Börse: KGV niedrig sind nicht immer ein sicherer Deal

Der renommierte US-Finanzexperte James P. O’Shaughnessy benannte einige Kriterien, die für dauerhaften Aktienerfolg an der Börse seiner Meinung nach unabdingbar sind.

Wer sich diszipliniert an diese Kriterien hält, und sich nicht von Gerüchten und Emotionen irre leiten lässt, dem stellt O’Shaughnessy mit seiner Theorie große Erfolge am Aktienmarkt in Aussicht.

Das einfachste dieser Kriterien, die Marktkapitalisierung haben Sie schon kennen gelernt (Kaufen Sie nur Aktien von Unternehmen mit einem Börsenwert > 150 Mio. $).

Das zweite Kriterium des Finanzexperten an der Börse ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) einer Aktien – Aktien mit niedrigem KGV gelten dabei als empfehlenswert.

Börse: Die Gefahr des hohen KGV

Aktien mit hohem KGV sind am Markt sehr beliebt, Werte mit niedrigem KGV hingegen gelten oft als unpopulär.

O’Shaughnessy sieht es allerdings als falsch an, auf Aktien mit sehr hohem KGV zu setzen.

Das Problem dieser Papiere sieht er zwar nicht in den emittierenden Unternehmen, welche meist eine solide wirtschaftliche Performance aufweisen.

Nein, der Haken von Trendaktien mit hohem KGV liegt viel mehr in ihrer Überbewertung durch die hohe Nachfrage.

Anleger, die Anfang 2000 vor dem Platzen der Technologieblase noch in Aktien mit damals sehr hohen KGV wie Cisco oder Nokia investiert haben, wissen was passiert, wenn eine solche Überbewertung plötzlich „platzt“ und der Aktienwert sich wieder dem inneren Wert der AG angleicht.

Mehr dazu: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis als Bewertungsmaßstab für Aktien

Börse: Niedriges KGV keine 100%ige Sicherheit

Achtung, der Umkehrschluss, stets Aktien mit niedrigem KGV zu bevorzugen, ist ebenfalls gefährlich.

Oft gibt es einen guten Grund für die schlechte Bewertung des KGV, beispielsweise, wenn Gewinnschätzungen heruntergeschraubt werden müssen.

Auf der sicheren Seite sind Sie allerdings, wenn Sie Aktien großer bekannter Konzerne kaufen, die ein niedriges KGV aufweisen.


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Hier spricht die Höhe des KGV nicht für langfristige wirtschaftliche Schwierigkeiten der AG sondern lediglich für die geringe momentane Popularität der Aktie.

Bei großen Unternehmen mit gesunder Substanz ist ein niedriger KGV also Anzeichen dafür, dass die entsprechende Aktie unterbewertet ist und damit ein wertvolles Investitionsobjekt.

Mehr zum Thema: KGV: Berechnen leicht gemacht!

Ein Börsentipp: Vergleichen Sie das aktuelle KGV mit den Durchschnittswerten der letzten 10 und 5 Jahre sowie der letzten 3 Jahre.

Ein aktueller Wert unterhalb der historischen Größen deutet auf einen unterbewerteten Gesamtmarkt hin – und umgekehrt.

Für Ihre konkrete Aktien mit niedrigem KGV sollten Sie aber auch noch andere Kriterien, wie zum Beispiel das Timing, berücksichtigen.

Mehr dazu: Aktien: Auswahl-Kriterien von O’Shaugnessy

29. April 2009

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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