Zwei Milliarden US-Dollar sind verschwunden – das ist das Fazit des neuesten Spekulanten-Skandals bei der Schweizer Großbank UBS.
Zwei Milliarden US-Dollar sind ein Geldbetrag, den sich der Otto-Normal-Anleger noch nicht einmal in seinen kühnsten Träumen vorstellen kann.
Nur einmal zum Vergleich: Die Deutsche Telekom, eines der umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland und Mitglied im Deutschen Aktienindex DAX, konnte im Frühjahr diesen Jahres nur wenig mehr als zwei Milliarden US-Dollar als Gewinn verbuchen – für das gesamte Geschäftsjahr 2010.
UBS: Mit Sicherheit keine Sicherheit
Bei der UBS kann diese Geldsumme scheinbar einfach so verschwinden. Bemerkt wurde das Ganze erst, als sie schon längst im Abfluss der Geldwirtschaft versickert war.
Ein riesiger Imageschaden für ein Kreditinstitut, das sich unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden Oswald Grübel die Sicherheit des Handels ganz oben auf die Fahnen geschrieben hatte.
UBS bereits in der letzten Finanzkrise mit Problemen
Man wollte aus den Fehlern der letzten großen Finanzkrise gelernt haben. Diese hatte UBS bereits 2008 kurz vor die Insolvenz getrieben.
Waren es damals wertlose US-Ramsch-Hypotheken, die die Schweizer Großbank an den Rand des Ruins brachten, ist es nun die kriminelle Energie eines Einzelnen, die den Konzern zwei Milliarden Dollar kostet.
Fehlspekulationen in der Vergangenheit
Besonders prekär ist die Situation, als dass sie beileibe kein Einzelfall ist: In der Vergangenheit hatten diverse Fehlspekulationen von einzelnen Händlern Kreditinstitute in arge Probleme gebracht.
Eine der ersten Banken, die unter diesen Spekulationen leiden musste, war die japanische Daiwa Bank im Februar 1995. Elf Jahre lang wirtschaftete ein Mitarbeiter mit dem Geld seines Arbeitgebers – bis er selber ein Geständnis ablegte. Die Bank hatte vorher nicht bemerkt, was ihnen fehlte: 1,1 Milliarden Dollar.
Knapp elf Jahre später verliert der US-Hedgefonds Amaranth Advisors LLC 6,4 Milliarden bei Wetten auf den Erdgasmarkt. Verantwortlich war ein einzelner Händler.
Jerome Kerviel – der Name für Fehlspekulationen
Der bislang vielleicht aufsehenerregendste Fall ereignete sich im vergangenen Oktober. Ein Mitarbeiter der französischen Bank Société Générale missbraucht ohne des Wissens seiner Vorgesetzten das Unternehmensvermögen für riskante Spekulationen.
4,9 Milliarden Euro beträgt der Verlust, die Bank entgeht knapp der Insolvenz. Der Name des Händlers – Jerome Kerviel – geht einmal um die Welt, der Angeklagte indes ins Gefängnis. Bei guter Führung könnte er bereits 2013 wieder auf freiem Fuß sein.
Gefängnis als gerechte Strafe?
Denn in all diesen Fällen war das Urteil klar: Gefängnisstrafen von mehreren Jahren – genauer: zwischen zwei und zehn Jahren. Eine gerechte Strafe, möge man meinen. Die Wahrheit spricht jedoch eine andere Sprache:
Denn für den normalen Bürger gelten scheinbar andere Regeln: Überzieht dieser sein Konto um – sagen wir – 500 Euro ohne vorherige Ankündigung, erfolgt in vielen Fällen sofort ein Anruf durch die Bank.
Bei einem dauerhaften Minus im vierstelligen Bereich droht dann auch schon bald die Privatinsolvenz. Eine Schuldenfalle, aus der es in manchen Fällen jahrzehntelang keinen Ausweg gibt.
Investmentbanker schnell auf freiem Fuß
Die Investmentbanker, die durch ihr Fehlverhalten Verluste in Milliardenhöhe verursachten, laufen dagegen meist schon heute wieder auf freiem Fuß und können ihr normales Leben weiterführen.
Wie kann es also sein, dass Privatkunden durchgehend überprüft werden, Investmentbanker aber unbeobachtet mit Milliardenbeträgen jonglieren können? Die Antwort ist wohl einfach. Es kann nicht sein.
War der Vorstand informiert?
Auch wenn UBS ihre Hände nun in Unschuld waschen möchte, der Vorstand wird etwas von dem unlauteren Handel gewusst haben. Solange die Spekulation gut geht, ist alles in Ordnung.
Nun ist der Handel aber fehlgeschlagen, also wird die Notbremse gezogen, der einzelne Händler ist der Buhmann.
Die andere Möglichkeit wäre, dass die Banker ohne Überprüfung mit unserem Geld spekulieren dürfen – ohne Warnlampe, die die Konzernspitze vor Missbrauch warnt.
Grübel sorgt sich nun um das Vertrauen der Kunden. Diese fordern nun aber – zu Recht – eine Erklärung. Und egal, wie diese auch ausfallen wird: Beruhigend wird sie auf keinen Fall sein!


