Plötzlich und unerwartet haben sich neue Gräben in der Eurokrise aufgetan. Wie immer ist der Schuldige klar:
Deutschland natürlich, dessen böse, böse Kanzlerin Angela Merkel einfach keine Eurobonds will und sich gegen das Anwerfen der Druckerpresse stellt.
Hoffentlich bleibt sie eisern – trotz der Medienkampagne gegen sie. Leider zieht die Tricksererei der PIGS auch andere Anlageregionen nach unten, wie wir gleich sehen werden.
Leere Worte in Euroland
Es ist doch immer die gleiche Leier – Hellas bricht seine Versprechen. Griechenland will die privaten Gläubiger stärker zur Kasse bitten als bislang geplant. Athen fordert Nachlässe von 75 Prozent. Die Banken bestehen auf den vereinbarten 50 Prozent.
Und damit nicht genug: Unter den Euro-Staaten brach Streit über die Beteiligung privater Gläubiger an der Entschuldung von Krisenländern im Rahmen des geplanten permanenten Rettungsfonds ESM aus, der das schon aktive Schutzschild EFSF Mitte 2013 dauerhaft ablösen soll.
Frankreich und andere Länder dringen darauf, die auf Druck Deutschlands ins ESM-Konzept aufgenommenen Klauseln für eine geordnete Umschuldung von Staaten in akuter Finanznot (Collective Action Clauses) zu kippen. Diese Option war im Frühjahr nach langem Streit beschlossen worden.
Auch hier sind also die Worte der Fürsten in Paris und anderswo das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben stehen.
Spanien greift nach dem Rettungsgeld
Zugleich schockte Standard&Poor's Belgien und stufte die Kreditwürdigkeit des Landes herab. Als Gründe für den Schritt nannte S&P Risiken für die Banken, eine Bedrohung der exportorientierten Wirtschaft sowie das politische Durcheinander – das ist ja mal eine Überraschung. Die Einstufung lautet nun "AA" nach zuletzt "AA+".
Zudem schleicht sich nun Spanien in Richtung der auch vom deutschen Steuerzahler aufgespannten finanziellen Hängematte: Nach Angaben aus dem Umfeld der künftigen Regierungspartei Spaniens deutet sich an, dass das Land Rettungshilfen entweder beim EFSF oder beim Internationalen Währungsfonds (IWF) beantragen könnte.
Spanien muss derzeit enorme Zinsen zahlen, um seine Anleihen an den Mann zu bringen. Klar, weil sich die wirtschaftlichen Strukturprobleme nicht geändert haben. Nach wie vor stehen tausende Immobilien leer – und dutzende Banken und Sparkassen sind deswegen eigentlich bankrott.
Alarmsignale auch aus Fernost
So. Damit ist auch in den kommenden Tagen einiges an Durcheinander an der Börse zu erwarten. Leider zieht das europäische Dauer-Tohuwabohu auch zunehmend die anderen Märkte mit nach unten. Das Vertrauen ist auch in Indien und in China lädiert – deswegen wollten die beiden Wirtschaftsgiganten auch keine Anleihen aus dem EFSF kaufen.
Zudem hat auch die Volksrepublik ihre eigenen Probleme: Ein schwacher Einkaufsmanager-Index reduziert meine Wachstumsprognose nun für 2012 auf nur noch 5%. Ich hoffe, dass ich falsch liege…
China schwächelt
Der Abschwung an der Börse von Januar 2011 bis jetzt lief dem Einkaufsmanager-Index voraus. Deshalb ist das rezessive Konjunktursignal für Menschen wie mich, die an die unbegrenzte prognostische Power von Märkten glauben, ja nichts Neues.
Sollte der Markt aber unter 2.400 fallen, dann bahnt sich noch weiteres Ungemach an. Es würde die Eskalationsstufe zwei erreicht werden.
Und die würde heißen: Neue Belastungsfaktoren für die westlichen Börsen, die sowieso gerade heftig an ihrer eigenen Krise kauen müssen.
Warnsignale aus Indien
Und wie sieht es auf dem Subkontinent aus? Nicht viel besser. Tatsächlich sieht der indische Leitindex nicht wirklich gut aus. Hier könnte sich eine große Schulter-Kopf-Schulter-Formation aufbauen, wenn die Marke von 15.700 Punkten nachhaltig unterschritten wird. Und das wäre hochgradig bearish.
Der Sensex lugt in den Abgrund
Nur gut, dass wir nicht nur in der Hausse verdienen können, wie die Aktien-Anleger in Frankfurt. Nein, wir machen weiter auch auf der Short-Seite Gewinne. Ich halte Sie auf dem Laufenden.





