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Anleihen, das sollten Sie beim Kauf beachten

Immer dann, wenn die weltweite Wirtschaft in Schwierigkeiten gerät, kann eine bestimmte Entwicklung beobachtet werden. So beispielsweise auch bei der Hypotheken-Krise, die die Vereinigten Staaten hart getroffen hat.

Nicht nur die „Subprime“-Anleihen, also Anleihen, die auf schlecht besicherten Immobilienkrediten beruhen, wurden zu diesem Zeitpunkt von den Börsen weltweit abgestraft, sondern auch andere Anleihen mussten unter der Vertrauenskrise leiden.

In der allgemeinen Panik kam es dabei oft zu Kursverlusten, die fundamental nicht gerechtfertigt sind.

Auch in der Eurokrise fielen die Anleihenkurse insbesondere der südeuropäischen Lander, deutlich. Rückblickend betrachtet waren Käufe dieser Anleihen im Höhepunkt der Krise ein sehr lohnendes Investment. Griechenland einmal als Sonderfall ausgenommen.

Gerade derartige Entwicklungen bieten Anlegern aber oft günstige Einstiegschancen. Viele Anleihen notieren deutlich unter ihrem Nominalwert – und das, obwohl ihre Rückzahlung als sicher gilt.

Steuerliche Gründe sind kein Argument mehr, Anleihen zu einem Kurs von unter 100% zu kaufen. Da Kursgewinne nicht mehr steuerfrei sind, und letztlich genauso versteuert werden müssen wie Zinserträge, ist es aus steuerlicher Sicht egal, zu welchem Kurs Sie Anleihen kaufen.

Am Ende der Laufzeit der Anleihe oder zum (vorzeitigen) Verkaufszeitpunkt werden sich die steuerlichen Auswirkungen jeweils ausgleichen. Im Gegensatz zum Kauf und Verkauf von Aktien sind bei Anleihen einige Sonderheiten zu beachten.

Wie Sie Anleihen richtig handeln

Dass Anleihen etwas anderes sind als Aktien, merken Sie als Anleger nicht nur am Kursverlauf und an der Auszahlung der jährlichen Zinsen. Schon beim Kauf sorgen Anleihen bisweilen für Verwirrung.

Nicht auf die Anzahl, sondern auf den Anlagebetrag kommt es an

Anders als beim Kauf von Aktien, Fondsanteilen oder Zertifikaten ist hier tatsächlich nicht die gewünschte Stückzahl gefragt, auch wenn das betreffende Feld bei einigen Banken „Anzahl“ heißt. Die meisten Banken oder Broker nennen das entsprechende Feld inzwischen Stückzahl/Nominal.

Anhand der eingegbenen Wertpapierkennnummer kann das System dann feststellen, ob es sich um eine Aktie, einen Fond oder eine Anleihe handelt und die eingegebene Zahl richtig interpretieren.

Beim Anleihenkauf geben Sie somit die Nominalsumme ein, die Sie von derbetreffende Anleihe kaufen möchten. Vorher haben Sie sich zudem über den ungefähren aktuellen Kurs informiert (wie beim Aktienkauf auch). So können Sie den Nominalbetrag auf die Summe abstimmen, die Sie investieren wollen.

Beispiel

Angenommen, Sie geben als „Nominalbetrag“ 1.000 € als die Summe ein,. Notiert die Anleihe gerade bei beispielsweise 98%, dann wird der Broker Ihnen die Anleihe für nur 980 € abrechnen.

Bei Rückzahlung bekommen Sie dann – von den jährlichen Zinsen einmal abgesehen – 1.000 € (= 100%) ausgezahlt, vorausgesetzt, der Emittent der Anleihe bleibt zahlungsfähig.

Notiert die Anleihe dagegen gerade beispielsweise bei 102%, wird Ihnen der Broker für Ihren Kaufauftrag 1.020 € berechnen.

Mindestanlagesumme und Stückelung

Eine Besonderheit bei Anleihen: In der Regel können Sie sie erst ab einem bestimmten Mindestbetrag kaufen. Nicht selten ist dieser Mindestbetrag sogar so hoch, dass private Investoren damit faktisch ausgeschlossen sind, zum Beispiel bei 50.000 €.

Das liegt an der Gesetzgebung: Die EU macht den Emittenten von Anleihen sehr strenge Vorschriften zur Informationspflicht von Anlegern. Diese sind umso strenger, je eher die Anleihe auch für Privatanleger interessant ist. Denn als Verbraucher gelten sie als schutzbedürftiger als institutionelle Investoren.

Viele Anleihen haben als Mindeststückelung 100 €, Bundesanleihen sogar eine Mindeststückelung von 0,01 €. Hier können Sie praktisch jeden beliebigen Nominalbetrag erwerben.

Beispiel

Die Unternehmensanleihe der Deutschen Telekom mit der ISIN XS0850057588 können Sie in einer Stückelung von 1.000 € kaufen. Das heißt, Sie können die Anleihe zu 1.000 €, 2.000 €, 3.000 €, 4.000 € etc. kaufen.

Auf der Internetseite der Börse Stuttgart (www.euwax.de) finden Sie Mindestanlagesumme/Stückelung hinter dem Stichwort „Kleinste handelbare Einheit“.


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Stückzinsen werden berechnet

Wundern Sie sich nicht, dass Ihnen mehr Geld abgebucht wird als nur die Ordergebühren und der Betrag, den Sie investieren möchten. Denn beim Anleihenkauf zahlen Sie Stückzinsen, also anteilige Zinszahlungen an den Vorbesitzer der Anleihe, die Sie gerade kaufen.

Beispiel

Angenommen, Sie kaufen eine Anleihe genau einen Monat vor Ausschüttung der Zinsen. Folglich erhalten Sie bereits nach einem Monat den vollen Jahreszins-Kupon gutgeschrieben.

Ohne Stückzinsen hätte der Vorbesitzer Pech: Er würde dann nichts mehr bekommen, hätte also 11 Monate umsonst gewartet. Damit das nicht passiert, zahlen Sie gleich beim Kauf der Anleihe in diesem Fall 11/12 der nächsten Zinsausschüttung an ihn.

Umgekehrt profitieren Sie aber natürlich auch von den Stückzinsen, wenn Sie selbst eine Anleihe verkaufen: Dann nämlich wird Ihrem Konto zeitanteilig ein Teil der nächsten Zinsausschüttung gutgeschrieben.

So wählen Sie die besten Anleihen aus

Beim Anleihenkauf sollten Sie allerdings noch auf mehr Dinge achten als auf den aktuellen Kurs und den für die jeweilige Anleihe gültigen Zins-Kupon. Folgende Kriterien sind bei der Auswahl von Anleihen von Bedeutung:

Rating: Zins- und Kapitalrückzahlung sollten sicher sein

Als Anleihenkäufer geben Sie dem emittierenden Unternehmen gewissermaßen einen Kredit. Das bedeutet: Sie müssen sich über das Ausfallrisiko im Klaren sein. Schauen Sie nicht allein auf den gebotenen Zinssatz – denn dieser wird umso höher sein, je schlechter die Bonität (Zahlungskraft) des Emittenten ist.

Noch allgemeiner: je höher die Rendite der Anleihe im Vergleich mit anderen Anleihen, desto höher das Riskio. Einige Portale zeigen bei der Rendite der entsprechenden Anleihen inzwischen auch den jeweiligen Abstand zu vergleichbar lang laufenden Bundesanleihen an.

Schauen Sie auch auf das Rating unabhängiger Rating-Agenturen wie Standard & Poor’s oder Moody’s (siehe Tabelle am Ende). Es verrät Ihnen, wie hoch das Ausfallrisiko einer Anleihe ist. Generell gilt: Je schlechter das Rating, desto höher die Wahrscheinlichkeit von Zahlungsverzügen oder gar Ausfällen.

Sonderbedingungen: Achten Sie auf individuelle Ausgestaltungen

Anleihe ist nicht gleich Anleihe. So zeichnen sich nicht wenige Anleihen durch spezielle Ausgestaltungen aus. Diese betreffen vor allem folgende Punkte:

Vorzeitiges Kündigungsrecht

Nicht selten behält sich der Emittent einer Anleihe ein vorzeitiges Kündigungsrecht vor. Das bedeutet: Es steht dem Emittenten dann gemäß seinen Emissionsbedingungen frei, die Anleihe vorzeitig zurückzuzahlen.

Üblich ist dann meist eine Rückzahlung, die über dem Nominalwert liegt. So wird den Anleihe-Besitzern der zukünftige Wegfall von hohen Zinszahlungen schmackhaft gemacht.

Betrachten Sie stets zunächst den Fall einer Kündigung zum nächstmöglichen Termin. Errechnen Sie, welche Rendite Ihnen eine vorzeitige Kündigung pro Jahr noch einbrächte.

In einem zweiten Schritt können Sie dann die Rendite bis zur Endfälligkeit berechnen. Nur, wenn beide Renditen (vorzeitige Kündigung, Endfälligkeit) attraktiv sind, lohnt sich der Einstieg.

Variable Verzinsung

Es gibt auch unter den Unternehmensanleihen Papiere, deren Verzinsung nicht fest, sondern beim Eintreffen bestimmter Ereignisse variabel ist. Üblich ist hier vor allem ein Zins-Kupon, der sich in Abhängigkeit von folgenden Faktoren verändert: Auch solche variablen Zinsbedingungen finden Sie in den Emissionsbedingungen.

Gute Handelbarkeit: Warum Liquidität für Sie eine so große Bedeutung hat

Bei Unternehmensanleihen sollten Sie großen Wert darauf legen, dass das Papier Ihrer Wahl liquide ist. Ein hoher Börsenumsatz ist daher ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl.

Zwar können Sie jede Anleihe theoretisch bis zur Fälligkeit halten und dann auf die automatische Rückzahlung warten, aber es ist wichtig, dass Sie vorzeitig durch einen Verkauf an der Börse aussteigen können, etwa, wenn sich das Ausfallrisiko deutlich erhöht.

Deshalb empfehle ich Ihnen, nur solche Anleihen zu berücksichtigen, die täglich in großer Stückzahl an der Börse gehandelt werden.

Warnung: Kaufen Sie niemals außerbörsliche Anleihen

Nicht nur dubiose Finanzberater des Grauen Kapitalmarkts, sondern auch das eine oder andere seriöse, börsennotierte Unternehmen bietet bisweilen Anleihen an, die ausschließlich außerbörslich gehandelt werden (im schlimmsten Fall besteht überhaupt keine Handelsmöglichkeit). Ein Beispiel aus der letzten Zeit waren die Anleihen der Firma Prokon.

Auf solche Angebote sollten Sie sich grundsätzlich niemals einlassen, auch wenn traumhaft hohe, angeblich sichere Zinsen locken.

Die Argumente der Anbieter beziehungsweise Emittenten sind dabei fast immer gleich:

  • Rating: Je schlechter das Rating, desto höher der Zinssatz.
  • Eigentümerstruktur: Wenn sich daran etwas Grundlegendes ändert, wird ein höherer Zins gezahlt.
  • Verschuldungsgrad: Je höher die Verschuldung im Vergleich zum Eigenkapital, desto mehr Zinsen werden gezahlt.

Lassen Sie sich von solchen Argumenten nicht blenden – sie sind Humbug. Fehlender Handel an der Börse bedeutet in erster Linie fehlende Transparenz, fehlende Kontrolle und fehlende Ausstiegsmöglichkeiten.

Anleger, die sich auf solche Angebote einlassen, erfahren viel zu spät, wenn ein Emittent in Zahlungsschwierigkeiten ist. Und selbst wenn sie Ungemach wittern, haben sie keine Möglichkeit, für eine außerbörsliche Anleihe einen Käufer zu finden.

Achten Sie darauf, dass sie keine sogenannten „Nachranganleihen“ kaufen

Nachranganleihen werden deutlich höher verzinst als normale Anleihen. Hintergrund dabei ist, dass Käufer dieser Nachranganleihen im Konkursfall als letzte ausgezahlt werden.

Wirtschaftlich sind diese Investitionen eher als Eigenkapital zu sehen. Das Risiko ist somit deutich höher als bei normalen Anleihen.

Lassen Sie die Finger weg von „Strukturierten Anleihen

Darunter versteht man eine bestimmte „wenn – dann Beziehung“, die in den Anleihebedingungen eingebaut ist. Beispielsweise zahlt die Anleihe mehr oder weger Zinsen oder gar Kapital am Rückzahlungstag, wenn der Kurs einer anderen Aktie oder eines Aktienkorbes bestimmte Werte erreicht oder auch nicht.

Die Bewertung dieser strukturierten Anleihen ist oft schwer oder gar nicht nachvollziehbar. Es besteht somit konkret die Gefahr, dass Anleger bestimmte Aspekte gar nicht beachten (können) und später deswegen herbe Verluste erleiden.

Anleihen kurz vor Fälligkeit kaufen: Krisen ausnutzen

Eine schwächelnde Wirtschaftsphase ist die beste Zeit für einen Einstieg auf dem Anleihenmarkt. Viele Anleihen notieren dann unter dem Nominalwert.

Oft sind die Rücksetzer allerdings übertrieben. Denn durch den lang anhaltenden Konjunkturaufschwung konnten fast alle Unternehmensbilanzen saniert und sogar kräftig gestärkt werden. Gesunde Eigenkapital-Quoten von über 30% sind fast schon die Regel.

Selbst in den besonders hart getroffenen USA ist die Ausfallrate bei Unternehmensanleihen im 1. Halbjahr des „Krisenjahres“ 2007 auf den niedrigsten Stand seit 25 Jahren gefallen.

Checkliste: Worauf Sie bei der Auswahl von Anleihen achten sollten

  • Je nach persönlicher Risikoneigung sollten Sie nur sehr sichere bis allenfalls mittlere Anleihen kaufen. Spekulative Anleihen sollten Sie dagegen meiden. Das Ausfallrisiko ist einfach zu hoch.
  • Achten Sie bei der Auswahl stets auch auf die Sonderbedingungen der jeweiligen Anleihe. Ein Sonderkündigungsrecht etwa, das sich der Emittent vorbehält, kann Ihre Rendite um einige Prozentpunkte schmälern. Gehen Sie bei solchen Anleihen daher nicht vom Fälligkeitstermin aus, sondern prüfen Sie, ob Sie auch bei einer vorzeitigen Kündigung noch auf die gewünschte Rendite kommen.
  • Wenn Ihnen jemand – auch ein seriöses, börsennotiertes Unternehmen – eine außerbörsliche Anleihe anbietet, lehnen Sie ab. Transparenz, Kontrolle und die Möglichkeit zum Ausstieg vor Fälligkeit haben Sie ausschließlich bei börsengehandelten Anleihen.
  • Beim Anleihenkauf ist nicht die Stückzahl, sondern der Nominalbetrag maßgeblich. Nicht jede Anleihe bekommen Sie in beliebiger Stückelung. Meist gibt der Emittent eine Stückelung vor, an die Sie sich halten müssen.
  • Seien Sie sehr vorsichtig bei Nachranganleihen und strukturierten Anleihen.

Rating unabhängiger Rating-Agenturen

EinstufungSymbole
Standard & PoorsMoody’s
Sehr sichere Anleihen: Ausfallrisiko äußerst gering, Zinsen und Kapitalzahlung gelten als sicherAAAAA+AAAA-AaaAa1Aa2Aa3
Sichere Anleihen: Ausfallrisiko gering, Zinsen und Kapitalzahlung gelten als sicher, hängen aber etwas stärker vom wirtschaftlichem Umfeld und der Entwicklung des Emittenten abA+AA-A1A2A3
Mittlere Anleihen: Ausfallrisiko vorhanden, Zinszahlung und Kapitalrückzahlung gelten nicht als sicher, doch sind gewisse Qualitätsstandards erfüllt, beispielsweise die Bereitstellung von SicherheitenBBB+BBBBBB-Baa1Baa2Baa3
Spekulative Anleihen: Zinszahlung und Kapitalrückzahlung gelten nicht als sicherBB+BBBB-B+BB-Ba1Ba2Ba3B1B2B3
Hochspekulative Anleihen („Junkbonds“, „Schrottanleihen“): Ausfallrisiko hoch, Zinszahlungen und Kapitalrückzahlung sind äußerst sicher, Zahlungsschwierigkeiten sind womöglich schon aufgetretenCCC+CCCCCC-CC1DCaaCaC

22. Oktober 2007

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.