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Bankenkrise: Italien wird zur Gefahr für Europa

Die Bankenkrise in Italien ist längst nicht mehr nur ein Problem zwischen Matteo Renzi und der EZB. Wer die Augen vor der Realität nicht verschließt, sieht die Gefahren, die der Zusammenbruch der südeuropäischen Wirtschaft für den gesamten Euroraum mit sich bringt.

Experten schätzen die Auswirkungen der italienischen Bankenkrise verheerender ein als das historische Brexit-Votum.

Dass die Zukunft Europas unmittelbar an die Lage Italiens geknüpft ist, zeigt sich schon daran, dass Angela Merkel und Francois Hollande bereits von ihrem klaren Nein zu Renzis Vorhaben, erneut Schulden aufzunehmen, abgerückt sind. Am Montag trifft sich das Dreigespann, um die Zukunft Europas zu besprechen. Im Mittelpunkt des Treffens dürfte auch die Debatte über Italiens Schulden stehen.

Neue Schulden für Italien?

Denn Matteo Renzi will neue Schulden in Milliardenhöhe aufnehmen, um seine Konjunktur anzukurbeln. Nachdem ihm erst kürzlich ein Rettungspaket von der EZB gewährt worden war, um die maroden Banken zu sanieren, ist dieser Vorschlag zunächst vermehrt auf Unmut gestoßen.

Nun aber scheinen Merkel und Hollande nachzugeben und dabei dürfte vor allem politisches Kalkül mitschwingen. Denn für Beide stehen 2017 wichtige Wahlen an, in denen sie wohl ungern eine neue Euro-Krise zu rechtfertigen haben möchten. Um ein solches Szenario abzuwenden, scheint die Zustimmung zur Schuldenaufnahme fast unerlässlich. Denn die Zukunft Italiens prägt die Zukunft Europas.

Europäische Anleger von Bankenkrise betroffen

Denn wenn man einen Blick auf Italiens Wirtschaftszahlen wirft, muss man sich zwangsläufig fragen, ob das Land ohne Finanzspritze überhaupt wieder auf den grünen Zweig kommen kann: Die Staatsverschuldung liegt bereits jetzt bei 135% der Wirtschaftsleistung, die Arbeitslosigkeit der unter 35-jährigen bei rund 30% und das Wirtschaftswachstum ist im letzten Quartal gänzlich stagniert.

Wenn Italien auf sich alleine gestellt ist, droht der Euro-Zone daher eine neue Krise. Denn die engen wirtschaftlichen Verflechtungen innerhalb der Zone könnten schnell zu einem Dominoeffekt führen, wenn Italiens Bankenlandschaft zugrunde geht. Gerade die deutschen Geldhäuser sind massiv in Italien engagiert und hängen deshalb besonders stark an der Solvenz des Landes.

Und die hiesige Bankenlandschaft hat ohnehin bereits bessere Zeiten erlebt. Die Aktien der großen Banken stehen alle bei Werten weit unterhalb der Bestnotierung. Niedrigzinsen und vermehrte Konkurrenz von Online-Bezahlsystemen stellen für die Banken Probleme dar, auf die sie bisher keine Lösung gefunden haben. Die Marktkapitalisierung  des EuroStoxx-Bankenindex liegt nur noch bei weniger als 10% der gesamten EuroStoxx-Aktien.

Sollte sich Italien nun zusätzlich in eine Bankenkrise manövrieren, wären die Auswirkungen für europäische Banken verheerend. Forderungen könnten nicht eingeholt werden, die ohnehin brüchige Kapitaldecke vieler Banken würde weiter einbrechen und nicht nur die Aktienkurse der Banken, sondern auch die Einlagen gerieten in Gefahr.

Bankenkrise beflügelt Goldpreis

Viele Europäer fürchten offensichtlich genau diese Abwärtsspirale. Die Flucht in die Hartwährungen erscheint wieder einmal der sicherste Hafen zu sein. Merrill Lynch adjustierte kürzlich die Prognose für Gold und Silber auf 1500 bzw. 30 US-$. Wer sich absichern will, sollte daher zeitnah reagieren.

Zunächst bleibt aber abzuwarten, ob die italienische Wirtschaft durch das potenzielle Konjunkturpaket einen neuen Aufschwung erlebt und die Ausweitung der Bankenkrise abgewendet werden kann. Es wäre für die Stabilisierung der Euro-Zone wünschenswert.

22. August 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.