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Anarchokapitalismus: staatliches Eingreifen unerwünscht

Die Erhebung der Steuer als unrechtmäßiger Eingriff in die persönliche Freiheit: Wer derzeit an seiner Steuererklärung sitzt, wird sich dieser Ansicht vermutlich gerne anschließen. Im politisch-wirtschaftlichen System des Anarchokapitalismus wird diese These vertreten.

Der Anarchokapitalismus strebt nach einem freien Markt und einer auf Freiwilligkeit geprägten Gesellschaft ohne Eingriffe seitens des Staates.  Selbstbestimmung, die Unantastbarkeit der Freiheit und des Privateigentums liegen dieser Theorie zugrunde – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Selbstbestimmungsrechte anderer Gesellschaftsmitglieder nicht verletzt werden.

Die Umsetzbarkeit dieser Philosophie erscheint jedoch mehr als fraglich. Insbesondere die letzten Krisenjahre in der Weltwirtschaft lassen die Forderungen nach mehr Regulierungen und Einschränkungen der Marktwirtschaft laut werden. Als Fortführung des Gedankens der freien Marktwirtschaft ist der Anarchokapitalismus dennoch von Interesse.

Anarchokapitalismus und der Staat

Schon die klassischen und neoklassischen Theorien des 19.Jahrhunderts befassen sich mit der Rolle des Staates und der Selbstheilungskräfte des Marktes. Diese Annahmen wurden jedoch schon zur Zeit der Weltwirtschaftskrise der 1920er Jahre hinterfragt. Der freie Markt konnte sich nicht selbst regulieren und brach zusammen.

Der Anarchokapitalismus sieht die staatlichen Eingriffe als Eingrenzung der persönlichen Freiheit. Steuererhebungen werden zum Beispiel als eine unrechtmäßige Aneignung des Staates angesehen. Profitieren würden nur diejenigen mit dem größten Einfluss auf staatliche Prozesse – und das immer zu Ungunsten derjenigen mit wenig Einfluss auf den Staat. Aufgrund dieser Annahme wird auch die Existenz eines Staates an sich in Frage gestellt.

Wichtige Begrifflichkeiten

Die Grundideen des Anarchokapitalismus umfassen die Souveränität des Individuums, Gewaltfreiheit und das Recht auf privates Eigentum.

Die Souveränität des Individuums besagt, dass nur jeder Mensch allein über seine Lebensweise bestimmen kann und soll. Das Prinzip der Gewaltfreiheit untersagt jegliche Gewaltandrohung oder Gewaltausübung, da diese die Freiheit des anderen einschränkt. Dieses Prinzip bezieht sich jedoch nicht ausschließlich auf körperliche Gewalt, sondern wird auch auf vom Staat erzwungene Steuern und Abgaben angewandt.

Das Recht auf Eigentum wird an die Pflicht gebunden, dieses Eigentum zu nutzen und dadurch aufzuwerten. Erst durch die Nutzung des Eigentums, geht es in Privateigentum über. Eine Aneignung von ungenutztem Land, wie es etwa zu Kolonialzeiten üblich war, ist im Anarchokapitalismus nicht rechtens.

Unrechtmäßig erworbenes Eigentum ist dem Markt wieder zuzuführen. So kann zu Preisen, die auch dem Marktpreis entsprechen, Eigentum wieder in den privaten Sektor übergehen.

Vertreter des Anarchokapitalismus

Schon in den 1920er Jahren wurde der Grundstein für den späteren Anarchokapitalismus gelegt. Ludwig von Mises, ein österreichisch-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler, prangerte den Staat an, durch Zwang und Unterdrückung den Menschen ihr freiheitliches Handeln zu untersagen.

Diese Theorie wurde von seinen Schülern, Murray N. Rothbard, und David D. Friedman, Sohn des Nobelpreisträgers Milton Friedman, der ebenfalls die Vorteile eines freien Marktes ohne staatliche Eingriffe sah, aufgegriffen und zum Anarchokapitalismus erweitert.

Sogar Mord wird hierbei nicht verurteilt, solange das Tötungsopfer freiwillig handelte. Jede Handlung kann im Anarchokapitalismus rechtens sein, nur die Freiwilligkeit muss gewahrt bleiben.

Die Kritik: Praxisuntauglichkeit

Der Anarchokapitalismus muss sich einige Kritik aus den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften wie auch seitens der Politik gefallen lassen. Der größte Vorwurf: Praxisuntauglichkeit. Zur Umsetzung der selbstbestimmten Lebensweise benötige auch eine kapitalistische Gesellschaft eine staatliche Ordnung, um die persönliche Freiheit überhaupt gewährleisten zu können.

Zudem scheitere die Umsetzung schon an der Natur des Menschen: Eine Gesellschaft nach Vorbild des Anarchokapitalismus würde nur auf die Unterdrückung der Schwachen durch die Starken herauslaufen und würde somit vermutlich in Chaos und Krieg enden. Nur eine Beschränkung des offenen Marktes und der persönlichen Freiheit könne demnach dieses Ungleichgewicht der Verhältnisse verhindern.

12. Februar 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sonja Hüsken. Über den Autor

Schon vor ihrem Studium der Volkswirtschaftslehre beschäftigte sich Sonja Hüsken intensiv mit dem Zusammenspiel von Politik und Wirtschaft und der Frage nach der richtigen Vorsorge. Immer im Fokus: Der Mehrwert der Information für den Leser.