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Anleger aufgepasst: Finanzminister will höhere Kapitalsteuer

Das Thema Kapitalsteuer macht 2015 wieder die Runde. Seit Einführung der Abgeltungssteuer auf Zinsen, Dividenden und Wertpapiergeschäfte kocht in regelmäßigen Abständen die öffentliche Debatte um Form und Höhe der Besteuerung von Kapitalerträgen hoch: Aktuell denkt Finanzminister Schäuble über eine Rückkehr zum alten System nach – höhere Steuersätze inklusive.

Steuerdaten-Informationssystem stellt Abgeltungssteuer infrage

In zwei Jahren könnte die Kapitalsteuer wieder in Form der Kapitalertragsbesteuerung gemäß dem persönlichen Steuersatz gelten. Für Anleger mit einem Steuersatz bis 25% dürfte sich wenig ändern, alle anderen aber zahlen dann mehr. Ausweichmöglichkeiten wird es wohl kaum noch geben.

Die Länder der Industriestaatenorganisation OECD wollen bis dahin ihr automatisches System zum Informationsaustausch sämtlicher Steuerdaten auf die Beine stellen. Wer sein Geld ins Ausland verschiebt, wird künftig auch dort schneller erfasst.

Rein technisch entfällt mit den neuen Möglichkeiten, alle Steuerzahler zu erfassen und kontrollieren der zentrale Grund für die pauschale Abgeltungssteuer. Eingeführt wurde sie 2009 vor allem, um einer drohenden Steuer- und Kapitalflucht entgegenzuwirken. Für den damaligen Finanzminister Peer Steinbrück war dies ein rein pragmatischer Akt nach dem Gedanken: „Lieber 25% von x als 45% von nix.“

Gerangel um Kapitalsteuer

Anfang 2011 kam die Kapitalsteuer erneut ins Gerede. Wie sich zeigte, lagen die Steuereinnahmen seit Einführung der 25%igen Abgeltungssteuer 3,7 Mrd. € niedriger als zuvor. Der Streit entzündete sich an der Frage, ob die Pauschalsteuer ihre Wirkung verfehlte. Klar wurde zumindest, dass die allgemeine Talfahrt der Zinsen weniger Erträge und somit weniger Steuern einbrachte.

2013 schienen sich alle an die Abgeltungssteuer gewöhnt zu haben. Nur die Opposition forderte vehement eine Erhöhung von 7 auf insgesamt 32%. Nach der Bundestagswahl wiederum schwenkte der Koalitionspartner SPD um und drängte auf eine Abschaffung der Pauschalsteuer. Begründung: Sie sei ein Steuerprivileg für Besserverdiener und somit ungerecht. Zudem sei sie ein finanzieller Flop.

Letzteres dürfte auch Finanzminister Schäuble umgetrieben haben. Er hielt sich einstweilen bedeckt und schien auf den Zeitpunkt zu warten, an dem der internationale Austausch von Steuerdaten konkrete Formen annimmt. Wenn er nun das Thema Kapitalsteuer Mitte 2015 aufgreift, ist davon auszugehen, dass es sich nicht nur um Gedankenspiele handelt. Im Hintergrund dürften die Weichen bereits gestellt sein.

Abgeltungssteuer zumindest einfach und transparent

Ist die Abgeltungssteuer also nur eine Verlegenheitslösung auf Abruf? Hätte es die neuen Kontrollmöglichkeiten bereits 2009 gegeben, wäre sie wohl nicht eingeführt worden. Und tatsächlich profitiert jeder, dessen persönlicher Steuersatz über 25% liegt.

Aber auch alle anderen bezahlen ihre Kapitalsteuer über die Günstigerprüfung nur nach ihrem niedrigeren Satz. Zudem erspart die automatische Quellensteuer dem Anleger viel Aufwand. Damit ist sie ein Beitrag zur Steuervereinfachung und ein Anreiz, Geld mit unkomplizierter Besteuerung anzulegen.

Aufleben alter Steuervorteile wäre konsequent

Würde die Kapitalsteuer ab 2017 tatsächlich nach altem Muster verlaufen, so darf man gespannt sein, ob dann auch die früheren Vorteile für Anleger wieder aufleben: Nach einer einjährigen Haltefrist konnten Wertpapiere steuerfrei mit Gewinn verkauft werden. Anderenfalls wurde nach dem Halbeinkünfteverfahren besteuert.

Damit wurde die Aktienkultur in Deutschland einigermaßen gehalten. Mit gerade mal 8% ist der Aktienanteil am Geldvermögen der Deutschen ohnehin denkbar niedrig. Sollte das allgemeine Zinsniveau wieder ansteigen, dürfte sich daran kaum etwas ändern. Lediglich der Fiskus nimmt dann mehr Steuern auf die höheren Zinserträge ein.

16. Juni 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.