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Abgeltungssteuer: Was vom Freibetrag übrig ist

Der Freibetrag bei der Abgeltungssteuer nennt sich seit 2009 Sparerpauschbetrag. Mit der damaligen Reform des Besteuerungsverfahrens von Kapitalerträgen entfielen zugleich frühere Formen von Freibeträgen.  Das System ist zwar einfacher geworden. Doch durch die verschiedenen Änderungen im Laufe der vergangenen Jahre wurden Sparer und Anleger eins ums andere mehr belastet.

Die Abgeltungssteuer gilt für private Einkünfte aus Vermögensanlagen und folgt einem einfachen Besteuerungsprinzip: Zinsen, Dividenden und Kursgewinne werden einheitlich mit 25 % plus Solidaritätszuschlag (5.5%) und Kirchensteuer besteuert.

Die Kirchensteuer beträgt in der Regel 9%. In Bayern und Baden-Württemberg nur 8%. Allerdings kann die Kirchensteuer zum Teil als Sonderausgabe abgezogen werden.

Abgeltungssteuer – Einmal abgegolten

Den Steuerabzug nimmt die jeweilige Bank oder Fondsgesellschaft vor, bei der die Wertpapiere lagern. Die Steuer geht also direkt von der Quelle ab und ist somit eine Quellensteuer. Mit dem Steuerabzug ist die Steuerschuld abgegolten, daher der Begriff Abgeltungssteuer.

Die Abgeltungssteuer betrifft alle Geldsparer, Aktien-, Zertifikate- und Fondsanleger, aber nur im privaten Bereich. Wenn Kapitalerträge unternehmerisch erzielt werden, sind sie in der Einkommenssteuer auszuweisen. Die Abgeltungssteuer gilt auch dann nicht, wenn es sich um Gewinne aus Währungsgeschäften handelt. Ausnahme: Devisenkursgewinne auf Fremdwährungskonten.

Auch Gewinne aus speziellen Beteiligungen sind von der Abgeltungssteuer ausgeschlossen. Sie sind dann zu 60 % mit dem jeweiligen persönlichen Einkommenssteuersatz zu versteuern.

Abgeltungssteuer – Freibetrag inklusive Werbungskostenpauschale

Die Abgeltungssteuer wird jedoch durch den Freibetrag gemindert, der bei Alleinstehenden 801 € und bei Verheirateten 1.602 € beträgt. Dieser Freibetrag nennt sich Sparerpauschbetrag. Übrigens: Auch Steuern, die bereits im Ausland gezahlt wurden, können steuermindernd angerechnet werden.

Ansonsten sind mit dem Freibetrag zugleich alle Werbungskosten abgedeckt, zum Beispiel die Anfahrt eines Aktionärs zur Hauptversammlung. Der Freibetrag setzt sich nämlich aus dem ehemaligen Sparerfreibetrag in Höhe von 750 € und einer Werbungskostenpauschale von 51 € zusammen. Für Rentner kommen noch weitere Freibeträge hinzu.

Freibetrag bei der Abgeltungssteuer – Splitten ist möglich

Um den Freibetrag auszuschöpfen, muss man bei seiner Bank einen Freistellungsauftag einreichen. Wer Kunde bei mehreren Finanzinstituten ist, der kann auch seinen Freibetrag aufsplitten und verteilen. Hier sollte man aber zuvor überlegen, welche Beträge wo zu erwarten sind. Etwas Spielraum gibt die Möglichkeit, dass der Freistellungsauftrag während des gesamten Jahres gestellt werden kann.

Wer seinen Freistellungsauftrag vergisst, zahlt eben zunächst die volle Abgeltunssteuer, die er danach aber in der Einkommenssteuererklärung geltend machen kann. Insofern brennt nichts an. Die Abrechnung über die Einkommenssteuerklärung empfiehlt sich ohnehin für jeden, der mit seinem Steuersatz unter dem der Abgeltungssteuer liegt.

Und Geringverdiener, die ohnehin kaum Steuern zahlen, sollten eine Nichtveranlagungsbescheinigung einreichen. Die Grenze markiert der Grundfreibetrag. Der betrug etwa 2012 für Alleinstehende 7.824 € und 1.608 € für Verheiratete.

Abgeltungssteuer und Freibeträge – wie der Zahn der Zeit genagt hat

Die Abgeltungssteuer hat das Besteuerungsverfahren deutlich vereinfacht. Auf Anhieb erscheint es bestechend, wenn pauschal 25% anstatt beispielsweise 40% beim persönlichen Steuersatz zu zahlen sind. Doch nicht alle Anleger haben ein hohes Einkommen. Für die meisten Anleger ist die Abgeltungssteuer eher eine Mehrbelastung.

Grund: Viele der ehemals günstigen Regelungen sind im System von Quellensteuer und einheitlichem Freibetrag aufgegangen. So waren früher Kursgewinne aus Aktien nach der Spakulationsfrist von einem Jahr steuerfrei.

Entfallen ist auch das Halbeinkünfteverfahren, mit dem Werbungskosten zu 50 % abgezogen werden konnten. Durch den jetzigen Anteil im Freibetrag ist der frührere Abzug von Werbungskosten nicht mehr möglich. Auch dann, wenn die Option zur Veranlagung nach dem persönlichen Einkommenssteuertarif ausgeübt wird.

Freibetrag auf ein Viertel geschrumpft

Der Blick weiter zurück zeigt, wie die Freiräume nach und nach geringer wurden. Noch bis 1999 lagen etwa die Freibeträge bei 6.100 DM für Alleinstehende und 12.200 DM für Verheiratete.

Im Jahr 2000 und mit den anschließenden Umstieg auf den Euro wurde der Freibetrag halbiert. 4 Jahr später wurde der Sparerfreibetrag nochmals gesenkt, um schließlich 2007 dort zu landen, wo er heute ist. Seit 2009 und der Einführung der Abgeltungssteuer wurde er lediglich in Sparerpauschbetrag unbenannt.

In der Summe ist von dem einst erfreulichen Freibetrag noch grob ein Viertel übrig. Aber auch die Abgeltungssteuer selbst ist nicht mit 25% in Stein gemeißelt. Ob politische Forderungen nach einer Erhöhung auf über 30% in die Tat umgesetzt werden, wird sich spätestens im nächsten Jahr zeigen.

29. Juli 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.