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Attraktive Aktien-Anleihe-Zwitter nur mit Bedacht genießen

Lange führten sie eher ein Nischendasein, doch seit einigen Jahren sind sie wieder im Trend: Hybridanleihen, die deutlich mehr Zinsen bringen als die meisten Schuldverschreibungen. Wer bei Hybridanleihen die Übersicht behalten will, verliert sich schnell im zunehmenden Angebot ständig neu aufgelegter Papiere.

Hybridanleihen: Übersicht über Chancen und Risiken

Immer mehr Unternehmen nutzen sie, um sich mit Kapital zu versorgen und zugleich die eigene Kreditwürdigkeit aufzubessern. Und Anleger greifen in Scharen zu. Jüngstes Beispiel: Lufthansa platziert eine Hybridanleihe mit einem jährlichen Zins von 5,125% und einer derzeitigen Rendite von 5,037%.

Damit lässt sie andere seriöse Unternehmens- und Staatsanleihen weit hinter sich. Die Reaktion der Investoren ließ nicht auf sich warten, die Emission war anfangs fast vierfach überzeichnet. Doch bei all dem Reiz, man darf bei Hybridanleihen zuerst die Übersicht in Sachen Risiko nicht verlieren. Wer bei Anleihen automatisch an Sicherheit denkt, begibt sich mit Hybridanleihen unter Umständen aufs Glatteis.

Die Mischform aus Aktie und Anleihe bringt zunächst den Unternehmen entscheidende Vorteile. Wegen der extrem langen Laufzeiten steht ihnen das Anlegergeld wie eigenes zur Verfügung und wird zur Hälfte als Eigenkapital anerkannt. Das wiederum stärkt die Kreditwürdigkeit gegenüber Banken und Investoren. Vorteilhaft ist zudem die ungewöhnliche Flexibilität in der Handhabung, die für Anleger jedoch eine Reihe von Unwägbarkeiten mit sich bringt.

Anleihe-untypische Risiken

Die Risiken von Hybridanleihen in der Übersicht:


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  • Von einem festgelegten Zeitpunkt an hat das Unternehmen als Emittent ein einseitiges Kündigungsrecht. Bis dahin steht der Zins wenigstens fest. Für die Zeit danach aber ist weder absehbar, wie lange das Papier läuft noch wie hoch der Zinskupon ist. Alles hängt davon ab, inwieweit sich das Unternehmen dann anderweitig günstiger Geld beschaffen kann.
  • Obendrein ist die Zinszahlung nicht garantiert. Geht es der Firma schlecht und fallen Dividenden aus, können auch die Zinsen ausgesetzt werden. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zu regulären Anleihen. In diesem Fall gibt es wenigstens eine Hoffnung: Wird die Dividendenzahlung wieder aufgenommen oder die Anleihe zurückgezahlt, sind die abgelaufenen Zinsen nachträglich fällig – zumindest wenn dies im Prospekt zugesichert ist. Hier lohnt sich, das Kleingedruckte zu lesen.
  • Wichtig ist auch die Kennzeichnung mit „Nachrang“ in den Stammdaten. Im Klartext: Bei einer Firmenpleite rangiert man hinter allen anderen Gläubigern und bekommt nur noch das, was aus der Insolvenzmasse übrig ist. In dem Fall sind Anleiheanleger fast so schlecht gestellt wie Aktionäre.

Bonität entscheidet

Trotz all der Nachteile aber sind Hybridanleihen keine Hochrisiko-Investments. So muss kein Anleger das Papier bis zur ersten möglichen Kündigungsfrist halten. Meist wird schon im Vorfeld spekuliert, ob gekündigt wird oder nicht, was zu heftigen Kursausschlägen führen kann.

Die Anleihen lassen sich rechtzeitig verkaufen, wenn es sich um große, stabile Unternehmen handelt. Papiere, die von den Ratingagenturen mit „Investment-Grade“ benotet werden, sind in der Regel liquide. Unsichere Kandidaten haben ohnehin kaum Chancen, Hybridanleihen auf den Markt zu bringen. Insofern ist auch das Insolvenzrisiko begrenzt.

Dass Lufthansa bis zum ersten Kündigungstermin Anfang 2021 Insolvenz anmeldet, ist zwar nie auszuschließen aber eher unwahrscheinlich. Selbiges gilt für VW mit einer neueren Hybridanleihe zu 4,625% Zinsen oder Bayer mit einem Zinskupon von 3,75%.

Prospektstudium unerlässlich

Grundsätzlich gilt es, sich auf Unternehmen mit guter Bonität zu konzentrieren. Dann lassen sich attraktive Zinsen mitnehmen, wenn man rechtzeitig aussteigt und darauf achtet, ob eventuell ausfallende Zahlungen bei verbesserter Ertragslage nachgeholt werden.

Da die Konditionen von Hybridanleihen im Detail voneinander abweichen können, sollten die Vertragsbedingungen verstanden werden. Auch wenn der Fachjargon über viele Seiten hinweg Mühe bereitet, so ist der genaue Blick in den Emissionsprospekt ein absolutes Muss.

Ob das die Arbeit wert ist, seht allerdings auf einem anderen Papier. Denn im Vergleich etwa zu Aktien ist die Rendite von Hybridanleihen letztlich recht begrenzt. Und als absolute Sicherheitsalternative taugen sie nicht.

7. Oktober 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.