MenüMenü

Gratis Studie zum kostenlosen Download:
Neu: 3 Topaktien für das Jahr 2017 . . . Download hier ➜

Amancio Ortega: Kleider machen Leute

Bei der Frage, wer wohl die reichsten Menschen der Welt sind, kommen viele spontan auf Namen wie Bill Gates, Mark Zuckerberg oder Warren Buffet. In der internationalen Rangliste dominieren zwar US-Amerikaner.

Auch wird finanzieller Erfolg in der medialen Präsenz schnell mit Microsoft, Facebook und bei Anlegern mit Investmentlegenden in Verbindung gebracht, doch es geht auch ganz traditionell.

Amancio Ortega: zweitreichster Mann der Welt

Kleider machen Leute – mit diesem altmodisch anmutenden Titel könnte man Amancio Ortega beschreiben, dem es gelang, im Bekleidungssektor das ganz große Geld zu machen. Der Spanier ist im jährlichen Ranking des renommierten Datendienstleisters Wealth-X 2016 der zweitreichste Mann der Welt und die Nummer eins in Europa.

Sein Vermögen wird auf 66,8 Mrd. US-$ geschätzt, andere Quellen gehen sogar von 72 Milliarden aus. Damit überholte er sogar Warren Buffet. Äußerlich könnte der bescheiden auftretende Mann aus der nordspanischen Provinz Galizien auf vielen Bildern glatt als älterer Bruder von Uli Hoeneß durchgehen. Ortega fing ganz klein und von ganz unten an.

Aus armen Verhältnissen zum weltgrößten Textil-Imperium

1950 verließ er als 14-Jähriger die Schule. Er verdingte sich als Laufbursche für eine Hemdenschneiderei in der Heimatstadt  La Coruña, um seiner Mutter zu helfen. Zuvor hatte er mitansehen müssen, wie die von der örtlichen Metzgerei keinen Kredit mehr bekam.

Bald schon wurde er Verkäufer in einem Modegeschäft, wo er seine erste Frau kennenlernte. Die beiden kamen überein, dass die Textilien in dem Laden viel zu teuer waren und beschlossen, selber und billiger zu produzieren.

Ab 1963 stellten sie zunächst Bademäntel her und eröffneten 12 Jahre später den ersten Zara-Laden, die erste eigene Marke, die noch heute das Aushängeschild im Ortega-Modeimperium ist. Die anderen begehrten Labels wie Pull&Bear, Massimo Dutti, Bershka oder Oysho folgten später. Alle gehören zur Unternehmensgruppe Inditex. Deren Spektrum umfasst neben Bekleidung für verschiedene Zielgruppen auch Uhren und Parfums.

Inditex-Marken sind internationale Renner. Die über 6.300 Filialen der Textilkette befinden sich in den Bestlagen zahlloser Städte weltweit. Sie sind alle nach demselben Prinzip ausgestattet und bringen einen Umsatz von fast 30 Mrd. € jährlich.

Immer einen Tick schneller

Was Amancio Ortega von anderen Anbietern von Anfang an unterschied: Mit seinem Prinzip, trendige Designs zu kopieren und innerhalb kürzester Zeit an die Ladentheke zu bringen, schuf der das, was man in der Branche als Fast-Fashion bezeichnet. Von der Idee bis zum fertigen Stück im Schaufenster vergehen nur zwei bis sechs Wochen. Damit gab er anderen wie H&M oder GAP die Marschrichtung vor und mauserte sich zum weltgrößten Textilhersteller.

Hinzu kommen Ortegas Immobiliengeschäfte, die sich schon aus dem Bedarf für seine Läden entwickelten. Er kaufte nicht nur nach der Immobilienblase in Spanien überall billig ein. Als sein Unternehmen Pontegadea auch das Londoner Devonshire House für 480 Mio. € erwarb, wurden die Medien erst auf ihn aufmerksam. Stets schlägt er zu, wenn andere noch überlegen.

Ortega hat nie die Bodenhaftung verloren

Ein guter Teil seines privaten Geldes kommt aus den Dividenden der Inditex AG, an der die Mehrheit hält. Bei alledem ist Amancio Ortega bescheiden geblieben und bleibt lieber im Hintergrund. Seine einfache Herkunft hat er genauso wenig vergessen wie seinen behinderten Sohn aus erster Ehe. Viel Geld steckt er in seine Stiftungen, die sich um benachteiligte Jungendliche kümmern oder Kultur, Bildung und Wissenschaft fördern.

Amancio Ortega hat sich sein Vermögen hart aber clever erarbeitet und nie die Bodenhaftung verloren. Was viele erstaunt, der Modezar selbst trägt immer dasselbe Outfit: weißes Hemd und grauer Blazer, manchmal auch einen blauen mit schlichtem Polohemd darunter.

27. April 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.