MenüMenü

Gratis Studie zum kostenlosen Download:
Neu: 3 Topaktien für das Jahr 2017 . . . Download hier ➜

Balance of Payment Krise – warum diese Krise so gefährlich ist

Die globale Finanzkrise in den Jahren 2007 und 2008 hat zu großen Verwerfungen an den weltweiten Finanzmärkten geführt und letztendlich auch zum Zusammenbruch der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 beigetragen.

Glaubt man Finanzexperten wie dem Schweizer Asset-Manager Felix Zulauf, könnte die nächste Finanzkrise bereits vor der Tür stehen. Dabei geht es vor allem um die Gefahr, die durch hohe Zahlungsbilanzdefizite einzelner Staaten ausgeht, die sogenannte Balance of Payments Krise.

Balance of Payments: Was ist eine Zahlungsbilanz?

Bei einer ausgeglichenen Zahlungsbilanz ist der Geldwert, der durch Warenimporte und Finanztransaktionen ins Ausland fließt, in der Theorie gleich hoch, wie der Geldwert, der durch Exporte (Verkauf von Waren) und Finanztransaktionen (Investitionen) ins Inland kommt. Dabei ist zu beachten, dass zur Zahlungsbilanz sowohl die Leistungsbilanz (Handelsbilanz) als auch die Kapitalbilanz (Finanzverkehr) zählen.

In der Praxis stellt sich dies natürlich anders dar, kaum ein Land verfügt über eine ausgeglichene Zahlungsbilanz. Vielmehr übersteigt der Geldwert, der durch den Import von Waren und Dienstleistungen ins Inland fließt, regelmäßig den Geldwert, der durch Exporte erwirtschaftet werden kann – man spricht dann von einem Leistungsbilanz- bzw. Zahlungsbilanzdefizit.

Wenn zu viel Kapital ins Ausland fließt

Eine Balance of Payments Krise entsteht dann, wenn ein Land über einen längeren Zeitraum hohe Zahlungsbilanzdefizite anhäuft, sprich, so viel Geld aus dem Land fließt, dass der Staat Probleme bekommt, die Differenz auszugleichen.

Das wird dann akut, wenn das Haushaltsdefizit eines Landes so groß wird, dass keine Zinsen auf Staatsanleihen mehr bedient werden können – damit ist das Land praktisch bankrott. So geschehen im Jahr 1997, als Russland de facto in die Staatspleite schlitterte.

Warum die Balance of Payments Krise so gefährlich ist

Auch heute steht die globale Finanzwelt vor einer ähnlichen Situation. Venezuela, Nigeria, Irak, Russland und andere Schwellenländer leiden unter Mittelabflüssen und steigenden Haushaltsdefiziten.

Der Grund: Vor allem Venezuela, Nigeria, Saudi-Arabien, Iran der Irak und insbesondere auch Russland sind von Öl-Exporten abhängig, um ihren Staatshaushalt zu finanzieren. Bricht der Ölpreis wie zuletzt geschehen massiv ein, haben diese Länder große Probleme ihren Haushalt zu finanzieren.

Infolge steigender Haushaltsdefizite geht meist auch eine deutliche Abwertung der jeweiligen Landeswährung einher, wie dies zuletzt beim russischen Rubel zu beachten war.

Eine schwächere Währung ist zwar ökonomisch gesehen positiv für den Export des jeweiligen Landes, führt aber dazu, dass Investoren und Anleger aus der weichen Währung „flüchten“ und noch mehr Kapital abziehen. Dadurch wird die Balance of Payments Krise noch verschärft – ein Teufelskreislauf.

Fazit: Balance of Payments Krise trifft Schwellenländer besonders hart

Laut dem Internationalen Bankenverband IIF haben Investoren im Jahr 2015 rund 735 Mrd. € aus Schwellenländern abgezogen. Im Jahr 2016 soll sich zwar der Mittelabfluss auf 448 Mrd. € verlangsamen, dennoch ist der Kapitalabfluss ein riesiges Problem für Schwellenländer wie Russland, Brasilien und China.

Mit einem jährlichen Kapitalbilanzdefizit von geschätzten 1 Billion US-$ ist China besonders stark von der Balance of Payments Krise betroffen. Die Regierung in Peking versucht zwar durch Interventionen am Devisenmarkt gegenzusteuern, Kapitalmarktexperten erwarten jedoch eine weitere Abwertung des Yuan – gleiches gilt für den russischen Rubel.

Das übergeordnete Problem für diese Länder: Die Balance of Payments Krise endet für gewöhnlich mit einer Rezession, die bereits in einigen Ländern wie Brasilien und Russland angekommen ist. Stürzt auch der bisherige Wachstumsmotor China in die wirtschaftliche Krise, wären die Folgen auch für deutsche Unternehmen und damit auch für deutsche Privatanleger mit all ihren negativen Auswirkungen zu spüren.

8. März 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands