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Ansgar Mayer: „Apps sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken“

Anlässlich der Veröffentlichung des neuen Buches „App-Economy – Milliardenmarkt Mobile Business“ von Dr. Ansgar Mayer führte GeVestor ein exklusives Interview mit dem Autor:

GeVestor: Was war der Anstoß zu der Entscheidung über Mobile Media und App-Economy zu promovieren?

Dr. Ansgar Mayer: Hier kamen 2 Punkte zusammen: ein leidenschaftlicher Radio-Background und meine Expertise im CEO-Thinktank der Axel Springer Akademie. Seit Jahren wird immer deutlicher, welche umfassende Herausforderung Mobile Business für content-getriebene Geschäftsmodelle darstellt.

Gleichzeitig wird Radio im Medienmix schon seit Jahren totgeschrieben: Im Kampf gegen iTunes, spotify und andere Streaming-Plattformen habe Radio keine Chance, lautet der Vorwurf.

Ich wollte untersuchen, ob man den Spieß nicht auch umdrehen kann, und wo somit gerade für mobile Audiomedien besondere Potenziale liegen. Die Learnings aus dieser Dissertation flossen natürlich auch in mein neues Management-Buch „App-Economy“ ein.

GeVestor: Sie sind sowohl in der Wirtschaft, als auch im technischen Bereich zu Hause. Für welches Gebiet überwiegt Ihr Interesse?

Mayer: Für digitales Business. Und da steckt einfach auch eine gehörige Portion Technik mit drin. Ich bin aber von Hause aus gelernter Geisteswissenschaftler, und daher gehören zu meinem Stab auch immer IT-Experten, Programmierer oder Techniker, die sich weit besser auskennen als ich.

GeVestor: Wie häufig nutzen Sie selbst Apps und das mobile Internet?

Mayer: Gegenfrage: Wie häufig nutzen Sie elektrischen Strom? Mobile Web bedeutet „always on“ zu sein. Und mit Smartphones und Tablets ist ein Lückenschluss der Versorgung gewährleistet, der bei mir eigentlich erst an der Schlafzimmertür endet.

Ich gebe dabei übrigens auch zu: der Sinn von Tablets hat sich mir erst erschlossen, als ich das erste Mal ein iPad benutzt habe. Plötzlich spürt man, dass es sich wirklich um eine neue Geräteklasse handelt, die im Nutzungskontext nichts substituiert, sondern neue Bedarfsmuster schafft. Für Apps gilt das ähnlich – daher kann ich sie aus meinem Alltag auch nicht mehr wegdenken.

GeVestor: Wie ist der aktuelle Stand der Entwicklung im App-Bereich? Lohnt es sich in Mobile Media zu investieren?

Mayer: Selbstverständlich! Wie bei vielen anderen Entwicklungen werden wir auch im Mobile Business noch viel heiße Luft erleben und enttäuschte Investoren. Aber Mobile wird nie wieder verschwinden und steht schon heute für einen weltweiten Milliardenmarkt – übrigens längst nicht nur in den Industrieländern.

Gerade Afrika läuft uns beispielsweise im Bereich Mobile Banking den Rang ab. Was in einigen Jahren passieren wird und sich jetzt schon abzeichnet: Der Begriff „Mobile Web“ wird vermutlich verschwinden, weil die Grenzen fließen. Wenn ich heute mit dem iPad aus der Straßenbahn komme und es zu Hause weiternutze, wird die Nutzung dann plötzlich wieder „nicht-mobil“?

GeVestor: Investieren Sie selbst auch in Mobile Media?

Mayer: Ich investiere als Endverbraucher eine Menge Geld in Mobile Media und bin als Aktionär an einem der spannendsten deutschen digitalen Medienplayer, nämlich Axel Springer, beteiligt.

GeVestor: Ein Teil Ihres Buches besteht aus Interviews. Wie kamen Sie zu der Entscheidung Interviews einzusetzen?

Mayer: Mein Buch soll ein Management-Buch sein, das sich direkt in der Praxis anwenden lässt. Was also liegt näher, als Praktiker zu befragen? So kommen zum Eingang jedes Unterkapitels Macher aus der App-Economy zu Wort: Entwickler, Vermarkter und Medienmanager.

GeVestor: Apps werden zu günstigen Preisen und in großen Mengen verkauft. Wird sich dieser Trend Ihrer Meinung fortsetzen, oder wird nach und nach teurere, aber womöglich qualitativ aufwendigere Software angeboten?

Mayer: Na ja, mit der App „I am Rich“ wurde das ja schon einmal angetestet. Sie war exklusiv bei iTunes erhältlich und kostete einmalig 799 US-$. Aber das war natürlich ein eher satirischer Ansatz, obwohl sich tatsächlich Käufer fanden.

Apps sind aktuell die Weltsprache des Mobile Business. Sie sind Inbegriff des Nutzungskontextes „instant need fulfilment“: Ich habe aktuell einen Bedarf an Unterhaltung, Information oder Vernetzung und lade mir deshalb ein App für den Wetterbericht, als Wasserwaage, oder um bequemen Zugriff auf ein Social Network zu erhalten.

All diese Angebote sind dem Nutzer letztlich nur kleinere Beträge wert, das stimmt. Aber warten wir ab, wohin sich die App-Economy entwickelt. Es wird hochwertige Angebote geben, die aus einem Icon ein Statussymbol machen können. Dennoch werden wir beim Einzelpreis kaum im dreistelligen Bereich landen.

GeVestor: Plattformabhängigkeit ist ein zentraler Punkt in der App-Entwicklung. Wie schnell lässt sich die Abhängigkeit von mobilen Betriebssystemen Ihrer Meinung nach überwinden?

Mayer: Technisch ist sie bereits überwunden: Sobald ich keine native App, sondern eine Web-App programmiere, kann diese mit jedem Betriebssystem aufgerufen werden. Dahinter steckt ein kleiner Trick: Web-Apps sind eigentlich gar keine, sondern letztlich Lesezeichen für den mobilen Browser.

Doch auch diese Lesezeichen werden dann auf dem Homescreen des eigenen Smartphones abgelegt und sehen damit den nativen App-Icons zum Verwechseln ähnlich. Nur: zur Nutzung der Web-App benötigen Sie natürlich eine Internet-Verbindung.

Und damit zurück zur Ausgangsfrage: Bei den „eigentlichen“, den nativen Apps wird es auch auf Sicht von vielen Jahren noch zumindest eine relevante Dreiteilung geben: iOS (Apple), Android (Google) und Windows (Microsoft / Nokia).

GeVestor: Location-based Services werden immer beliebter und der Datenschutz ist schnell vergessen. Laufen Benutzer solcher Apps und Dienste demnächst Gefahr völlig „gläsern“ für Entwickler zu sein? Wie sehr muss der Datenschutz beachtet werden?

Mayer: Hier sprechen Sie ein massives Problem an. Daher ist in meinem Buch das Gespräch mit der Juristin auch das umfangreichste aller Interviews. Es wird noch auf lange Sicht massive Datenschutzprobleme geben, wobei hier fast zweitrangig ist, ob es sich um mobile Webnutzung oder Festnetz-Internetnutzung handelt.

Datendienstleister in den USA behaupten schon heute, dass sie quasi Akten über eine halbe Milliarde Menschen angelegt haben. Mit jeder App, die ich auf Facebook oder meinem Smartphone zulasse, öffne ich eine weitere Tür, um mein Profil auszuspähen. Ich denke, dass dieses Thema auf EU- und vermutlich sogar auf G8-Ebene zu einem Politikum werden wird.

Bis dahin hilft nur, was im Umgang mit digitalen Medien generell gelten sollte, auch wenn es altbacken klingt: Wir brauchen mehr Aufklärung und ein Schulfach „Medienkunde“ mit dafür top-qualifizierten Lehrern.

GeVestor: Zum Schluss bitte eine Empfehlung von Ihnen: Was sind Ihre Top-3-Apps?

Mayer: Die ersten beiden Apps sind kaum überraschend: Flipboard und Instagram. Die dritte App würde ich gerne offen lassen – als Platzhalter für eine Dynamik, die mir ständig neue App-Angebote liefert; wie zum Beispiel die Aufbereitung von Top-News als animierte Weltkugel in der App von ABC-News oder den Gefühlsmodus, mit dem ich in der App von Aupeo mein Musikprogramm generieren kann.

Dr. Ansgar Mayer studierte Politik und Geschichte in Heidelberg sowie Fachjournalistik und Theologie in Gießen und BWL an der Fernakademie für Wirtschaft und Management in Hamburg. Lesen Sie hier mehr über den Autor.

Das Buch ist im mi-Wirtschaftsbuch Verlag erschienen und kostet 49,99€.

2. Oktober 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.