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Beizulegender Zeitwert in der Bilanzierung

Oft stößt man auf den Begriff beizulegender Zeitwert. Dieser spielt nicht nur in der Versicherungswirtschaft, sondern auch bei der internationalen Rechnungslegung eine Rolle.

Doch was bedeutet der Begriff? Der beizulegende Zeitwert ist zunächst ein bilanzieller Wertmaßstab. Er gibt den Wert an, wie ein Vermögenswert oder eine Verbindlichkeit an einem bestimmten Bewertungszeitpunkt festzulegen ist.

Beizulegender Zeitwert: Definition

Nach § 255 Absatz 4 Handelsgesetzbuch (HGB) ist der beizulegende Zeitwert mit dem Marktpreis gleichzusetzen. Dies kann bei einer Aktie beispielsweise der Börsenkurs sein.

Wenn sich allerdings kein Marktpreis ermitteln lässt – wenn zum Beispiel kein aktiver Markt zur Verfügung steht – ist ein beizulegender Zeitwert mit Hilfe allgemein anerkannter Bewertungstechniken festzulegen.

Lässt sich der beizulegende Zeitwert nicht ermitteln, sind die Anschaffungs- oder Herstellungskosten als Bewertungsmaßstab heranzuziehen.

Je nach Rechnungslegungsstandard ist bei der Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts der Wiederbeschaffungswert, der Einzelveräußerungswert oder auch der Ertragswert anzusetzen.

Mehr zum Thema: Zeitwert in der Praxis

Beizulegender Zeitwert und die Bedeutung in der Bilanz

In der Handelsbilanz hat der beizulegende Zeitwert Einfluss auf die Bewertung des Anlagevermögens und des Umlaufvermögens.

Um ihn für Posten des Anlagevermögens zu ermitteln, können verschiedene Anhaltspunkte herangezogen werden. Hierzu zählen neben dem Wiederbeschaffungs- und Herstellungswert in erster Linie Markt- und Börsenpreise.

Wenn, wie zum Beispiel bei Beteiligungen, keine Marktpreise zur Verfügung stehen, kann der Ertragswert als Anhaltspunkt für die Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts dienen. Der Einzelveräußerungswert bildet jedoch die Untergrenze.

Im Umlaufvermögen (Rohstoffe, Betriebsstoffe, Produkte und Waren) entspricht der beizulegende Zeitwert dem Wiederbeschaffungswert bzw. den Wert, zu dem die Ware wieder reproduziert werden kann.

Bei unfertigen und fertigen Erzeugnissen entspricht der Wert dem späteren Verkaufserlös. Dies wird auch als retrograde Wertermittlung bezeichnet. Dabei werden die Anschaffungskosten rückwärts aus dem Verkaufspreis ermittelt.

In der Praxis kommt dies oft in der Lebensmittelindustrie zum Einsatz, wenn Rohstoffe durch Verarbeitungsprozesse stark verändert werden.

Beizulegender Zeitwert in IAS 39

Im International Accounting Standard (IAS) 39 wird der beizulegende Zeitwert als der Wert definiert, zu dem 2 Geschäftspartner zu marktüblichen Bedingungen einen Vermögenswert tauschen oder eine Schuld begleichen.

Zeitwert bei Optionsscheinen

Bei Optionsscheinen hat der Zeitwert eine ganz andere Bedeutung: Hier fungiert er als eine Art „Hoffnungswert“.

Der Zeitwert sinkt während der Laufzeit und beträgt am Laufzeitende 0. Der Zeitwert sinkt dabei zum Laufzeitende hin überproportional stark.

Mehr zum Thema: Zeitwert bei Optionsscheinen

Beizulegender Zeitwert als Bewertungsmaßstab

Seit Anfang 2010 ist der beizulegende Zeitwert als neue Bewertungsvorschrift für alle Geschäftsjahre anzuwenden. In diesem Zusammenhang ist er sowohl bei der Zugangsbewertung als auch bei der Folgebewertung zu berücksichtigen.

Insbesondere mittlere und große Kapitalgesellschaften müssen in Zukunft verpflichtend den beizulegenden Zeitwert dahingehend ermitteln, ob etwaige Bewertungsunterschiede latente Steuern auslösen können.

6. August 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands