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Aktiv- und Passivseite einer Unternehmens-Bilanz

Ich stelle Ihnen in diesem Artikel die Grundzüge von Bilanzen vor und versuche Ihnen einen groben Überblick über die Aktiv- und Passiv-Seite einer Bilanz zu geben.

Sie werden die wichtigsten Bilanz-Positionen der beiden Seiten einer Bilanz kennenlernen und nach der Lektüre einen groben Überblick über den Inhalt und die Funktionsweise einer Bilanz haben.

Mit diesem Basiswissen können Sie die Halbjahres-Berichte, die regelmäßig von den Unternehmen veröffentlicht werden, noch besser verstehen und bewerten.

Die Bilanz-Analyse kann die Entscheidung beeinflussen, ob Sie eine Aktie aus fundamentaler Sicht kaufen oder doch besser verkaufen sollten.

Wichtige Grundzüge einer Unternehmens-Bilanz

Eine Bilanz ist eine auf einen Stichtag bezogene Gegenüberstellung:

Auf der einen Seite werden die Vermögens-Gegenstände aufgeführt (Aktiv-Seite), auf der anderen (Passiv-Seite) wird die Herkunft der Mittel aufgeschlüsselt, mit denen die Vermögens-Gegenstände auf der Aktiv-Seite erworben worden sind.

Per Definition müssen beide Seiten einer Bilanz stets gleich groß sein, denn jeder Vermögens-Gegenstand auf der Aktiv-Seite muss durch Eigen- oder Fremdkapital auf der Passiv-Seite finanziert sein.

Mit gleich groß ist übrigens die Bilanz-Summe gemeint. Wenn auf der Aktiv-Seite unter dem Strich ein Betrag von 1 Mio. € steht, so muss auch auf der Passiv-Seite unter dem Strich ein Betrag in gleicher Höhe stehen.

Aktiv- und Passiv-Seite einer Bilanz

Einen groben Überblick über den Aufbau einer Bilanz dürften Sie jetzt haben. Doch was bedeuten die einzelnen Positionen einer Bilanz?

Auch wenn dieses Rechenwerk für ungeübte Leser auf den 1. Blick wie ein „Buch mit 7 Siegeln“ aussieht, mit ein wenig Zeitaufwand erhalten Sie ein recht detailliertes Bild des Unternehmens.


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Beginnen wir mit der Aktiv-Seite der Bilanz: Zunächst wird die Bilanz (auf der Aktiv- und Passiv-Seite) nach Fristigkeiten unterteilt.

So kann auf der Aktiv-Seite zwischen langfristigen (Anlage-Vermögen) und kurzfristigen Vermögens-Gegenständen (Umlauf-Vermögen) unterschieden werden.

Bei Fristigkeiten von mehr als 1 Jahr handelt es sich um langfristige Vermögens-Gegenstände.

Zudem wird zwischen immateriellen Vermögens-Gegenständen (z. B. Patente), Sachanlagen (z. B. Grundstücke und Gebäude) und Finanz-Anlagen (dauerhaft im Besitz befindliche Wertpapiere) unterschieden.

Zum Umlauf-Vermögen eines Unternehmens zählen alle Güter, die nur vorübergehend im Unternehmen bleiben sollen. Dazu zählen beispielsweise Vorräte und Forderungen.

Weiterhin befinden sich flüssige Mittel auf der Aktivseite der Bilanz, zu denen u. a. Wertpapiere, Guthaben bei Banken und der Kassenbestand zählen.

Auch die Passiv-Seite einer Bilanz wird nach Fristigkeiten gegliedert:

Da Eigenkapital dem Unternehmen theoretisch unendlich zur Verfügung steht, hat dieses per Definition eine längere Laufzeit als Fremdkapital, was als Schulden (lang- bzw. kurzfristig) gekennzeichnet ist.

Innerhalb des Fremdkapitals wird bei den Fristigkeiten zwischen Rückstellungen und Verbindlichkeiten (Schulden) differenziert.

Rückstellungen sind bei den Managern in Deutschland aus mehreren Gründen besonders beliebt:

Sie unterliegen nicht wie thesaurierte (einbehaltene) Gewinne der Körperschaftsteuer.

Es ist deshalb für eine Aktiengesellschaft interessant, einen Teil des Gewinns so lange wie möglich als Rückstellung zu verbuchen und diese erst so spät wie möglich gewinnerhöhend aufzulösen.

Dadurch wird die Zahlung der Körperschaftsteuer hinausgeschoben und der Steuerbetrag steht dem Unternehmen noch eine Zeit lang für Investitions-Zwecke zur Verfügung.

Durch eine erhöhte oder verminderte Dotierung der Rückstellungen kann eine gewisse Glättung des Unternehmens-Gewinns über die Zeit erreicht werden.

Dadurch wird einerseits eine kontinuierliche Dividenden-Zahlung ermöglicht und andererseits für eine bestimmte Zeit das „Verstecken“ von Verlusten durch Auflösung oder geringere Dotierung der Rückstellungen.

Fazit: Langfristig können Sie kaum getäuscht werden

Ein Unternehmen kann den Gewinn legal nach oben und unten korrigieren. Dadurch gibt es häufig „Punktlandungen“ bei den Jahres-Prognosen.

Auf Dauer kann das Management die echte Geschäftslage jedoch nicht überdecken. Daher lohnt sich die Bilanz-Lektüre für Sie als Aktionär.

Abschließend noch ein Praxis-Tipp: Im Internet werden ab und zu „Wunder-Aktien“ angepriesen. Oft verstecken sich dahinter nur Briefkasten-Firmen, die praktisch kein operatives Geschäft besitzen.

Nur wenige Betrüger machen sich die Mühe, für diese Unternehmen vollständige Geschäftsberichte zu erstellen oder zu fälschen.

Wenn Sie einen „heißen“ Aktien-Tipp im Internet finden, das entsprechende Unternehmen jedoch keine geprüften Geschäftsberichte zur Verfügung stellt, sollten Sie unbedingt die Finger von diesen Aktien lassen.

3. August 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.