 1847/ 10). Sie könnten als Anleger mit denselben Argumenten auch Reisekosten zu Hauptversammlungen, Informationskosten und ähnliches absetzen.

Ich empfehle jedoch, dem Verfahren keine großen Aussichten einzuräumen, auch wenn Andere es als Steuersparchance einschätzen. Hier zum Hintergrund und zur Alternative: Vor Einführung der Abgeltungssteuer galt ein einfaches Prinzip. Ihren Einkommen müssen Sie auch die Kosten dafür entgegen halten können („Nettoprinzip“). Mit der Abgeltungssteuer hat der Staat das ausgehebelt.

Klage wegen Werbungskosten

Die Abgeltungssteuer ist eine Pauschalsteuer. Alles gilt als „abgegolten“. Mit diesem Argument wird, so meine Prognose, der Staat auch die Werbungskosten nicht anerkennen müssen. Denn: 1991 bereits hat das Bundesverfassungsgericht im Prinzip eine solche Steuer für anwendbar erklärt – mit ebendiesen Argumenten.

Meine Empfehlung: Wenn ein übereifriger Steueranwalt Sie überreden möchte, sich irgendwelchen Klagen vor dem Verfassungsgericht anzuschließen, können Sie getrost ablehnen.

Die einzig sinnvolle Maßnahme: Beim nächsten Steuerbescheid können Sie a) Ihre Werbungskosten angeben und b) gegen die Ablehnung mit Verweis auf das laufende Verfahren Einspruch einlegen. So sichern Sie eventuell später entstehende Ansprüche.

Aussichtsreiche Strategie: Langfrist-Investments

Demgegenüber ist es sinnvoll, wenn Sie Ihr Geld langfristig anlegen. Dann finanzieren sich die Steuern fast von allein. Hintergrund ist der Zins- und Zinseszinseffekt. Denn: Die Steuern zahlen Sie erst, wenn Sie Wertpapiere verkaufen.

Erzielen Sie also im Jahr 2010 100 € Gewinn, würden etwa 28 € Steuern fällig.

Wenn diese aber im Depot verbleiben, weil Sie nicht verkaufen, sind Sie mit den 28 € (des Staates) weiter investiert. Wenn Sie noch einmal 20% gewinnen, sind dies auf die 28 € des Staates immerhin 5,60 € – von einem zinsfreien Kredit. Über die Jahre kann sich dieser Zins- und Zinseszinseffekt ausweiten. Ich habe ausgerechnet, dass die Steuerlast sich fast halbiert.

Regel gültig für alle Anlageklassen

Dieses Vorgehen gilt nicht nur für Aktien, sondern für alle Anlageklassen. Die Konsequenz ist erheblich: Zertifikate mit Laufzeitbeschränkung etwa werden so zur Steuerfalle. Bonuszertifikate, recht beliebt, laufen oft nur ein bis zwei Jahre. Der ganze Zinses-Zins-Effekt verrauscht sofort. Anleihen mit kurzer Laufzeit haben demnach sogar zwei Nachteile: die niedrigen Zinsen (die Sie auf jeden Fall versteuern müssen) und die schnelle Steuerschuld.

Meine Empfehlung: Nutzen Sie den Zinses-Zins-Effekt vor allem dann aus, wenn Sie größere Summen, etwa für die Altersvorsorge, investieren. Wer 100.000 € investiert und jährlich 8.000 € Gewinn (im Durchschnitt) erzielt, erhält auf diese Weise einen zinsfreien Kredit von jährlich(!) mehr als 2.000 €.

Passende Investitionsmöglichkeiten habe ich in der Rubrik „langfristige Geldanlagen“ im Neuen Deutschen Geldanlagebrief für Sie zusammengestellt. Woche für Woche finden Sie wertvolle Hinweise dazu – hier 30 Tage lang kostenfrei einfach zum Test. Selbst für Fonds gilt diese Langfriststrategie übrigens. Achtung: nicht für die Ausschüttungen, sondern für eventuelle Kursgewinne. Die Ausschüttungen selbst können Sie kaum steuerlich optimieren.

10. August 2010

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Janne Joerg Kipp. Über den Autor

Janne Joerg Kipp ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.