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Bedeutung des Ifo-Index – Deutschlands wichtigster Konjunkturindikator

So viel Gewicht haben wenige. Wenn sich das Münchner Ifo-Institut zur Konjunktur äußert sollten nicht nur Börsenprofis zuhören, auch Privatanlegern geben die Erkenntnisse der Ökonomen wichtige Hinweise, wie die Unternehmen des Landes wirtschaften. Aber von vorn:

Das Ifo-Institut ist eine Forschungseinrichtung in München. Das Institut widmet sich vor allem der empirischen wirtschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Forschung. Der Name  „Ifo Institut“ steht als Kurzform für „Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V“. Die wohl bekannteste Veröffentlichung der Wirtschaftsforscher in München ist der monatlich erscheinende Ifo-Geschäftsklimaindex.

Eines der größten ökonomischen Forschungsinstitute

Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist aber bei weitem nicht das einzige Ergebnis, das aus dem Ifo-Institut kommt. Die Münchner Forschungseinrichtung ist mit fast 200 Mitarbeitern eine der größten Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland. Nach einer Studie war das Ifo-Institut im Jahr 2006 die veröffentlichungsstärkste ökonomische Forschungseinrichtung in Deutschland.

Finanziert wird das Ifo-Institut etwa zu zwei Dritteln aus öffentlichen Geldern. Ein Drittel seiner Erlöse verdient das Institut im Felde wissenschaftlicher Politikberatung, letztlich also sind auch das öffentliche Gelder. Das wiederum hängt auch mit der Aufgabe und Zielsetzung des Instituts bereits bei seiner Gründung 1949 zusammen.

Die Ziele: Forschung und Beratung

Der in der Satzung festgeschriebene Vereinszweck des Ifo-Instituts ist die empirische wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Forschung und die Bereitstellung von Daten und Informationen auf wirtschaftswissenschaftlichem und wirtschaftspolitischem Sektor. Die Ergebnisse sollen jeweils veröffentlicht werden – und gemäß der Satzung der Entscheidungsfindung in Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung dienen.

Zu den Aufgaben des Ifo-Institutes gehören also das Bereitstellen von Wirtschaftsdaten für die Öffentlichkeit, die Erhebung dieser Daten durch Umfragen, die Beratung von Bundes- und Landesministerien und die Abschätzung der Folgen von Eingriffen in die Wirtschaft.

Dabei hat sich die Ausrichtung des Institutes in den vergangenen Jahren leicht verschoben. War die Forschung des Instituts bis zum Jahr 1999 vor allem auf seine Beraterfunktion zugeschnitten, hat sich das Institut seither mehr auf seine wissenschaftliche und universitäre Ausrichtung fokussiert.

Unter der Präsidentschaft von Hans-Werner Sinn seit 1999 arbeitet das Forschungsinstitut verstärkt mit verschiedenen Universitäten zusammen, insbesondere natürlich der Universität in München.

Dass sich die Wissenschaftler dennoch nicht in den Elfenbeinturm zurückgezogen haben, beweist Hans-Werner Sinn in der anhaltenden Diskussion um den Euro. Wiederholt hat er den Kurs der Europäischen Zentralbank kritisiert. Spätestens mit der Attacke gegen die Zinssenkungen 2013 hat er das Institut als Gegner von EZB-Präsident Draghi positioniert.

Wichtiger Frühindikator Deutschlands: Der Ifo-Geschäftsklimaindex

Für seinen Geschäftsklimaindex befragt das Ifo-Institut jeden Monat rund 7000 Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe, Bauhauptgewerbe, Groß- und Einzelhandel nach ihrem wirtschaftlichen Umfeld. In den Fragebögen beurteilen die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage und ihre Erwartungen für die kommenden sechs Monate.

Dabei können sie die Lage mit „gut“, „befriedigend“ oder „schlecht“ bewerten. Für ihre Geschäftserwartungen geben die Unternehmen „günstiger“, „gleich bleibend“ oder „ungünstiger“ als Kenngrößen an.

Aus den gesammelten Rohdaten ermittelt das ifo-Institut anschließend drei Datenreihen:

  • Geschäftsbeurteilung
  • Geschäftserwartung
  • Geschäftsklima

Der Saldowert der Geschäftsbeurteilung resultiert dabei aus der Differenz der Prozentanteile aus den Ergebnissen von „gut“ und „schlecht“, während sich der Saldowert der Geschäftserwartung aus „günstiger“ und „ungünstiger“ berechnet.

Das Geschäftsklima ergibt sich anschließend aus dem geometrischen Mittelwert beider Salden. Ein kalkulierter Indexwert von 100 entspricht den Erhebungsdaten für den 1. Januar 2005 und gilt als Basis.

Beträgt der Wert 100, schätzen die Unternehmer das Geschäftsklima durchschnittlich als neutral ein, liegt der Wert darunter, ist deren Prognose schlechter, liegt er darüber, sind sie zuversichtlich für die weitere Wirtschaftsentwicklung.

Die berechneten Daten werden dann – meist in der letzten Woche des Monats – als absoluter Wert und prozentuale Veränderung gegenüber dem Vormonat veröffentlicht.

Das ist die Tragweite des Ifo-Index

Der Ifo-Geschäftsklimaindex ermöglicht eine konjunkturelle Prognose und wird deshalb als Frühindikator oder vorlaufender Indikator bezeichnet. Als solcher nimmt er für die Wirtschaft eine wichtige Rolle ein.

Sollte beispielsweise in einem guten bis sehr guten Wirtschaftsumfeld (Boomphase) der Geschäftsklimaindex gegenüber dem Vormonat deutlich fallen, kann dies einen Wendepunkt des aktuellen Konjunkturverlaufs signalisieren.

Darüber hinaus kann die Veröffentlichung des Ifo-Index wiederum den Renten- und Aktienmarkt beeinflussen, sofern der Wert von den Erwartungen der Teilnehmer abweicht. Denn der Konjunkturindikator wird häufig zur Bewertung von Aktienmärkten herangezogen.

Investoren ziehen aus den berechneten Daten Rückschlüsse auf die Entwicklung von einzelnen Industriesektoren. Anschließend agieren sie mit erhöhten Kaufs- bzw. Verkaufsaufträgen.

Diese Aufträge wirken sich auf den Kurs von Aktien- und Rentenmärkten aus. Aus der Veröffentlichung des Geschäftsklimaindex können demnach Kursanstiege bzw.  -rückgänge folgen.

Fazit: Die Vor- und Nachteile des Ifo-Index

Ein großer Vorteil des Ifo-Index liegt in der schnellen Veröffentlichung der Daten. Noch bevor der Monat endet, werden die Daten verarbeitet und präsentiert. Somit lassen sich schon eine gewisse Zeit vor der Publikation amtlicher Daten Rückschlüsse auf eventuelle Änderungen der Marktlage ziehen.

Darüber hinaus verarbeitet der Ifo-Index direkt von den Unternehmen gelieferte Informationen und bezieht auch deren Einschätzung zur zukünftigen Entwicklung mit ein.

Nachteilig ist allerdings, dass der Ifo-Index kaum repräsentative Daten garantieren kann: Die Befragung ist freiwillig, nehmen also zu wenige Unternehmer teil, verzerrt sich möglicherweise die Darstellung des gesamtwirtschaftlichen Umfelds.

15. Oktober 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Michael Kempe
Von: Michael Kempe. Über den Autor

Der diplomierte Betriebswirt (FH) und ausgebildete Finanzjournalist beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Kapitalmarkt – im Besonderen mit Aktien, Fonds und CFDs.