27.01.2012 - 18:00 Uhr von Jens Gravenkötter

Amgen und Celgene kaufen zu: Doppelschlag in der Biotech-Branche

Doppelschlag in der Biotech-Branche

Die Deal-Aktivität in der Biotech-Branche nimmt zu. Gleich zwei neue Übernahmen wurden in den letzten 24-Stunden bekannt gegeben.

Zum einen übernimmt der amerikanische Biotech-Konzern Celgene den kleineren US-Rivalen Avila Therapeutics. Zum anderen will der Biotech-Konzern Amgen den deutsch-amerikanischen Konkurrenten Micromet übernehmen.

Es geht auch freundlich: Übernahme-Kandidaten stimmen fairen Preisen zu

Beide Übernahmen sind zur Stärkung der jeweiligen Krebsmedizin-Sparte gedacht und kommen nur zwei Tage nachdem der Pharma-Riese Roche ebenfalls in dem Bereich eine Übernahme-Offerte unterbreitet hat (der Übernahme-Sensor berichtete).

Doch anders als bei der feindlichen Roche-Offerte, herrscht bei den jetzigen Deals zwischen den Bietern und den Übernahme-Kandidaten bereits Einigung. Die Verwaltungsräte von Micromet und Amgen begrüßen den Übernahme-Preis und stimmten zu.

Übernahme-Ankündigung schützt Celgene vor Kursrückgang

Celgenes Übernahme-Vorstoß wurde parallel mit den neuen Geschäftszahlen angekündigt. Obwohl die Zahlen schlechter als vom Markt erwartet ausfielen, konnte sich die Aktie auf dem hohen Niveau halten.

Investoren honorieren offenbar den Deal, für den Celgene bis zu 925 Mio. Dollar zahlt. Wie hoch die letztendliche Zahlung sein wird, steht aktuell noch nicht fest. Denn neben einer Basiszahlung von 350 Mio. Dollar, werden erfolgsabhängige Zahlungen von bis zu 575 Mio. Dollar fällig.

Gestaffelter Übernahme-Preis erleichtert Verhandlungen

In den vergangenen Jahren war ein gestaffelter Übernahme-Preis in der Biotech-Branche öfters zu beobachten. Der Übernahme-Sensor befürwortet solche Angebote. Denn der Wert von Biotech-Unternehmen hängt sehr stark von der Forschungspipeline ab und ist nur schwer einzuschätzen.

Mit einem gestaffelten Angebot kommt man dem „wahren“ Wert der Forschungspipeline sehr nahe. Wenn ein sich in der Entwicklung befindliches Medikament sich am Ende als wirkungslos entpuppt, bleibt eine Zahlung aus. Zeichnet sich ab, dass das Medikament wirkt, erhöht sich der Übernahme-Preis.

Dieses Vorgehen erleichtert die Preisfindung von Biotech-Unternehmen enorm und nimmt dem Bieter viel Übernahme-Risiko. Dadurch steigt die Übernahme-Bereitschaft und in der Folge die Anzahl der Deals.

Amgen bietet 33% Übernahme-Prämie

Während Übernahme-Spekulanten an dem Celgene-Avila-Deal leider nicht mitverdienen konnten (Avila ist nicht börsennotiert), haben zumindest diejenigen gewonnen, die auf Micromet gesetzt haben. Denn wie fast immer, gibt es auch diesmal für die Anteilseigner eine kräftige Übernahme-Prämie.

Amgen bietet 11 Dollar je Micromet-Aktie, was gemessen am Vortages-Schlusskurs einer Übernahme-Prämie von 33% entspricht. Wer vor drei Monaten investierte, konnte sein Geld sogar verdoppeln.

Insgesamt hat der Deal einen Wert von 1,16 Mrd. Dollar (880 Mio. Euro). Laut Amgen-Analysten hat der weltgrößte Biotech-Konzern damit aber noch lange nicht sein Pulver verschossen. Es wird erwartet, dass Amgen weitere Übernahmen plant.

Gut möglich, dass der nächste Kandidat dann aus Deutschland kommt.

 
 
Bildquelle: Gina Sanders - Fotolia

Autor:

Jens Gravenkötter

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