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Kurs-Buchwert: ATX im Mittelpunkt

Es stellt sich immer wieder die Frage, ob eine Einzelaktie bzw. ein Index über- oder unterbewertet ist. Zum Beispiel beim ATX-Kurs.

Welche Kennzahl ist die richtige?

Traditionell wird die Frage, ob eine Einzelaktie bzw. ein Index über- oder unterbewertet ist, mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beantwortet. Eine Faustregel besagt:

  • Liegt das KGV unter 10, ist eine Aktie meist unterbewertet. Denn das würde heißen: Bei gleichbleibenden Gewinnen müssten Sie die Aktie weniger als 10 Jahre halten, damit Ihr Einstiegskurs vollständig von den Gewinnen abgedeckt wird.
  • Liegt das KGV bei rund 15, liegt meist eine faire Bewertung vor. Die genaue Einordnung (über-, unter- oder genau richtig bewertet) ist dann aber eine Frage der Branche und der Wachstumsraten. Ein Unternehmen, das den Gewinn pro Jahr zweistellig steigert, hat auch ein höheres KGV verdient.
  • Liegt das KGV über 20, ist ein Unternehmen oder Aktienmarkt in aller Regel überbewertet. KGV von 12 signalisiert günstige Bewertung. Im Jahr 2010 lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei Österreichs Leitindex ATX bei unter 12 – Tendenz sinkend, da die Unternehmensgewinne weiter steigen.Man könnte jetzt also von einer Verschiebung in Richtung Unterbewertung sprechen. Aber mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis sollten Sie aktuell vorsichtig sein.

In Zeiten wie diesen sind Gewinnprognosen fragwürdig, wie die extrem wechselhaften Gewinnentwicklungen in den Jahren 2007 bis 2009 gezeigt haben. Somit ist es auch schwierig, ein verlässliches Kurs-Gewinn-Verhältnis für zukünftige Jahre zu errechnen.

Wir wissen aktuell noch nicht, ob die jüngsten Erholungen nachhaltig sind oder nicht. Eine verlässliche Prognose ist angesichts der unklaren Konjunkturlage momentan nicht möglich.

In solchen Phasen bietet es sich an, auf eine andere Kennzahl auszuweichen, nämlich auf das sogenannte Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV).

Definition: Buchwert

Der Buchwert ist der Wert der Unternehmenssubstanz oder grob vereinfacht: das Eigenkapital eines Unternehmens.


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Bei der Ausweisung des Buchwertes geht es um die Frage, wie viel die Produktionsstätten, die Immobilien, die Maschinen, der Fuhrpark, die Firmenbeteiligungen und das sonstige Eigentum eines Unternehmens wert wären, wenn man sie verkaufen würde und vom Verkaufserlös die Schulden abzieht.

Mehr zum Thema: Buchwert berechnen: So geht’s

Definition und Erfahrungswerte: Kurs-Buchwert-Verhältnis

Formel  

Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) berechnen: Methode A

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Das sogenannte Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) bemisst, wie der Name schon verrät, das Verhältnis von Kurs und Buchwert der jeweiligen Aktie. Aus Anlegersicht sind vor allem Unternehmen mit einem KBV von unter 1 interessant. In dem Fall ist nämlich die Substanz des betreffenden Unternehmens höher als der Preis, der an der Börse dafür gezahlt wird.
$$\bo\text"KBV"=\text"Marktkapitalisierung"/\text"Eigenkapital"$$
Ergebnis berechnen

Meist liegt der Börsenwert deutlich über dem Buchwert, das Kurs-Buchwert-Verhältnis ist damit größer als 1. In konjunkturell guten Phasen ist es nicht ungewöhnlich, wenn ein Index wie der DAX mit einem KBV zwischen 1,5 und 2,0 bewertet wird – im Boom kann der Wert sogar deutlich über 2 steigen.

In manchen Fällen rutscht das Kurs-Buchwert-Verhältnis aber unter die Schwelle von 1. Alle Aktien zusammen sind dann im Durchschnitt weniger wert als die Unternehmenssubstanz.

Ein Kurs-Buchwert- Verhältnis von unter 1 ist daher ein wichtiges Indiz für eine Unterbewertung.

Der DAX ist am Ende der Crash-Phasen 2000 bis 2003 und 2007 bis 2009 auf ein KBV von fast genau 1 gefallen und drehte dann jeweils deutlich nach oben. Wer bei einem KBV-Wert von 1 in einen Aktienmarkt einsteigt, hat auf Sicht von 1 bis 2 Jahren fast immer eine erstklassige Wertentwicklung erlebt.

Erholung wahrscheinlich: Kurs-Buchwert-Verhältnis deutet auf Unterbewertung hin

Aktuell liegt das Kurs-Buchwert-Verhältnis des österreichischen Leitindex ATX nur knapp über 1. Die Erfahrung zeigt: Ein solch niedriges Kurs-Buchwert-Verhältnis ist die Ausnahme, nicht die Regel.

Gemessen am Kurs-Buchwert-Verhältnis ist der österreichische Leitindex derzeit klar unterbewertet. Noch besteht somit die Chance, zu sehr günstigen Konditionen in den österreichischen Aktienmarkt einzusteigen.

Für den schnellen Überblick: Österreichs Leitindex ATX-Kurs

Falls Sie sich noch nicht ausgiebig mit dem Aktienmarkt in Österreich befasst haben, empfehle ich Ihnen, einen Blick auf den österreichischen Leitindex ATX zu werfen. Der ATX (Austrian Traded Index) ist die österreichische Entsprechung des deutschen Leitindex DAX und wird seit Januar 1991 berechnet.

Er gibt die Kursentwicklung der größten österreichischen Aktiengesellschaften wieder, die an der Wiener Börse notiert sind. Im ATX sind insgesamt 20 Aktiengesellschaften vertreten. Mitglied im ATX sind – absteigend nach ihrem Indexgewicht geordnet – folgende Unternehmen:

Sie sehen: Der österreichische Leitindex bietet einen guten Querschnitt durch fast alle Branchen. Der einzige Wermutstropfen ist die Tatsache, dass es – anders als im DAX – eine Begrenzung des Indexgewichts für einzelne Unternehmen erst bei 20% gibt.

Das kann zu Verzerrungen führen, wenn der Börsenwert eines Unternehmens überproportional schwankt. Derzeit ist die Erste Group Bank mit rund 19% im Index vertreten, der Öl- und Gaskonzern OMV mit etwa 13%. Zum Vergleich: Im deutschen Leitindex DAX ist das Gewicht eines einzelnen Unternehmens auf maximal 10% begrenzt.

Es gibt noch einen weiteren Unterschied zum DAX: Im Gegensatz zum DAX handelt es sich beim ATX um einen reinen Kursindex. In die Berechnung des österreichischen Leitindex werden also die gezahlten Dividenden nicht einbezogen.

Das hat Konsequenzen für Ihre Investments, falls Sie in den Index und damit in einen repräsentativen Querschnitt des österreichischen Aktienmarktes investieren möchten.

„Geldanlage-Berater“-Tipp: Kaufen Sie besser ETFs als Index-Zertifikate

Kaufen Sie möglichst keine Index-Zertifikate auf Kursindizes, wenn es als Alternative dazu einen ETF (Exchange Traded Fund = börsengehandelter Fonds) gibt. Denn bei Index-Zertifikaten auf Kursindizes entgehen Ihnen die Dividenden der Indexmitglieder.

Ein Index-Zertifikat bildet ganz einfach den Indexstand ab. Sind in diesem – wie beim ATX – die Dividenden nicht eingerechnet, haben Sie als Anleger Pech gehabt. Die Dividenden streicht dann die emittierende Bank ein, Sie selbst gehen leer aus.

Falls Sie in den österreichischen ATX investieren möchten, empfiehlt sich ein ETF. Bei ETFs werden die Dividenden Jahr für Jahr ausgeschüttet, entgehen Ihnen also nicht.

3. Juni 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.