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Aktienverkauf – diese Steuern müssen Sie zahlen

Börsenguru Andre Kostolany hat einmal gesagt: „Kaufe, wenn es mehr Aktien als Idioten an Börse hat. Verkaufe, wenn es mehr Idioten als Aktien an Börse hat.“

Dem Finanzamt sind Idioten egal, nicht aber Aktien und andere Wertpapiere. Der Fiskus kassiert nämlich Steuern, wenn Aktien mit Gewinn verkauft werden. Der aktuell gültige Satz der so genannten Abgeltungssteuer beträgt 25 % für alle.

Hinzu kommen der Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Anleger sollten jedoch geltende Freibeträge sowie das Datum des ursprünglichen Erwerbs der Aktien beachten. Grundsätzlich muss man nämlich zwischen Wertpapieren unterscheiden, die vor dem 01.01.2009 und nach dem 01.01.2009 gekauft worden sind.

Aktien, die vor dem 01.01.2009 erworben wurden

Kursgewinne von Aktien, die vor dem 02.01.2009 gekauft worden sind, sind zum jetzigen Zeitpunkt steuerfrei. Vor diesem Stichtag galt nämlich die so genannte Spekulationsfrist. Dabei waren alle Kursgewinne einer Wertpapieranlage steuerfrei, wenn diese länger als 12 Monate gehalten wurde.

Und das gilt heute auch noch für ältere Positionen im Depot. Noch einmal als Hinweis für Anleger: Wenn Sie heute noch Aktien besitzen, die Sie vor dem 01.01.2009 gekauft haben, zahlen Sie bei deren Verkauf keine Steuern auf eventuelle Gewinne.

Das sollten Sie in jedem Fall im Hinterkopf behalten, denn für realisierte Kursgewinne für nach dem Stichtag erworbene Aktien verlangt der Fiskus einen Obolus. Unter Umständen kann es sinnvoll sein, die älteren Bestände noch länger zu halten.

Aktien, die nach dem 01.01.2009 gekauft wurden

In Deutschland wurde zum 01.01.2009 die so genannte Abgeltungssteuer eingeführt. Hierdurch werden Kursgewinne von Aktien pauschal mit 25 % versteuert. Plus Solidaritätszuschlag mit einem festen Satz – 5,5 % von der Abgeltungssteuer. Möglicherweise muss auch noch die Kirchensteuer (je nach Bundesland 8 oder 9 % von der Abgeltungssteuer) hinzuaddiert werden.

Insgesamt beläuft sich die Abgeltungssteuer ohne Kirchensteuer also auf 26,375 %. Mit Kirchensteuer beträgt diese in Bayern und Baden-Württemberg (Kirchensteuersatz 8 %) 27,82 % und in den anderen Bundesländern (Kirchensteuersatz 9%) 27,99 %. Hierbei ist die von den Finanzämtern gewährte pauschale Ermäßigung bereits einberechnet.

Neu an dieser Regelung ist vor allem, dass die Steuer automatisch von der depotführenden Bank einbehalten und an das Finanzamt weitergeleitet wird. So soll die Möglichkeit zur Steuerhinterziehung vermieden werden.

Durch die Neuregelung haben sich Steuern bei der Vermögensanlage in Aktien insgesamt etwas erhöht. Gleichgültig, wie lange die Wertpapiere gehalten werden, das Finanzamt besteht auf seinen Anteil am Gewinn.

Vorteile der neuen Regelung

Aber es gibt auch Erleichterungen. Sollte ihr persönlicher Spitzensteuersatz unter 25 % liegen, z.B. als Student oder Rentner, so können Sie im Wege des Einkommensteuerjahresausgleiches unter Umständen zu viel bezahlte Abgeltungssteuern vom Finanzamt zurückholen.

Ebenso werden natürlich Verluste aus Verkäufen gegengerechnet. Haben Sie zum Beispiel zunächst mit einem Geschäft 1.000 Euro  Gewinn gemacht, wurden Ihnen nur 736,25 Euro Gewinn gutgeschrieben. Den Rest erhielt das Finanzamt. Folgt anschießend ein Verkauf mit Verlust von 1.000 Euro, so erhalten Sie direkt die vorher gezahlten 263,75 Euro Steuern von Ihrer Bank erstattet.

Wenn Sie dauerhaft nicht einkommensteuerpflichtig sind, können Sie sich bei Ihrem Finanzamt eine Nichtveranlagungsbescheinigung ausstellen lassen und diese bei Ihrer Bank abgeben. Anschließend führt diese keine Abschlagssteuer mehr für Sie ab. Sollten Sie anschließend aber wieder einkommensteuerpflichtig werden, so müssen Sie diese Bescheinigung zurückziehen.

Ihr Broker führt für Ihr Depot eine steuerliche Nebenrechnung, aus dieser können Sie nach jeder Verkaufstransaktion sehen, wie Ihr Steuerkonto aussieht.

Wichtiger Tipp:

Haben Sie bei verschiedenen Banken Depots, werden die entsprechenden steuerlichen Beträge nicht untereinander angestimmt. Haben Sie ein Depot mit Gewinnen und eines mit Verlusten, so können Sie beide im Einkommen steuerjahresausgleich angeben und erhalten dann vom Finanzamt eine Erstattung.

Achtung: Freibeträge und eventuelle Verlustvorträge beachten

Wer allerdings den so genannten Sparerfreibetrag noch nicht für andere Vermögenswerte aufgebraucht hat, kann diesen auch für die Besteuerung der Kursgewinne auf Aktien einsetzen.

Für Singles beträgt der auf den Konten und Depots zu verteilende Freibetrag 801 € im Jahr. Bei Verheirateten sind es 1.602 €.

Auch Verlustvorträge können die Steuerlast reduzieren. Allerdings werden hierbei nur Verluste des zurückliegenden Jahres berücksichtigt. Und bei Gewinnen aus Kapitalanlagen werden auch nur Verluste aus Kapitalanlagen gegengerechnet.

15. April 2015

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Peter Hermann
Von: Peter Hermann. Über den Autor

Peter Hermann ist studierter Germanist und Sozialwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Finanzjournalismus. Sein Spezialgebiet sind die Offenen Investmentfonds. Darüber hinaus besitzt er die Zulassung zum Anlageberater nach § 34 f.