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Abgeltungssteuer umgehen: So sparen Sie bei Depotübertragungen

Wenn man als Privatanleger Wertpapiere aus seinem Depotbestand in das Depot eines anderen Anlegers überträgt, so gilt dieser Vorgang grundsätzlich als ein Verkauf von Wertpapieren oder Anteilen. Die depotführende Bank behält automatisch die zu erhebende Abgeltungssteuer ein.

Wechselt man mit seinem Depot nur das Kreditinstitut oder schichtet von einem eigenen Depot in ein anderes bei einer anderen Bank, so fließen dem eigenen Kapital keine Erträge zu. Somit ist auch keine Abgeltungssteuer zu zahlen.

Depotübertragung: Abgeltungssteuer vs. Bestandsschutz

Durch die Abgeltungssteuer arbeiten Banken als verlängerter Arm der Finanzbehörden. Für Altbestände vor Einführung der Abgeltungssteuer 2009 gilt natürlich der Bestandsschutz, die Veräußerung ist nach wie vor steuerfrei.

Dieser Bestandsschutz geht allerdings bei der Depotübertragung an eine andere Person verloren. Für einen späteren Verkauf des Depots durch diese Person fällt Abgeltungssteuer an obwohl das Depot ursprünglich vor 2009 erworben wurde.

Depotübertragung: Abgeltungssteuer nicht bei Schenkung

Bei einer unentgeltlichen Übertragung wie z.B. einer Schenkung von den Eltern an ein Kind bleibt der Bestandsschutz aber erhalten und die Abgeltungssteuer entfällt auch bei einem zukünftigen Verkauf des Depots durch den Erben.

Die Schenkung muss allerdings vor Durchführung bei der Bank angezeigt werden.

Die Bank, bzw. das depotführende Kreditinstitut ist in diesen Fällen verpflichtet, den Übertrag wegen der eventuell anfallenden Schenkungsteuer dem Finanzamt anzuzeigen. Für Schenkungen besteht ein Freibetrag von 20.000 €, der allerdings nur alle zehn Jahre in Anspruch genommen werden darf.

Depotübertragung: Abgeltungssteuer beim vererbten Depot verhindern

Als Regelinstrument zur Steuerersparnis ist eine Schenkung wohl für die meisten Anleger untauglich – nicht zuletzt auch aufgrund der sechsmonatigen Handelssperrfrist bei Depotübertragung. Sie ist eher eine Alternative, wenn man einen alten Bestandsschutz von vor 2009 an die nächste Generation übertragen möchte.

Hatte man also sowieso eine Vererbung ins Auge gefasst oder möchte einen Teil des Kapitals an den Ehepartner geben, ist die Schenkung die einzige Möglichkeit zur Depotübertragung entsprechender Altwertpapiere ohne zukünftige Abgeltungssteuerpflicht.

Im Einzelfall ist natürlich zu prüfen, ob der Schenkungsfreibetrag von 20.000 € so weit überschritten wird, dass Erbschaft- bzw. Schenkungsteuer die Abgeltungssteuer bei Auflösung des Depots ohne Bestandsschutz übersteigen würde. Es geht aber auch anders:

Verschiedene Depotinhaber: Abgeltungssteuer droht

Oft passiert es, dass Depots von verschiedenen Inhaber geführt werden. Eheleute mit unterschiedlichen Namen, Verwandte wie Kinder, auch inhaltlich gemeinsam geführte Depots von Freunden oder Börsenclubs.

Theoretisch ist die Überführung eines Depots auf ein anderes ein Verkauf. Dank der neuen Abgeltungssteuer „realisieren“ Sie damit Kursgewinne. Die Bank ist verpflichtet, Abgeltungssteuer auf diese Kurs“gewinne“ gleich einzubehalten. Davor können Sie sich wirksam schützen. Dann, wenn das Depot „unentgeltlich“ übertragen wird, wie hier also nur, um Depots zusammenzuführen.

Sie selbst müssen aktiv werden

Voraussetzung allerdings ist, dass Sie selbst aktiv in der Sache werden. Denn: die Bank erkennt im Zweifel nicht, wem das Konto warum gehört und wie die Steuerpflichten geregelt sind. Sie bleibt aber verpflichtet, die Steuern abzuführen.

Konkret: Sie können der Bank mit Hinweis auf §43, 1,5 EStG anzeigen, dass a.) diese Depotübertragung unentgeltlich ist und b.) Sie daher den Abzug der Abgeltungssteuer nicht wünschen.

Ihre Bank wird dann dem zuständigen Finanzamt darüber eine Meldung – oder zumindst eine Meldung machen müssen. Dies allerdings müssen Sie nicht mehr kontrollieren.

Eine Besonderheit: Die Eheleute

Ein Depotübertrag zwischen Eheleuten (im Sinne der Zusammenfassung, wie ich Sie Ihnen rate) führt theoretisch nicht zur Berechnung von Abgeltungssteuer. Dazu ein paar Tipps:

1. Tipp: Kontrollieren Sie Ihre Bank dazu – auch Altfälle. Ob die Sachbearbeiter vor Ort bei einem gemeinsamen Depot alles richtig gemacht haben, bezweifle ich. Denn: möglicherweise kennen nicht alle Bankberater die Anweisungen des Bundesfinanzministeriums.

2. Tipp: Falls Ihre Bank nicht in Ihrem Sinne agiert, verweisen Sie auf die schriftlichen Anweisungen des Bundesfinanzministeriums (14.12.2007, Az. IV B 8 – S 2000/07/0001 sowie 15.8.2008, Az. IV C 1 – S 2000/07/0009).

Verweisen Sie dabei auf die Seite des Bundesfinanzministeriums. Suchen Sie allerdings nicht selbst nach dem Dokument: Das Archiv ist meiner Einschätzung nach weder vollständig noch gut sortiert oder indexiert. Ihre Bank darf im Zweifel den Steuerberater beauftragen.

3. Tipp: Falls Sie unterschiedliche Namen tragen, ist die Gefahr der falsch abgeführten Abgeltungssteuer besonders hoch. Prüfen Sie hier noch genauer nach.

10. Februar 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.