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Anlegerschutz: Darauf sollten Sie achten

Sie als Privatanleger sollen künftig noch besser vor hochriskanten und unseriösen Finanzprodukten geschützt werden. Zu diesem Zweck billigte das Bundeskabinett vor wenigen Tagen den Entwurf des Kleinanlegerschutzgesetzes des Justiz- und Finanzministeriums. Das Gesetz soll im Frühjahr 2015 in Kraft treten.

Im Kern geht es dabei um die Ausweitung der sogenannten Prospektpflicht in Deutschland. Fortan sollen auch Kunden im unregulierten Teil des Finanzmarktes – Sie haben dafür vielleicht schon den Begriff „grauer Kapitalmarkt“ gehört – mit Informationsblättern über die Art, den Gegenstand und die Risiken der Geldanlage informiert werden.

Die neue Prospektpflicht im Detail

Bislang galt diese Prospektpflicht nur für den regulierten Kapitalmarkt – also beispielsweise für Banken und Versicherungen. Künftig soll eine Prospektpflicht für alle Vermögensanlagen eingeführt werden. Es soll allerdings auch Ausnahmen geben.

Hier ist z. B. das Kapitalsammeln per Internet („Schwarmfinanzierungen“ beziehungsweise „Crowdfunding“) zu nennen. Vorgesehen sind nach dem neuen Gesetz auch Werbe- und Vertriebsbeschränkungen sowie Warnhinweise. Für die Einhaltung der neuen Vorgaben soll die deutsche Finanzaufsichtsbehörde BaFin sorgen. Sie wird mit dem sogenannten kollektiven Verbraucherschutz im Finanzmarkt beauftragt.

Bei unzureichenden und nicht aktuellen Prospekten kann die BaFin künftig die betreffenden Anbieter öffentlich machen. Die Hoffnung ist, so unzulässige „Schneeballsysteme“ einzudämmen, mit denen Anleger in der Vergangenheit häufig geprellt wurden. Das Justiz- und das Finanzministerium hatten bereits im Mai einen entsprechenden Aktionsplan vorgelegt, der im aktuellen Gesetzentwurf leicht überarbeitet wurde.

Auslöser für die strengeren Vorgaben war unter anderem die Insolvenz des Ihnen wahrscheinlich auch bekannten Windparkfinanzierers Prokon, auf die ich gleich noch eingehen werde. Zuvor möchte ich an dieser Stelle noch einmal die wichtigsten Kernpunkte des Gesetzesvorhabens zusammenfassen:

  • Konkretisierung und Erweiterung der Prospektpflicht: Im Einzelnen ist vorgesehen, dass Prospekte zu Vermögensanlagen umfassende und aktuelle Informationen enthalten müssen.

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  • Erweiterung der Angaben zu personellen Verflechtungen der Initiatoren (es soll also zu Ihrem Schutz vermehrt auf eventuelle Interessenskonflikte hingewiesen werden).
  • Pflicht, auch nach Beendigung des öffentlichen Angebots für Vermögensanlagen bestimmte Informationen mitzuteilen (Soll heißen: Auch wenn die Vetriebsphase beendet ist, müssen die Privatanleger künftig auf dem Laufenden gehalten werden.)
  • Einführung einer Mindestlaufzeit der Vermögensanlage, ergänzt um eine Kündigungsfrist. Der Hintergrund: Es soll – wie im Fall von Prokon – verhindert werden, dass Anbieter aus dauerhaft oder zumindest langfristig angelegten Finanzierungsvorhaben Mittel vorzeitig zurückzahlen müssen.
  • Verschärfung der Rechnungslegungspflichten.

Paradebeispiel Prokon

Als Paradebeispiel für eine Anlage, deren Risiken von Kleinanlegern unterschätzt wurden, gilt der Fall des mittlerweile insolventen norddeutschen Windparkfinanzierers Prokon. Prokon war mit hohen Zinsversprechungen und vermeintlich sicheren Genussrechten auf Kundenfang gegangen.

Dies funktionierte wegen der hohen Zinsversprechen und weil es sich dabei um eine „grüne“ Geldanlage handelte, außerordentlich gut. Insgesamt sammelte das Unternehmen 1,4 Mrd. Euro von rund 75.000 Anlegern ein. Nach einigen Schwierigkeiten sorgte letztlich auch eine (nicht zu unrecht) negative mediale Berichterstattung dafür, dass das fragile Gebilde zusammenbrach.

Denn: Viele Anleger kündigten ihre Genussscheine und wollten ihr Geld zurück. Dafür fehlten Prokon jedoch die liquiden Mittel. Aus diesem Grund musste das Unternehmen im Januar 2014 Insolvenz wegen Zahlungsunfähigkeit beantragen. Seitdem bangen tausende von Anlegern um ihr bei Prokon investiertes Geld.

Kritik am neuen Kleinanlegerschutz

Sicherlich geht der neue Kleinanlegerschutz grundsätzlich in die richtige Richtung. Doch es gibt auch einige Kritikpunkte. So hält beispielsweise die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) die geplante Regulierung des grauen Kapitalmarktes für unzureichend.

Es sei nach wie vor dringend erforderlich, sämtliche Finanzanlagenvermittler der BaFin und dem Wertpapierhandelsgesetz zu unterwerfen, fordert die DK. Nur so könnten Verbraucher nach Ansicht der DK auf eine einheitliche Regulierung aller Anbieter im Markt bauen – ohne Schlupflöcher für bestimmte Marktakteure. Derzeit werden die Finanzvermittler nur durch die Gewerbeaufsicht überwacht.

Die Gewerbeaufsicht ist damit jedoch gleich in zweierlei Hinsicht überfordert. Erstens gibt es hier nicht genügend Mitarbeiter (was leider auch gelten würde, wenn die BaFin zuständig wäre) und zweitens sind die Mitarbeiter nicht genügend qualifiziert, um eine angemessene Überwachung gewährleisten zu können. Die gute Nachricht für Sie ist, dass Sie sich aber auch selbst ganz gut schützen können. Lesen Sie jetzt die Anleitung dazu.

Wie Sie sich auch ohne Prospektpflicht schützen können

Auch ohne erweiterte Prospektpflicht können Sie sich vor solchen Verlustgeschäften wie Prokon schützen. Es gibt Warnsignale, bei denen Sie im Zweifel lieber die Finger von einer möglichen Geldanlage lassen sollten: Beispielsweise, wenn in einer allgemeinen Niedrig-Zins-Phase Zinsrenditen von bis zu 8% versprochen werden.

Einige Anlegerschützer gehen gar so weit, dass sie behaupten, dass bei solchen Zins-Renditen generell große Vorsicht geboten sein sollte. Ich hingegen sehe das etwas anders: Wenn in einer Phase – wie zum Beispiel nach der Lehman-Pleite 2008 – die Banken als Finanzierungsquelle kurzfristig ausfallen, müssen selbst solide DAX-Unternehmen am Anleihenmarkt Zins-Renditen von rund 8% bieten.

In solchen Marktphasen sind extrem hohe Zins-Renditen in Kombination mit einer relativ hohen Sicherheit möglich. Zins-Versprechen von 8% sind jedoch grundlegend anders zu bewerten, wenn in einer normalen Konjunkturphase und zusätzlich in einer Niedrig-Zins-Phase, diese „Traum-Renditen“ geboten werden.Dann kann aus den vermeintlichen „Traum-Renditen“ sehr schnell ein Albtraum werden.

Fazit: Prüfen Sie zu Ihrer Sicherheit stets auch Angebote der Konkurrenz

Prüfen Sie vor dem Kauf einer Zinsanlage, welche Zinssätze die Konkurrenten bieten und wie das allgemeine Zinsniveau aussieht. Wenn der gebotene Zinssatz deutlich nach oben abweicht, sollten Sie sich fragen, ob es versteckte Risiken gibt. Kein Unternehmen wird freiwillig Zins-Geschenke verteilen.

19. November 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.