Die Entwicklung der Aktienmärkte im vergangenen Kalenderjahr eignet sich eigentlich nicht gerade gut dazu, das Vertrauen in die Anlageklasse „Aktie“ zu erhöhen.
Teilt man das abgelaufene Kalenderjahr in 2 Teile, wobei der Trennstrich im Juli gesetzt werden kann, so werden 2 vollkommen unterschiedliche Entwicklungen an den Börsen ersichtlich.
Im ersten Teil konnten dabei die Aktienmärkte noch von den positiven Konjunkturvorgaben profitieren und die Auswirkungen der bereits zu dem Zeitpunkt bekannten Schuldenprobleme in Europa hielten sich in Grenzen.
Erst Ende Juli schlugen diese voll zu und die deutschen Aktienindizes befanden sich innerhalb kürzester Zeit in einem freien Fall. Beim DAX stoppte diese Entwicklung erst bei einer Marke von knapp über 5.000 Punkten und damit lag der größte Deutsche Aktienindex wieder auf den Niveaus der Krisenjahre 2008 und 2009.
Gleichzeitig schmolzen bei vielen Anlegern die zuvor mühsam angehäuften Kursgewinne. Dies dürfte der Anlageklasse „Aktie“, welche in Deutschland ohnehin nicht besonders beliebt ist, einen weiteren Dämpfer versetzt haben.
Deutsche halten wieder mehr Aktien
Doch genau das Gegenteil ist hier der Fall. Wie jüngst das Deutsche Aktieninstitut (DAI) in der halbjährlich stattfindenden Umfrage zur Entwicklung der Aktionärszahlen bekannt gegeben hat, ist die Anzahl der Privatanleger in Deutschland gestiegen.
Das Engagement an der Börse hat trotz der hohen Volatilitäten und Kursverluste im zweiten Halbjahr 2011 zugenommen!
Gemäß aktuellen Erkenntnissen waren zum Jahreswechsel in Deutschland rund 8,7 Millionen Anleger (entspricht 13,4 % der Bevölkerung) direkt in Aktien oder Aktienfonds investiert.
Gegenüber dem Vorjahr, das gleichzeitig mit lediglich 8,2 Millionen Aktienanlegern den Tiefstwert markiert, entspricht dies einer Steigerung von knapp 500.000.
Angesichts der im letzten Jahr vorherrschenden Börsenstimmung deutet diese Entwicklung laut Rüdiger von Rosen, dem Vorstand der DAI, auf eine gewachsene Reife der Anleger hin.
Diese hätten die zum Teil starken Kursschwankungen im zweiten Halbjahr zum gezielten Einstieg in Einzelwerte genutzt.
Die Käufer von Aktienfondsanteilen hätten hingegen den starken Rückgang der Kurse in den Sommermonaten nicht zum Einstieg genutzt. Hier stieg die Anzahl der Anleger lediglich um 89.000 auf 6,2 Millionen.
Insgesamt wird diese Entwicklung – vor allem aufgrund der Tatsache, dass die Aktionärsanzahl im schwierigen Marktumfeld angestiegen ist – als Trendwende aufgefasst. Denn über die letzten 10 Jahre hinweg ist die Zahl der Aktienbesitzer kontinuierlich gesunken. Dies ist der erste Anstieg seit dem Jahr 2001.
Die Niveaus aus 2011 sind noch weit entfernt
Die alten Niveaus des Jahres 2001 sind aber noch weit entfernt. In der so genannten Dotcom-Zeit waren insgesamt 12,9 Millionen (also rund 4,2 Millionen mehr als derzeit) Deutsche direkt in Aktien oder Aktienfonds investiert.
Dass die Akzeptanz von Aktien zunimmt, ist für die Wirtschaft von höchstem Interesse.
Vor dem Hintergrund, dass deutsche Unternehmen im internationalen Vergleich relativ schwach mit Eigenkapital ausgestattet sind, sollte die Aktienkultur hierzulande stärker ausgebaut werden.



