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Anleger müssen die Gepflogenheiten von Banken und Börsen kennen

Sitten und Gebräuche sind im Allgemeinen die Basis für unser soziales Miteinander. Wer wichtige kulturelle Gepflogenheiten nicht kennt, tut sich schwer.

Handfeste Probleme hingegen kann die Unkenntnis im kaufmännischen Bereich bereiten, erst recht beim Wertpapierhandel.

Usancen: Bedeutung in der modernen Handelswelt

Handelsbräuche nennt man herkömmlich auch Usancen. Ihre Bedeutung ist erheblich, obwohl der Begriff aus der Mode kommt. Denn sie verpflichten, auch wenn sie nicht immer schriftlich festgelegt sind. Das betrifft etwa Lieferungen, wo es um Leistung und Fristen geht.

Gibt es Streit wegen einer missverständlichen zentralen Formulierung im Vertrag, orientieren sich auch die Gerichte an dem, was im Handel üblicherweise gemeint, sprich usus ist. Usus ist der lateinische Stamm für das französische Wort Usance.

Usancen sind der Bedeutung nach also die Richtschnur bei der Vertragsabwicklung. Je nach Land und Vertragspartner können sie verschieden sein. Meist finden sie sich in den allgemeinen Geschäftsbedingungen oder als Sonderregelungen.

Banken und Börsen sind nach dem Wertpapierhandelsgesetz verpflichtet, sie detailliert aufzulisten. Ein Anleger muss genau wissen, wann wie und nach welchen Kriterien Kauf und Verkauf von Aktien oder Anleihen abgewickelt werden.

Vertragsbestandteil im Börsenalltag

Usancen werden hier nach wie vor als Begriff verwendet und sind fester Bestandteil im Börsenrecht. Was mit Usancen gemeint ist, zeigt sich schon in den veröffentlichten Kursen mit ihren erklärungsbedürftigen Zusätzen.

So steht etwa eB, auch xB oder exB (ex Bezugsrecht) bei der Ausgabe neuer Aktien für einen Kursabschlag, und zwar in Höhe des errechneten Bezugsrechtswerts. Geht es um den Kursabschlag in Höhe einer beschlossenen Dividende, findet sich das Kürzel eD bzw. xD oder exD (ex Dividende).

Wer sich für Aktien oder Anleihen interessiert, muss zunächst auch die Usancen bei der Notierung kennen. So wie Optionsscheine werden Aktien in Stück und Euro notiert. Bis 1969 galt die Angabe in Prozent. Danach wurde auf die internationalen Börsenusancen umgestellt. Anleihen wiederum werden nach wie vor mit ihrem Nominalwert in Prozent gehandelt.

International abweichende Usancen beachten

Aufpassen muss man bei Ausnahmen für ausländische Papiere. Französische Wandelanleihen beispielsweise notieren in der Nominalwährung. Und schwedische, australische sowie japanische Staatsanleihen werden in den jeweiligen Ländern nach Rendite gehandelt. Die internationalen Usancen sind nicht einheitlich.

Bei der Abwicklung von Kauf- und Verkaufsaufträgen geht es auch an den deutschen Börsen um Details. Allen voran die Orderzusätze. Market-Order, Limit-Order oder Stopp-Loss legen die Ausführungsart fest und sind entscheidend beim Risikomanagement und Erfolg im Aktienhandel.

Die Börsenusancen sind also von größter Bedeutung für jeden Anleger und sollten unbedingt bekannt sein. Auf den Webseiten und in den Verträgen von Brokern, Banken und Börsen können sie jederzeit eingesehen werden. Was sind Kommissions- und Festpreisgeschäfte, welche Orderzusätze gibt es? Normalerweise ist alles ausführlich und nachvollziehbar erklärt. Wenn nicht, muss der Anbieter notfalls Schadensersatz leisten. Die Usancen sind eine vertragliche Nebenpflicht.

10. März 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.