Die Ausgangslage ist dieser Tage eindeutig. Auf dem Papier bieten Staatsanleihen aus Portugal - und auch Griechenland - attraktive Renditen.
Dies lässt auch Rentenfonds noch lukrativ erscheinen, wenn diese zumindest erst vor einiger Zeit Anleihen aus diesen Staaten gekauft haben.
Immerhin können auch Fonds noch unterstellen, dass die Schuldtitel zu 100% zurückgezahlt werden. Damit ergibt sich zum Einstiegskurs der vergangenen Monate immer noch eine attraktive zweistellige Rendite. Nur: wir rechnen mit radikalem Abschreibungsbedarf in Griechenland und in Portugal, auch in Spanien und für Italien.
Das bedeutet: auch andere Anleihen werden Kursverluste produzieren. Unternehmensanleihen etwa, die scheinbar mit den Staatsanleihen nichts zu tun haben, werden jetzt schon von den Rating-Agenturen herabgestuft.
Weitere schlechte Nachrichten für die Corporate Bonds folgen automatisch, gehen die Noten für die Mutterländer noch weiter zurück. Denn die Unternehmensanleihen würden in einem Zug mit entsprechendem Abstand zu den Staatsanleihen auch herabgewertet. Das betrifft auch Fonds, die auf scheinbar sichere Unternehmensanleihen gesetzt haben.
Fonds: Gefahr unterschätzt
Viele Fonds, die ausschließlich oder teilweise auf Bonds setzen, sind daher aktuell stark überbewertet. Die nächsten Zahlungsausfälle betreffen nicht mehr wie in den vergangenen Jahren Unternehmen, sondern Staaten. Dann aber entsteht bei diesen Fonds umfassender Abschreibungsbedarf.
Noch schlimmer: wir gehen davon aus, dass Investoren dann versuchen werden, wie bei Immobilienfonds Anteile an die Gesellschaften zurückzugeben. Sobald dies in großem Stil geschieht, müssen die Fonds Anleihen am Markt verkaufen.
Bei marktengen Papieren wird dies den Kurs massiv beeinflussen und die Probleme verschärfen. Stellen Sie sich etwa die Mittelstandsanleihen vor, die an den Börsen wie Stuttgart oder Düsseldorf derzeit noch in kleinen Mengen gehandelt werden.
Kämen diese Titel in Massen auf den Markt, wären Kursverluste von 10% bis 15% keine Überraschung. Bei durchschnittlichen Laufzeiten bis 2015/2016 reduziert sich die Rendite sofort um 3% bis 4% - und führt damit diese Fonds ins Minus. Beachten Sie:
* Rentenfonds werden sich spätestens bei Staatsbankrotten in Südeuropa fast durch die Bank nicht mehr im positiven Bereich aufhalten können.
* Kommt es zur Massenflucht aus Rentenfonds, gerät der Markt sogar heftig ins Schwanken. Dann wären Zwangsverkäufe von Anleihen möglich, so dass deren Kurs sich automatisch nach unten schraubt.
* Die Umlaufrendite in Deutschland ist heute schon mit weniger als 2% in der Nähe von Rekordtiefs. Daher rechnen wir mit steigenden Zinsen. Fonds, die jetzt noch zu stark investiert sind, haben dann Anleihen mit zu geringen Zinsen im Portfolio - und entsprechendes Rückschlagrisiko.
* Schwellenländer-Fonds sind keine Alternative. Ob China und die Türkei, Brasilien und Südkorea sich gleichförmig entwickeln, ist im besten Fall fragwürdig. Auch dort wird es Ausfälle geben.
Wer langfristig investieren möchte und dabei auch auf hohe Zinsen setzt, fährt in den nächsten zwei bis drei Jahren mit Anleihe-Alternativen besser. Wandelanleihen-Fonds oder Genussschein-Fonds haben die höheren und stabileren Rendite-Aussichten.


