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Altersvorsorge: Kapital-Lebensversicherungen sind ein Auslaufmodell

Die kapitalbildende Lebensversicherung war lange für alle, die es mit ihrer privaten Altersvorsorge einfach und bequem haben wollten, das beliebteste Vorsorgeprodukt. Bis zum Jahr 2000 gab es noch einen attraktiven Garantiezins von 4% und die Erträge waren bis 2004 noch komplett steuerfrei.

Aber der Garantiezins wurde in Folge des Dauerzinstiefs mehrfach gesenkt und die Steuerfreiheit eingeschränkt. Vor diesem Hintergrund lohnt sich der Neuabschluss einer Kapital-Lebensversicherung heute kaum noch.

Lebensversicherung als Klassiker der privaten Altersvorsorge

Neben der gesetzlichen und betrieblichen Altersvorsoge war die Kapital-Lebensversicherung über Jahrzehnte die beliebteste Anlageform der Deutschen für die private Altersvorsorge.

Der Schutz der Hinterbliebenen im Todesfall und der Aufbau von privatem Alterskapital waren die beiden Hauptbestandteile der Kapital-Lebensversicherung. Die meisten Verträge wurden auf eine Laufzeit bis zwischen dem 60. und 65. Lebensjahr abgeschlossen. Wenn man dann in Rente ging, hatte man zusätzlich privates Alterskapital.

Der Sparanteil des Beitrags erwirtschaftete Zinsen und neben dem Garantiezins erhielt man eine Überschussbeteiligung. Da Lebensversicherer überwiegend in festverzinsliche Wertpapiere investieren, erhielt man so eine steuerfreie Rendite von 5 bis 8%, sofern der Vertrag mindestens 12 Jahre lief. Aber das war einmal.

Erst sank der Garantiezins, dann fiel die Steuerbefreiung

Betrug der Garantiezins bis zum Jahr 2000 noch 4%, wurde er danach aufgrund des Dauerzinstiefs der letzten 10 Jahre in mehreren Schritten gesenkt und beträgt für Neuverträge ab 2016 nur noch 1,25%. Für 2017 soll er voraussichtlich nur noch 0,9% betragen.

So schmälert die langjährige Niedrigzinsphase die Anlageergebnisse der Versicherer, von denen bereits erste aus dem Markt ausgeschieden sind und nur noch ihre Bestandsverträge verwalten.

Hinzu kommt, dass Leistungen aus Neuverträgen, die ab 2005 abgeschlossen wurden, in der Auszahlungsphase zu 50% versteuert werden müssen. Den verbliebenen Steuervorteil können nur jene Kunden einstreichen, die bei Auszahlung mindestens 62 Jahre alt sind und deren Vertrag seit mindestens 12 Jahren läuft.

Außerdem bringen Lebensversicherungen die erhofften Erträge nur dann, wenn der Kunde bis zum Schluss durchhält und nicht vorzeitig kündigt. Doch die Verbraucher haben immer weniger Lust auf lange Bindungen.

Altverträge vor 2005 sollte man besser behalten

Kapital-Lebensversicherungen, die man bis 2004 abgeschlossen hat, sollte man besser nicht kündigen, da die Verträge immer noch 3 bis 4% Zinsen abwerfen. Die Garantiezinsen kann einem niemand mehr nehmen, denn neue Garantiezinsen gelten nur für Neukunden.

Außerdem profitieren Versicherte, die ihren Vertrag vor dem Jahr 2005 abgeschlossen haben, von Steuervorteilen: Zum einen können sie die Versicherungsbeiträge größtenteils als Sonderausgaben absetzen und zum anderen sich das Kapital später steuerfrei auf einen Schlag auszahlen lassen, wenn der Vertrag mindestens über 12 Jahre bestanden hat.

Lebensversicherungsverträge, die seit 2005 abgeschlossen wurden, sollten näher geprüft werden. Ein Ausstieg ist dann empfehlenswert, wenn die Police sehr teuer ist, das Unternehmen nicht wirtschaftlich arbeitet oder die Kunden den Hinterbliebenenschutz gar nicht brauchen.

Von Neuverträgen ab 2016, die nur noch einen Garantiezins von 1,25% haben, oder gar ab 2017 mit einem Garantiezins von voraussichtlich 0,9% sollte man besser die Finger lassen, weil die Minizinsen die lange Laufzeit nicht wert sind. Inzwischen bieten einige Versicherer sogar Policen an ohne eine Zinsgarantie.

Alternativen zur Altersvorsorge mit Kapital-Lebensversicherungen

In der gegenwärtigen Niedrigzinsphase bieten sich beispielsweise Zielfonds für die Altersvorsorge an und eine separate Risiko-Lebensversicherung für die Hinterbliebenenvorsorge. Eine solche Police kann man zum Beispiel kostengünstig bei einem Direktversicherer abschließen.

Zielfonds gibt es unter anderem als Mischfonds mit einer festen Laufzeit. Mischfonds investieren unter anderem sowohl in Aktien als auch in festverzinsliche Wertpapiere. Zu Beginn der Laufzeit ist der Aktienanteil in der Regel hoch, um eine möglichst gute Rendite zu erzielen und zum Ende der Laufzeit wird der Anteil der festverzinslichen Wertpapiere hochgefahren, um der Sicherheit der Anlage Rechnung zu tragen.

Kapital-Lebensversicherungen sind also nicht die einzige Möglichkeit, um private Altersvorsorge zu betreiben, sondern es gibt durchaus renditestärkere Alternativen, die ebenfalls dem Anlageziel Sicherheit Rechnung tragen.

27. Mai 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Dr. Jürgen Nawatzki
Von: Dr. Jürgen Nawatzki. Über den Autor

Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre war Dr. Jürgen Nawatzki u. a. als Finanzberater tätig und hat individuelle Lösungen zur Vorsorge, Immobilienfinanzierung und zum Kapitalaufbau für Privatkunden entwickelt. Als Autor möchte er seinen Lesern Informationen und Hintergrundwissen zu Wirtschafts- und Finanzthemen liefern.