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Auflösung des Wertparadoxons: Die Grundlage unseres Wertesystems

In unserem Alltag haben wir akzeptiert, dass nutzlose Gegenstände wie eine Goldmünze oder ein Diamant einen weit höheren Wert haben als Gegenstände, die dringend benötigt werden, wie zum Beispiel Klopapier oder einfaches Wasser.

Aber wie kann es sein, dass eine Goldmünze so viel mehr wert ist als eine Rolle Klopapier? Wer diese Frage nun für lachhaft hält, sollte sich in der entsprechende Situation einmal vorstellen, nur eine Goldmünze zur Hand haben. Dann wird schnell klar, dass die Bewertung der Goldmünze mit dem nutzbaren Wert nicht viel zu tun hat. Die Bewertung ist also paradox.

Erklärung vor der Auflösung: Das klassische Wertparadoxon

Das klassische Wertparadoxon hatte allerdings nicht Gold und Klopapier, so amüsant dieses Beispiel auch ist, als Gegenstände der Erklärung. Es war John Law of Lauriston (1671-1729), ein schottischer Ökonom und Bankier, der die scheinbar unverständliche Bewertung von Gütern am Beispiel von Wasser und Diamanten erklärte.

Law war der erste, der mit seinem Vergleich des lebensnotwendigen, aber nahezu unbegrenzt verfügbaren Rohstoffs Wasser (zumindest im 17. Jahrhundert wurde der Rohstoff Wasser noch für unbegrenzt gehalten) und dem Wert eines Diamanten, der keinen praktischen Nutzen hat, eine Beziehung zwischen Angebot und Nachfrage herstellte.

Versuch der Auflösung des Wertparadoxons durch Smith

Etwas später wurde diese erste Erklärung durch Adam Smith (1723-1790) aufgegriffen und weiterentwickelt. Smith führte die Begriffe des reinen Gebrauchswert und des Tauschwerts für Wirtschaftsgüter ein. So ist der Gebrauchswert für Wasser hoch und für Diamanten niedrig, der Tauschwert allerdings liegt bei Diamanten um ein Vielfaches höher als bei Wasser.

Smiths Ansatz war ein Versuch, das Wertparadoxon aufzulösen, stellte aber noch keine wirkliche Lösung dar.

Auflösung des Wertparadoxons durch Gossen

Hermann Heinrich Gossen (1810-1958), ein in Düren geborener preußischer Jurist, war es, der mit dem Erkennen des Grenznutzwertes das Wertparadoxon auflöste.

Gossen stellte fest, dass Nutzwert und Tauschwert von Gütern mit zunehmender Menge abnehmen, also einen Grenznutzen erreichen.

Ein einfaches Beispiel hierfür ist wieder ein Glas Wasser. Einem Menschen, der großen Durst verspürt, bietet ein Glas Wasser einen großen Nutzen. Sas zweite Glas ist schon nicht mehr ganz so begehrenswert und das achte Glas wird wahrscheinlich keinerlei Beachtung mehr finden.

Gossen entwickelte ein mathematisches Verfahren, um das Verhältnis von Tauschwert und Nutzwert einem Grenznutzen zuzuweisen. Mit diesem Ansatz konnte die Preisbildung von Gütern mit einem wissenschaftlichen Ansatz legitimiert werden.

Warum die Auflösung des Wertparadoxons so wichtig ist

Nicht nur das – durch die von Gossen entwickelte Methode wurden erstmals verschiedene Güter über ihren Grenznutzwert miteinander im Preis vergleichbar. Somit bildet Gossens Theorie die Grundlage des heutigen Werte- und Wirtschaftssystems.  Die zentrale Frage hierbei ist: Wie viel Nutzwert erhalte ich für mein Geld bei Ware A oder bei Ware B?

Wichtiger und weitreichender ist die Tatsache, dass hierdurch die Optimierung des Geldeinsatzes möglich ist. Das heißt, durch den Vergleich des Grenznutzwertes von verschiedenen Waren ist es möglich, einen maximalen Grenznutzen für die vorhandene Geldmenge zu erreichen. Dies gilt für den Einkauf bei Großkonzernen genauso wie beim Lebensmitteleinkauf für den Privathaushalt.

20. Januar 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rüdiger Dalchow. Über den Autor

Seit 1995 ist er selber aktiv an den Märkten tätig und hat dabei sowohl Hochs als auch Tiefs erlebt. Aus dieser Erfahrung heraus ist es sein Ziel, dem privaten Anleger oftmals zu kompliziert dargestellte Zusammenhänge an der Börse möglichst einfach, aber dennoch effektiv näherzubringen. Seit 2011 führt sein Blog www.aktienhandel-einsteiger.de mit interessanten Fachartikeln und Interviews durch das Aktiendickicht.