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Anleger: So fordern Sie einen Teil der Ausländischen Quellensteuer zurück

Wenn Anleger ihr Kapital in ausländische Unternehmen investieren, müssen sie damit rechnen, dass auf die Gewinne, die in Form von Dividenden ausgeschütteten werden, eine Quellensteuer erhoben wird. Die Quellensteuer geht als Einnahme an das Mutterland des betreffenden Unternehmens.

Der prozentuale Quellensteuersatz ist von Staat zu Staat unterschiedlich. Zusätzlich zur im Ausland abgeführten Quellensteuer muss ein Anleger im Inland auf die Dividendenerträge auch noch 25% Abgeltungssteuer bezahlen. Was viele Anleger nicht wissen: Sie können einen Teil der gezahlten ausländischen Quellensteuer zurückfordern.

Doppelbesteuerungsabkommen schützen Anleger nur bedingt

Im Prinzip sollen Kapitalerträge wie Dividendeneinkünfte unabhängig davon ob sie im In- oder Ausland erzielt worden sind, nach der Abgeltungssteuer nur mit 25% belastet werden. Um dieses Ziel trotz ausländischer Quellensteuer erreichen zu können, hat die Bundesrepublik Deutschland mit 80 Staaten ein Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen.

Nach diesen Abkommen können sich deutsche Anleger zumindest einen Teil ihrer gezahlten Quellensteuer auf die deutsche Steuerschuld anrechnen lassen. In der Regel wird der anrechenbare Betrag auf 15% begrenzt. So lange ein ausländischer Staat nicht mehr als 25% Quellensteuer erhebt, wäre der Anleger bei einer 15% Anrechnung vor einer Doppelbesteuerung geschützt.

In der Praxis gibt es allerdings zahlreiche Staaten, die mehr als 25% Quellensteuer erheben. In diesem Fall muss der Anleger selbst aktiv werden und die von ihm zu viel gezahlten ausländische Quellensteuer zurückfordern. Nur so kann er verhindern, dass er zu viele Steuern an ausländische Finanzämter bezahlt.

Registrierung im Ausland senkt Steuerlast

So bieten einige Staaten wie beispielsweise Schweden oder Frankreich deutschen Anlegern die Möglichkeit, sich bereits vor den zu erwartenden Dividendenausschüttungen beim ausländischen Finanzamt registrieren zu lassen. Die Registrierung ermöglicht eine Vorabreduzierung der ausländischen Quellensteuer auf 15%. Der Anleger schließt so von vornhinein das Risiko aus, zu viel zu bezahlen.

Einige Staaten sind bekannt dafür, sich beim Zurückzahlen der zu viel gezahlten Quellensteuer sehr viel Zeit zu lassen. So hat zum Beispiel Italien in den Ruf, die Quellensteuer wenn überhaupt erst nach mehreren Jahren zurück zu zahlen. In diesen Fällen zahlt sich eine Vorabregistrierung für den Anleger aus.

Zu viel gezahlte ausländische Quellensteuern können zurückgefordert werden

Wenn eine Vorabregistrierung nicht möglich ist, wird erst einmal die volle ausländische Quellensteuer erhoben. In diesem Fall muss der Anleger einen Antrag auf Rückerstattung seiner zu viel gezahlten ausländischen Quellensteuer beim betreffenden ausländischen Finanzamt einreichen.

Das Bundeszentralamt für Steuern hat zu diesem Zweck für deutsche Anleger eine Übersicht mit den verschiedenen Anschriften und Formularen der Staaten erstellt, die vom Doppelbesteuerungsabkommen erfasst sind. In jedem Fall muss ein Anleger sowohl für die Vorabreduzierung als auch für die spätere Rückforderung der ausländischen Quellensteuer für jedes Land einen separaten Antrag stellen.

700 Millionen Euro werden jedes Jahr verschenkt

Gerade bei Staaten, die deutlich mehr als 25% Quellensteuer erheben, zahlt sich der Einsatz für den deutschen Anleger aus. Dazu zählt beispielsweise die Schweiz, die 35% Quellensteuer einzieht. Wenn ein deutscher Anleger eine Dividende des Schweizer Pharmakonzerns Roche in Höhe von umgerechnet 10.000 Euro bezieht, verbleiben davon 35% bzw. 3500 € beim ausländischen Finanzamt.

15% bzw. 1500 € der Summe werden dem Anleger bei der Abgeltungssteuer angerechnet. Dennoch bezahlt ein Anleger, der seine zu viel gezahlte Quellensteuer nicht zurückfordert, am Ende 2000 € mehr als er müsste. Insgesamt verzichten die deutschen Anleger durch ihren mangelnden Einsatz, die zu viel  gezahlten ausländische Quellensteuer zurückzufordern, auf 700 Mio. € pro Jahr. Sie beschenken so unfreiwillig die ausländischen Finanzämter.

Bestehen Sie auf Ihrem Recht die ausländische Quellensteuer zurückzufordern

Gerade bei größeren ausländischen Aktienpositionen sollte man als Anleger daher auf seinem guten Recht bestehen, die ausländische Quellensteuer zurückzufordern. Ein Teil der Staaten hat hohe bürokratische Hürden errichtet, bevor ein Anleger einen Teil der gezahlten Quellensteuer zurückerhält.

In diesen Fällen sollte man sich als Anleger an seine Bank wenden. Die Hausbank kann einen nämlich bei diesem Prozess maßgeblich unterstützen. Natürlich muss man dabei gegebenenfalls anfallende Bankgebühren in die Gesamtrechnung mit einbeziehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der zeitliche und finanzielle Aufwand für den Anleger am Ende auszahlt, ist allerdings recht hoch.

20. Juli 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ludwig Buhmann
Von: Ludwig Buhmann. Über den Autor

Ludwig Buhmann analysiert für die GeVestor-Leser politische Entwicklungen rund um den Globus.