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Berechnung des Ertragswertes zur Bestimmung des Unternehmenswertes

Eines der am häufigsten genutzten Verfahren bei der Bestimmung des Unternehmenswertes ist die Berechnung des Ertragswerts.

Durch das sogenannte Ertragswertverfahren wird das Potential eines Unternehmens ermittelt, inwieweit das Unternehmen in der Lage ist, auch künftig hohe oder konstante Gewinne zu erwirtschaften.

Das auch Ertragswertmethode genannte Verfahren ist im Grunde nichts anderes, als die Ermittlung der eigentlichen Ertragsstärke eines Unternehmens. Auf Basis dieser Methode lässt sich der Unternehmenswert ableiten.

Die Anwendung der Ertragswertmethode in der Praxis

In der Praxis kann dadurch zum Beispiel ein anderes Unternehmen abschätzen, welcher Übernahmepreis gerechtfertigt ist. Auch Investoren nutzen diese Möglichkeit, um zum Beispiel den Wert einer Firmenbeteiligung zu bewerten.

Bei der Berechnung des Ertragswerts spielen vor allem die künftig zu erwartenden Gewinne eine entscheidende Rolle. Vergangenheitsbezogene Werte sind in den Augen von Investoren nicht immer aussagekräftig.

Für den Investor stellt sich die Frage, ob das Kapital im Unternehmen oder in alternativen Anlageformen besser angelegt ist. Zur Beantwortung dieser Frage soll die Berechnung des Ertragswerts helfen.

Mehr zum Thema: Die Ertragswertmethode – wie der Unternehmenswert berechnet wird

Dabei wird unterstellt, dass sich der Unternehmenswert vor allem aus der Fähigkeit des Unternehmens ableitet, auch künftig hohe Gewinne zu erwirtschaften.

Berechnung Ertragswert nach folgender Formel

Bei der Berechnung des Ertragswerts spielen zwei Faktoren die Hauptrolle: Die künftige Gewinnsituation (Jahresüberschuss) sowie der interne Zins (Kapitalisierungszinssatz).

Ertragswert = künftiger Jahresüberschuss x 100 / (geteilt durch) Kapitalisierungszins

Der künftige Jahresüberschuss wird auf Basis von Vergangenheits- und Erfahrungswerten taxiert.

Der Kapitalisierungszins setzt sich aus mehreren Zinssätzen zusammen und ergibt sich in der Regel aus Basiszinssatz, einem branchen- und unternehmensabhängigen Immobilitätszuschlag sowie einem Risikozuschlag, der in der Regel zwischen 3 und 4% beträgt.

In der Praxis beträgt der Kapitalisierungszinsfuß bei mittelständischen Firmen zwischen 7 und 10%.

Berechnung Ertragswert – ein Rechenbeispiel

Ein Unternehmen geht von einem jährlichen Überschuss von 200.000 € aus, der Kapitalisierungszins beträgt im Beispiel 10%. Dies ergibt folgende Rechnung: 200.000 x 100 / 10 = Unternehmenswert 2.000.000 €.

Der Investor wird also maximal 2,0 Mio. € für das Unternehmen bezahlen, wenn ein Zinssatz von 10% gegeben ist.

Bei einem höheren Kaufpreis wären alternative Anlageformen sinnvoller. Grundsätzlich gilt: Je höher der Kapitalisierungszins, desto niedriger wird der Unternehmenswert ausfallen und umgekehrt.

Die Bedeutung des Ertragswertes in der Praxis

In der Praxis ist das Ertragswertverfahren nur eine Methode, um den Unternehmenswert bzw. möglichen Kaufpreis eines Unternehmens zu ermitteln.

Ebenfalls von großer Bedeutung ist der Markt, in dem das Unternehmen tätig ist, sowie die aktuelle Wettbewerbssituation.

Handelt es sich um einen Zukunftsmarkt mit hohen Wachstumsraten werden selbst für Start-up-Unternehmen, die noch Verluste schreiben, exorbitante Summen bezahlt, die oft dem Vielfachen des zu erwartenden Umsatzes entsprechen.

Einen wichtigen Anhaltspunkt im Bezug auf den Unternehmenswert können dabei bereits zustande gekommene Übernahmen im gleichen Marktsegment liefern.

9. Juni 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands