Die Augusta Technologie AG legte jüngst die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2011 vor.
Die Prognosen des Vorstandes wurden auf Umsatz- und Ergebnisseite vollumfänglich erfüllt. Dank des Verkaufs der Sensortechnics-Gruppe hat sich die Nettoliquidität zudem auf 42 Mio. Euro und die Eigenkapitalquote auf 72 % erhöht.
Unsere Redaktion hat anlässlich der starken Vorabzahlen für das Jahr 2011 ein Interview mit dem Finanzvorstand der Augusta Technologie AG, Herrn Berth Hausmann, geführt.
Redaktion: Im dritten Quartal hatte sich eine leichte Normalisierung der Auftragseingänge angedeutet. Demgegenüber lagen die Auftragseingänge im vierten Quartal jedoch um 36 % über dem Vorjahresniveau. Zeigt dies, dass Sie von der viel zitierten Konjunkturabschwächung nichts merken?
Berth Hausmann: Derzeit spüren wir tatsächlich noch keinen Abbruch der Auftragseingänge. Weiterhin bewegen sich die Ordervolumina in einer stabilen Größenordnung, wobei die Entwicklung in den Segmenten etwas unterschiedlich ist.
Insgesamt verfügen wir über einen Auftragsbestand, der uns für die Entwicklung im ersten Halbjahr 2012 sehr optimistisch stimmt.
Redaktion: Die vorläufigen Zahlen haben gezeigt, dass bei den Umsatzerlösen im Vorjahresvergleich stark zugelegt wurde. Als Ziel haben Sie unter anderem immer neue vertikale Märkte angestrebt. Ist das gelungen und wie hat das den Umsatzmix hinsichtlich der Kundenbranchen verändert?
Berth Hausmann: Durch die Übernahmen im industriellen Umfeld und die aktive Weiterentwicklung hin zu neuen nichtindustriellen Märkten und Anwendungen haben wir unseren Umsatzmix definitiv weiter verbessert und die Abhängigkeit von einzelnen Kundenbranchen verringert.
Inzwischen machen wir beispielsweise 8 % des Umsatzes im Bereich Traffic. Hier wurde vor einiger Zeit noch kein nennenswerter Umsatz generiert. Zudem ist die regionale Diversifizierung weiter vorangeschritten. Fast die Hälfte aller Umsätze generieren wir inzwischen außerhalb Europas.
Redaktion: Neben der LMI haben Sie im letzten Jahr noch die VDS übernommen. Sind zwischen den akquirierten Unternehmen Synergieeffekte zu heben und wie kann sich das auswirken?
Berth Hausmann: Absolut. Durch die Verschmelzung der VDS Vosskühler mit der AVT können innerhalb der AVT-Gruppe Synergien im Vertrieb, der Entwicklung, im Einkauf und in der Verwaltung gehoben werden, was sich positiv auf die Ergebnissituation auswirken wird.
Wir haben eine breitere Kundenbasis und ein engeres Vertriebsnetz. Das sind sehr wesentliche Faktoren, die das Wachstum beschleunigen.
Mit dem Erwerb der LMI haben wir mit der technologischen Erweiterung der optischen 3-D-Messung ganz neue Kundengruppen und neue Wachstumsmöglichkeiten erschlossen.
Synergiepotenziale mit AVT sehen wir insbesondere im Vertrieb. Wir sind sehr zuversichtlich, dass diese Akquisitionen in den kommenden Quartalen zu Umsatz- und Ergebnissteigerungen führen werden.
Redaktion: Sie haben infolge der Veräußerung der Sensortechnics-Gruppe einen Cash-Bestand von 65 Mio. Euro, den Sie für weitere Akquisitionen einsetzen möchten. Gibt es dazu schon etwas Konkretes?
Berth Hausmann: Wir führen fortlaufend mit mehreren potenziellen Kandidaten Gespräche. Dies ist im Rahmen unserer Akquisitionsstrategie ein ständiger Prozess.
Wann eine Übernahme dann tatsächlich konkret wird, hängt immer von 2 Vertragsparteien ab, so dass eine genaue Terminierung nicht möglich ist.
Redaktion: Gibt es einen gewissen Investitionsdruck, und besteht in Anbetracht Ihrer Finanzkraft nicht die Gefahr, dass die Preiserwartungen potenzieller Verkäufer steigen?
Berth Hausmann: Wichtig für uns ist, dass die übernommenen Unternehmen dazu beitragen, die Augusta zu stärken, und eine positive Wertschöpfung herbeiführen.
Wir werden keine Mondpreise zahlen und uns an den branchenüblichen Multiples orientieren. Eine strategische Prämie ist nie ausgeschlossen, hängt aber von den zusätzlichen Wertschöpfungspotenzialen ab. Sofern Earn-out-Klauseln möglich sind, versuchen wir, diese auch umzusetzen.
Redaktion: Im TecDax-Ranking haben Sie sich zuletzt stetig nach vorn gearbeitet. Mit einer größeren Übernahme wären Sie wahrscheinlich schon in Schlagdistanz, oder?
Berth Hausmann: Ja, da haben Sie recht. Bei Marktkapitalisierung und Aktienumsatz liegen wir nicht mehr allzu weit von der geforderten Platzierung entfernt. Eine größere Übernahme macht die Aufnahme in den TecDax greifbar.
Redaktion: Ihre Dividendenpolitik sieht vor, rund 30 % des Jahresüberschusses an die Aktionäre auszuschütten. Wird das auch für 2011 so beibehalten?
Berth Hausmann: Aber ja! Dies gilt nicht nur heute, sondern auch in Zukunft. Für das Geschäftsjahr 2011 werden wir den Jahresüberschuss ermitteln, wie er sich ohne Sondereffekte ergeben hätte.
Infolge der hohen außerordentlichen Erträge werden wir jedoch etwas mehr als sonst auszahlen. Klar ist: Wir wollen in weiteres Wachstum investieren – das schafft langfristig einen höheren Mehrwert für unsere Aktionäre als kurzfristig hohe Dividenden.
Sobald die Höhe der Dividende feststeht, werden wir diese dem Kapitalmarkt kommunizieren.
Redaktion: Herr Hausmann, ich danke Ihnen für das Gespräch.



