von Markus Lindermayr

Austeritätspolitik und ihre Folgen

Austeritätspolitik und ihre Folgen

Die Beschlüsse des EU-Gipfels, die Neuverschuldung der europäischen Staaten zu begrenzen, sind zwar notwendig, haben jedoch erhebliche gesamtwirtschaftliche Konsequenzen.

Insbesondere die Länder Italien, Spanien, Portugal, Irland und Griechenland, ganz zu schweigen, müssen die Ausgaben zurückfahren.

Die Austeritätspolitik in Europa – also die notwendigen Kürzungen der Staatsausgaben – wird erhebliche Konsequenzen haben. Das meint zumindest Richard Koo, Wirtschaftsexperte bei Nomura Securities.

Die Regierungen müssten dem „Real-World Economics Review“ zufolge ihre Staatsausgaben eher deutlich steigern, um eine globale „Deflationsspirale“ zu vermeiden. Die europäischen Ausgabenkürzungen der verschiedenen Staaten fördern die erwartete Entwicklung noch.

Langfristige Entschuldung voraus

Der Report zeigt auf, dass die Welt sich in einer „Bilanzrezession“ wiederfindet. Sie wird durch ein „Deleveraging“ – ein Prozess der Entschuldung – verursacht. Mit einem Entschuldungsprozess ist die Abnahme aller Schulden im wirtschaftlichen System im Verhältnis zu den gesamten Einkommen gemeint.

Dieser Prozess schwächt die wirtschaftliche Nachfrage und bremst Wachstum und wirtschaftliche Aktivität.

Ein solcher Prozess zeichnet sich dadurch aus, dass mehr Schulden getilgt als gemacht werden. Man kann es auch anders ausdrücken: Es wird mehr gespart als investiert. Der Unterschied zwischen solch einer „Bilanzrezession“ und einer normalen, gewöhnlichen Rezession ist, dass eine durch Entschuldung ausgelöste Rezession oder ein schwaches Wachstum über ein Jahrzehnt hinweg anhalten kann.

Als Muster muss man sich die japanische Situation vor Augen halten. Im Jahr 1989 platzte dort eine Immobilien- und Aktienmarktblase. Danach herrschte in Japan über fast 2 Jahrzehnte hinweg ein schwaches Wachstum gepaart mit einem fallenden Preisniveau vor.

Kein echtes Gegenrezept vorhanden

Allerdings kann das Rezept gegen Überschuldung nicht immer wieder in erneuten Schulden liegen. In den Vereinigten Staaten von Amerika fällt das Volumen der privaten Schulden trotz Nullzinspolitik der Notenbanken beständig. Nur die massive Neuverschuldung verhinderte eine Kontraktion von Geld- und Kreditmengen.

Die großzügigen Anleihenkäufe der Notenbank Federal Reserve – auch Quantitative Easing (QE) – haben daran nicht viel ändern können, sondern lediglich die Geldmenge leicht am Wachsen gehalten.

Fazit:

Die etablierten Industriestaaten stehen vor mindestens einem Jahrzehnt eines schwachen Industrie- und Gewinnwachstums. Die Aktienbewertungen scheinen dies durch niedrige Kurs-Gewinn-Verhältnisse schon etwas vorwegzunehmen. Über Jahrzehnte stiegen die Kreditberge wesentlich schneller als die Einkommen. Nach dem Platzen der Kreditblase zeigen sich nun die Schranken für Neuverschuldung und Wachstum.

Auch die Anleihemärkte sehen solche eine Entwicklung voraus. Niedrigste Zinssätze bei den Bundesanleihen weisen auf eine zukünftige niedrige Preissteigerungsrate in Verbindung mit niedrigem Wachtrum hin. Die demografische Entwicklung in Europa wird eventuell sogar zu wirtschaftlicher Stagnation führen.

 
 
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