von Janne Joerg Kipp

Ausblick: Kursschwankungen kommen durch US-Schuldenkrise - zugreifen bei Dax Werten

Dax Werte: gute Zahlen

Am 2.8. - morgen - entscheidet sich formal in den USA vieles. Eigentlich passiert nichts, meit Chefanalyst Janne Joerg Kipp und empfiehlt, in Ruhe zuzugreifen.

Siemens, Lufthansa, MAN, Bayer, BASF, Volkswagen, die Deutsche Bank - die Quartalszahlen dieser Tage sind gut. Dies hatte ich bereits angekündigt und Ihnen empfohlen, zu investieren. In dieser Woche allerdings müssen Sie jetzt mit deutlichen Kursschwankungen rechnen. Die US-Schuldenkrise wird zum Problem, da die Angst steigt. Gut für Sie, wenn Sie die Nerven behalten und besondere Chancen bei den Dax Werten nutzen. Sorgen Sie für größere Krisen günstig vor.

Berichte sind gut

Die ersten Unternehmen haben einen Ausblick auf die kommenden Monate und auf das Jahresergebnis bereits präsentiert. Wie ich es erwartet habe, fallen die Zahlen unter dem Strich und im Durchschnitt deutlich besser aus, als viele Analysten es noch in den vergangenen Monaten erwarteten. Die Börse reagiert trotzdem kaum.

Teilweise sinken die Kurse sogar, auch wenn die einzelnen Unternehmen keinen Anlass geben. Für Sie die Gelegenheit, nach besonderen Trüffeln zu suchen. Die Dax-Entwicklung hängt in diesen Stunden nicht an den Unternehmens-Berichten, sondern an den Ereignissen in den USA.

Ein Beispiel ist Volkswagen. Ich empfehle Ihnen die Aktie, weil die Zahlen wie schon beschrieben bestens sind. Der Kurs der Aktie jedoch fiel. Analysten sprachen noch davon, dass "positive Überraschungen" ausgeblieben sind. Das bewegt aber keinen Fondsmanager. Vielmehr herrscht Angst, dass die Wolfsburger den Absatzmarkt USA verlieren werden, wenn dort die Konjunktur einbricht.

US-Schuldenkrsie dominiert den Blick

Volkswagen ist damit ein Musterbeispiel für den Blick, den Analysten derzeit auf die Märkte werfen. Dabei sind die Risiken nicht hoch:

So hat Volkswagen derzeit auch den chinesischen Markt im Visier. Volkswagen setzt dort zunehmen d mehr Autos ab - und die Chinesen haben Geld. Alleine Währungsreserven im Wert von  mehr als 3 Billionen US-Dollar garantieren, dass Volkswagen dort noch einen solventen Absatzmarkt findet. Voraussetzung ist nur, dass die Chinesen den Volkswagen gerne kaufen - das aber scheint zu funktionieren.

Die Krise der USA geht an China vorbei, wie die aktuellen Wachstumszahlen deutlich zeigen. Alleine in diesem Jahr noch wird China mehr als 8,5% Wirtschaftswachstum schaffen - mindestens.

Volkswagen aber wird auch in den USA trotz der Schuldenkrise weiter verkaufen. Das Handelsbilanzdefizit, das ich Ihnen am Freitag nannte, zeigt die ganze Situation. Immer noch kaufen "die" Amerikaner auf Pump im Ausland ein. Da es hier um Autos geht, sind es private Käufer. Wer es sich leisten kann, kauft - und das sind weiterhin genügend Amerikaner.

BASF: Börsen übersehen Sondereffekte

Ein ähnliches Bild - nicht ganz so positiv - liefert dieser Tage BASF. Der Chemiegigant aus Ludwigshafen leidet unter den internationalen Entwicklungen. BASF fördert unter anderem Öl uns ­musste im ersten Halbjahr 2011 diese Geschäftstätigkeit in Libyen einstellen. Die politische Entwicklung um Gaddafi und die aufständischen Rebellen ließ keine andere Entscheidung zu.

Nur: Das ist nicht neu. Pflichtgemäß berichtete BASF darüber. Die Börse hat die Aktie daraufhin allerdings um gut 5% nach unten geschickt. Ein Irrtum, wenn Sie sich die Aussagen des Vorstandes genau ansehen: "Wir sehen ... gutes ... Wachstum für die BASF", so der Vorstandsvorsitzende Kurt Bock.

Achtung: BASF ist so konservativ in der Kommunikation, dass Sie diesen Aussagen vertrauen können. Die Zahlen zeigen, BASF ist auf dem Weg dazu, alle Ziele in diesem Jahr tatsächlich zu erreichen. Sie können BASF kaufen:

  • Der Gewinn im zweiten Quartal 2011 ist im 1,4% gewachsen - allerdings ohne "Sondereinflüsse".
  • Libyen kostete etwa 280 Millionen Euro Gewinn. Dies sind bezogen auf 2,2 Milliarden allerdings "nur" gut 10%.
  • Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) wird von 11,4 über 10,2 auf schließlich 9,6 im nächsten Jahr fallen.
  • Das Ergebnis pro Aktie steigt 2011 um ungefähr 12% bis 14%.
  • Für 2012 rechne ich noch einmal mit 7% mehr.

Daher empfehle ich: Lassen Sie sich nicht von einer schwachen Börse abschrecken. Auch BASF ist nach den jüngsten Meldungen sehr gut bewertet.

Selbst Lufthansa punktet

Auch eine Aktie, die offen gestanden nicht zu meinen Lieblingswerten zählt, hat mächtig gepunktet. Denn: Die Lufthansa verbessert sich auf allen Ebenen. Im Kurzcheck sehen Sie, wie gut das Unternehmen sich aktuell präsentiert.

Der Umsatz steigt gegenüber 2010 im zweiten Quartal um 11,0% - trotz einer Konjunkturflaute zumindest in Europa. Das operative Ergebnis (vor Abschreibungen) steigt gleich um 44,7%. Das Ergebnis vor Steuern verbessert sich um 21,6%.

Außerdem präsentierte der Vorstand einen Vergleich zur Konkurrenz: Air France hat statt der Gewinne von Lufthansa sogar einen Verlust eingeflogen. Lufthansa sieht sich daher gerüstet. Ich gebe dem Vorstand recht.

Dies Alles bestätigt nur, was ich Ihnen bereits in den vergangenen Wochen geschrieben habe, die Zahlen sind intakt. Sie können weiter in Aktien investieren, auch wenn die Kurse wie am Freitag regelrecht purzeln. Noch einmal zu den Gründen insgesamt - bevor Sie tatsächlich die schwankenden und fallenden Kurse bestens für sich ausnutzen können.

Spanien, Frankreich sowie Italien: abgehängt

Die Gewinne der deutschen Unternehmen sind nicht nur im vergangenen Quartal hoch gewesen, sondern sie steigen auch künftig. Dies sagt auch Christian Stocker von "UniCredit", der die Märkte schon lange beobachtet. Er geht von einem Gewinnwachstum in Höhe von 4,5% bei deutschen Unternehmen aus - Jahr für Jahr.

Dies  schafft die Konkurrenz aus Südeuropa nicht. Spanien, Italien und Frankreich weisen deutlich schlechtere Unternehmensentwicklungen auf. Doch auch hier stellt sich die Börse taub.

Noch ein Fakt, der Ihnen weiterhelfen kann. In der vergangenen Woche meldete eine Handelsorganisation der Vereinten Nationen, die "Unctad", dass Deutschland weltweit führend darin ist, die Auslandsinvestitionen zu erhöhen. Mit anderen Worten: wir, unsere Unternehmen, investieren in neue Wachstumsfelder.

Denn: Auslandsinvestitionen sind vor allem Gelder, die nach China, Brasilien oder Indien fließen. Damit haben wir sogar die Investitionen von China deutlich abgehängt: Deutschland erhöht die Auslandsinvestitionen um etwa gut 33%, China nur  um 19%.

Gefahr kurzfristig nur morgen

Daher ist der Ausblick für die deutschen größeren Konzerne auch nach den jüngsten Zahlen immer noch gut. Die Deutsche Bank geht davon aus, dass alleine die Produktion in diesem Jahr um insgesamt 10% wachsen wird. Da der Absatzmarkt in China und auch in den USA noch intakt ist, sehe ich darin ein gutes Zeichen. Diese Zahlen hat die Börse ebenfalls noch gar nicht in die Kursentwicklung aufgenommen.

Alles starrt nur auf a) die leicht sinkende Konjunktur in den USA und b) vor allem auf morgen. Die Schuldenobergrenze spielt faktisch keine Rolle, weil die USA noch für mehrere Tage Geld haben. Das Gesetz für eine neue Schuldenobergrenze brauchen Republikaner und Demokraten nicht durczusetzen. Aber: die Börse sieht darin eine wichtige psychologische Entscheidung.

Die USA sind daher für die nächsten 48 Stunden wichtiger denn je zuvor. Rechnen Sie damit, dass auch nach dem 2.8., direkt zum 3.8., die Kurse stärker schwanken können. Je nachdem, wie das Ergebnis des ganzen Prozesses in die Öffentlichkeit kommt, werden die unterschiedlichsten Gruppierungen "zocken".

Möglich wäre sogar, dass Hedge-Fonds auf überraschend steigende Aktienkurse setzen und sich noch kurzfristig eindecken. Meine Empfehlung:

Behalten Sie die Nerven. Ob die Kurse sinken (wahrscheinlich) oder steigen: dies ist alles nur kurzfristig. Wichtig sind die guten Unternehmenszahlen aus Deutschland. Die US-Schuldenkrise spielt für Ihr optimales "Timing" eine Rolle, für langfristige Entscheidungen ist das Ereignis morgen, am 2.8., kein wichtiges Datum.

PS: Wollen Sie es sich ganz einfach machen, kaufen Sie einen börsengehandelten "ETF-Fonds". Entweder auf den Dax oder aber den "MSCI Germany", der noch breiter streut. Damit werden Sie zwar nicht die optimale Rendite wie bei Einzelinvestments erzielen, haben aber eine noch höhere Sicherheit gegen Schwankungen.

Wichtig bleibt allerdings der Trend. Beobachten Sie mit mir und meinen Kollegen genau, wohin die Schuldenblase weltweit noch treibt. Die Panik kann eines Tages größer werden - dann werden wir Sie informieren: notfalls müssten Sie dann Aktienpositionen wieder auflösen, falls Sie keine zwischenzeitlichen Verluste dulden möchten. "Gefährlich" aber sind Aktien mit Substanz selbst in der Krise nicht. Dafür laufen die Geschäfte in Asien schon zu gut, wie ich oben beschreibe.

 
 
Bildquelle: Gina Sanders - Fotolia

Autor:

Janne Joerg Kipp

Janne Joerg Kipp ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage. Aktuelle Hinweise und Empfehlungen zur Vorsorgeoptimierung erhalten Unternehmer und Entscheider im kostenlosen Newsletter Wirtschaft Vertraulich.