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Benzinpreise in Deutschland: Entwicklung hängt von vielen Faktoren ab

Der Ölpreis ist zur Freude der Autofahrer zuletzt deutlich unter die Marke von 40 US-$ (Sorte Brent) gefallen. Da Benzin und Diesel aus Erdöl raffiniert wird, lässt sich dadurch beim Tankstellenbesuch viel Geld sparen.

Beim Mineralölwirtschaftsverband (MMV) schätzt man, dass die deutschen Autofahrer allein in 2015 rund 10,5 Mrd. € weniger für Benzin und Diesel ausgeben werden als im Vorjahr.

Ursächlich für den rasanten Rückgang beim Benzinpreis in Deutschland und dessen Entwicklung ist der niedrigere Ölpreis. Eine schleppende Weltwirtschaft in Verbindung mit einem Übernahmeangebot am Ölmarkt – täglich werden etwa 1,5 bis 2,0 Mio. Barrel Rohöl mehr produziert als verbraucht – haben den Ölpreis in diesem Jahr kräftig abstürzen lassen.

Benzinpreisentwicklung in Deutschland – eine kurze Historie

Gegenüber 2014 sank der Preis für ein Liter Benzin (E10) von im Schnitt 1,48 € je Liter auf inzwischen nur noch 1,36 € je Liter. Auch der Preis für ein Liter Diesel ging von 1,34 € in 2014 auf im Schnitt 1,17 € je Liter zurück, so der Branchenverband Mineralölwirtschaftsverband (MMV). Inzwischen bewegen sich die Preise für ein Liter Diesel auf die Marke von 1,00 € zu.

Tankstellen haben nach Angaben des MMW die niedrigeren Einkaufspreise für Benzin und Diesel in diesem Jahr eins zu eins an den Verbraucher weitergegeben.

Der Steuerbasiseffekt – warum der niedrige Ölpreis nur teilweise beim Verbraucher ankommt

Dennoch profitierten Autofahrer nicht eins zu eins vom Preisrückgang beim Öl. Die Ursache ist der sogenannte Steuerbasiseffekt, wodurch der Sprit einer preisunabhängigen Steuer unterliegt. Damit streicht der Fiskus den Großteil des Umsatzes an der Zapfsäule über die Mineralöl- und Mehrwertsteuer ein.

In diesem Jahr sind es allein beim Benzin 87 Cent pro Liter an Mineralöl- und Mehrwertsteuer, beim Diesel kassiert der Staat 65 Cent pro Liter, heißt es beim MMV.

Unter dem Strich erzielen die Tankstellen laut Verband pro Liter verkauften Kraftstoff unter dem Strich (netto) nur 1 bis 2 Cent Gewinn. Dies liegt daran, dass neben der Mineralöl- Öko- und Mehrwertsteuer noch eine Bevorratungsabgabe (34 bis 39 Cent pro Liter) erhoben wird. Dazu kommen noch Kosten für den Transport und Vertrieb, die sich in der Regel bei etwa 15 Cent pro Liter bewegen.

Einflussfaktoren auf die Benzinpreisentwicklung

Der Ölpreis ist aber nicht der einzige Einflussfaktor, der die Benzinpreisentwicklung in Deutschland beeinflusst. Auch Wechselkursverschiebungen sorgen dafür, dass sich die Benzinpreise an der Zapfsäule in die ein oder andere Richtung bewegen.

Der Grund: Die Preise für Öl werden an den Börsen wie der New Yorker Mercantile Exchange (NYMEX) in US-$ festgelegt. Das heißt, wenn der US-$ gegenüber dem Euro zulegt bzw. der Euro schwächelt, steigt währungsbedingt auch der Ölpreis und der Benzinpreis wird teurer. Umgekehrt gilt: Wird der Euro gegenüber dem US-$ stärker bzw. der US-$ schwächelt, muss für Öl und damit auch für Benzin tiefer in die Tasche gegriffen werden.

Weitere Einflussfaktoren sind Sondereffekte wie zum Beispiel Urlaubszeiten, in denen traditionell mehr gefahren wird. Hier nimmt die Nachfrage nach Benzin zu, wodurch die Preise kurzzeitig steigen können. Daneben können auch politische Unruhen in wichtigen Ölförderstaaten für Preisausschläge beim Öl sorgen, was einen unmittelbaren Einfluss auf die Benzinpreisentwicklung in Deutschland hat.

Ferner hat auch die Weltkonjunktur Einfluss auf die Benzinpreisentwicklung. Steigt die Auslastung in den Fabriken, wird mehr Öl benötigt und die Preise ziehen in der Regel an.

Fazit: Vorerst keine höheren Benzinpreise in Sicht

Eine Trendwende beim Ölpreis ist vorerst nicht in Sicht. Durch die dauerhaft niedrigen Öl- und Benzinpreise dürfte die deutsche Wirtschaft um rund 20 Mrd. € entlastet werden, schätzt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK).

Trotz der steigenden Öl-Nachfrage im nächsten Jahr erwartet die Internationale Energieagentur (IEA), dass der Angebotsüberhang beim Öl auch in 2016 bestehen bleibt. Beim US-Brokerhaus Goldman Sachs hält man daher auch einen Rückgang des Ölpreises auf bis zu 20 US-$ für möglich.

Autofahrer können sich freuen, denn damit dürften die Benzinpreise vorerst im Keller bleiben. Für Anleger bedeutet dies jedoch eine selektivere Auswahl bei Anlageentscheidungen. Finanzexperten raten dazu, Aktien von Mineralöl-Konzernen kurzfristig zu meiden und stattdessen auf Alternativen (zum Beispiel aus der Konsum- und Lebensmittelindustrie) zu setzen.

28. Dezember 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands