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Aktienrückkauf: Besonders hohe Gewinne in der Niedrig-Zins-Phase

Die Null-Zins-Politik der Notenbanken ist für jeden Sparer eine riesige Herausforderung. Gute Zinsangebote sind praktisch ausgestorben. Zum Glück konnten Sie sich in den Jahren nach Ausbruch der Finanzkrise mit vielen hoch verzinsten Anleihen eindecken. Für Käufer von Unternehmensanleihen waren die Jahre 2008 bis 2010 goldene Jahre.

Zins-Renditen von 6 bis 10% pro Jahr waren keine Seltenheit. Bis zum Laufzeitende der Anleihen kassieren Sie auch weiterhin die hohen Zins-Erträge. Aber was sollen Anleger machen, die dieses Zeitfenster nicht nutzen konnten und jetzt größere Summen anlegen wollen? Meine klare Antwort: Dividenden schlagen Zinsen!

Während Zinsanleger auch im Jahr 2015 am Kapitalmarkt auf Diät gesetzt werden, können sich Aktionäre auf Rekord-Dividenden freuen. Dividenden-Renditen von 3 bis 5% sind leicht zu erreichen. Die Dividenden-Stars stelle ich Ihnen – wie Sie es aus den Vorjahren kennen – im April vor. Dann liegen die Dividendenvorschläge der Unternehmen auf dem Tisch.

Heute möchte ich Ihnen eine weitere Strategie vorstellen, die in der Niedrig-Zins-Phase sehr erfolgreich ist: Setzen Sie auf Aktienrückkäufer! Die Vorteile dieser Strategie beschreibe ich Ihnen. Zunächst aber die Hintergründe, warum diese Strategie ausgerechnet jetzt gut funktioniert. Nicht nur Sie als Sparer, auch Unternehmen erhalten für ihre Cash-Reserven keine Zinsen mehr.

Daher wächst der Druck auf die Unternehmen, das „tote“ Kapital an die Besitzer, also an Sie als Aktionär, auszuschütten. Das bekannteste Beispiel ist das US-Unternehmen Apple. Im Jahr 2012 saß Apple auf einem Kassenbestand von rund 150 Mrd. US-Dollar. Da einige Investoren den Druck verstärkten, beschloss Apple, große Summen in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen an die Aktionäre auszuschütten.

In den vergangenen knapp 3 Jahren hat Apple rund 100 Mrd. US-Dollar (!) an die Aktionäre ausgeschüttet. Das war ein unglaublicher Gewinn-Hebel für die Aktionäre. Kleine Randbemerkung: Da die Gewinne bei Apple sprudeln, ist der Nettokassenbestand trotz der hohen Ausschüttungen nur von 150 auf 140 Mrd. US-Dollar gesunken.

Apple sorgt mit der aggressiven Aktien-Rückkaufpolitik für Schlagzeilen, ist aber kein Einzelfall. Ganz im Gegenteil: Die Niedrig-Zins-Phase fördert den Ausschüttungsdruck. Weltweit steigen die Summen, die die Unternehmen an die Aktionäre ausschütten. Als Aktionär profitieren Sie davon, wenn Sie sich das Geld, das Ihnen am Zinsmarkt vorenthalten wird, jetzt am Aktienmarkt zurück holen.

3-Jahres-Vergleich: Aktienrückkäufer schlagen DAX und S&P 500 deutlich

Aktienrückkäufer schneiden laut diverser Untersuchungen regelmäßig besser ab als der Gesamtmarkt, aber in der aktuellen Niedrig-Zins-Phase geht die Strategie besonders gut auf, wie folgende Zahlen zeigen: Von Februar 2012 bis Februar 2015 haben der deutsche Leitindex DAX um 65,94% und der amerikanische Leitindex S&P 500 um 62,02% zugelegt.

Das war also ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Einsam an der Spitze liegt dagegen der Index, der die 100 größten Aktienrückkäufer vereint: Der S&P Buyback-Index hat um 86,87% zugelegt. Auf der Seite 4 nenne ich Ihnen 2 Aktien, die von diesem Trend profitieren. Vorher möchte ich Ihnen aber noch zeigen, welche Auswirkungen Aktienrückkäufe haben und welche strategischen Überlegungen hinter den Aktienrückkäufen stecken.

Diese Auswirkungen haben Aktienrückkäufe

Wenn ein Unternehmen eigene Aktien zurückkauft und anschließend vernichtet (in der Börsensprache sagt man weniger brutal „einzieht“), hat das mehrere positive Wirkungen:

  1. Aktienrückkäufe sorgen dafür, dass der zukünftige Unternehmensgewinn auf weniger Aktien verteilt werden muss (selbst bei stagnierenden Gewinnen steigt dann der Gewinn je Aktie).

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  3. Der gleiche Effekt bei der Dividende: Die Dividendensumme muss auf weniger Aktien verteilt werden. Dadurch steigt die Dividenden-Rendite.
  4. Aktienrückkäufe sorgen an der Börse für eine steigende Nachfrage nach der entsprechenden Aktie. Bleibt das Angebot gleichzeitig konstant, steigt der Aktienkurs.
  5. Verkaufswillige Aktionäre können ihre Aktien direkt an das Unternehmen verkaufen und belasten dadurch nicht den Kurs an der Börse.

Ein konkretes Beispiel, das die Wirkung der Käufe zeigt: Im letzten Quartal 2014 konnte Apple den Nettogewinn im Vergleich zur Vorjahresperiode um 37% steigern. Da zeitgleich die Zahl der Aktien deutlich gesunken war und der Gewinn auf weniger Aktien verteilt werden musste, stieg der Gewinn je Aktie sogar um 48%.

Da Apple weiterhin in großem Stil eigene Aktien kauft, muss der Gewinn zukünftig auf noch weniger Aktien verteilt werden. Das lohnt sich auch für die Apple-Aktionäre. Seit Veröffentlichung des ersten Aktienrückkaufprogramms hat sich der Aktienkurs mehr als verdoppelt.

Es gibt mehrere Gründe, die für ein Rückkaufprogramm sprechen

Wenn ein Unternehmen ein Aktienrückkaufprogramm ankündigt, wird das oft als „phantasielos“ kritisiert. Der Vorwurf lautet: Ein Unternehmen hat keine Investitions- und Geschäftsideen mehr, daher kauft es als Notlösung eigene Aktien zurück. Der Vorwurf kann sogar stimmen. Doch die Gründe, die für ein Aktienrückkaufprogramm sprechen, sind sehr vielfältig.

Hier eine Auswahl der taktischen Motive:

a) Die zusätzliche Aktien-Nachfrage soll einen kurzfristigen Abwärtstrend stoppen.

b) Der Vorstand signalisiert mit den Rückkäufen, dass er die eigene Aktie für unterbewertet hält (diesen Grund hat der Apple-Chef Tim Cook genannt).

c) Da Übernahmen aktuell oft zu teuer sind, kann das Geld gewinnbringender in eigene Aktien investiert werden.

d) Der Großaktionär kann mit einem Aktienrückkaufprogramm seine eigene Machtstellung ausbauen, wenn Privatanleger das Angebot annehmen, der Großaktionär aber keine Aktien abgibt (so jüngst im Fall Hochtief geschehen).

e) In extremen Niedrig-Zins-Phasen (wie aktuell) kann es sich für ein Unternehmen sogar lohnen, für einen Aktienrückkauf Fremdkapital aufzunehmen, wenn die Zinsen niedriger sind als die eingesparten Dividenden.

f) Das Geld in der Unternehmenskasse wirft keine Zinsen mehr ab. Durch Aktienrückkäufe kann das „tote“ Kapital arbeiten.

g) Aktienrückkäufe können Aktionäre bei Laune halten, wenn das Unternehmen in einer Umbruchphase steckt und Umsatz und Gewinn absehbar nicht steigern kann (so wie im Fall IBM; IBM verwandelt sich von einem Hardwarehersteller zu einem Software-und Dienstleistungsunternehmen. Aktienrückkäufe und Dividenden sollen die Aktionäre an das Unternehmen binden).

h) In einigen Ländern werden Kursgewinne nicht so hoch besteuert wie Dividenden. In diesen Fällen kann es sich lohnen, die Dividende niedrig zu halten und den Kurs mit Aktienrückkäufen zu steigern. Außerdem: Die Dividende wird sofort versteuert, der Kursgewinn erst nach dem Aktienverkauf. Die Steuerbelastung kann also in ein passendes Jahr verschoben werden.

i) Ein „reifes“ Unternehmen kann mit Aktienrückkäufen dafür sorgen, dass trotz Gewinnstagnation der Gewinn je Aktie steigt und das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) sinkt (falls der Kurs zunächst stabil bleibt). So wird die Aktie wieder attraktiver.

Diese Gründe, warum Unternehmen eigene Aktien kauft, sind positiv zu werten. Aber wie bei fast allen Instrumenten, kann auch ein Aktienrückkaufprogramm „missbraucht“ werden, oder zumindest die Risiken erhöhen.

Negativbeispiel Bankenbranche

Als es den Banken vor Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 wirtschaftlich sehr gut ging, haben diese im großen Stil eigene Aktien zurückgekauft. Dadurch wurde Eigenkapital aufgezehrt, das im Zuge der Finanzkrise sehr hilfreich gewesen wäre.

Denn wenn die Eigenkapitalbasis der Banken größer gewesen wäre, hätten Sie nicht mit Steuergeldern einige der Banken vor dem Ruin retten müssen. Doch was war das Motiv der Banken für die Aktienrückkäufe? Es ging darum, die Eigenkapitalrendite (EK-Rendite) – die „Königs-Rendite“-Kennziffer für Banken – aufzupolieren.

Durch den Rückkauf von eigenen Aktien wird das Eigenkapital verringert. Das allein verbessert noch nicht die EK-Rendite. Was also muss noch passieren? Das Unternehmen muss lediglich den Gewinn stabil halten und schon wird durch die geringere Eigenkapitalbasis die EK-Rendite gesteigert.

Fazit: Der ideale Mix besteht aus Aktienrückkäufen, Dividenden und Investitionen

Ein Aktienrückkaufprogramm reicht isoliert betrachtet nicht als Kaufargument für eine Aktie. Wählen Sie Aktien aus, die den Spagat schaffen: Aktienrückkäufe, Dividenden und Investitionen in neue Geschäftsfelder.

13. Februar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.