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Best of Both: Bundesregierung setzt auf Verzahnung von Industrie und Start-ups

Die einen haben innovative Ideen, die anderen Geld und schlagkräftige Strukturen. Wie man beides zusammenbringt, war Thema einer Veranstaltung in Berlin.

Dort trafen sich Vertreter junger Technologiefirmen mit potenziellen Partnern aus der Industrie.

Mit dabei auch die Bundesregierung, die mit ihrer Digitalisierungsinitiative neue Wachstumsimpulse setzen will.

Stefan Kapferer, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, sieht darin auch mögliche Chancen für Privatanleger. Marcus Schult fragte, warum die Kombination aus alter und neuer Ökonomie dafür so bedeutsam ist.

Klicken Sie auf den roten, runden „Play“-Button, um das Interview zu hören.

Das komplette Interview als Textversion

GeVestor: Warumist die Kombination aus alter und neuer Ökonomie für die Digitalisierungsinitiative der Bundesregierung so bedeutsam?

Stefan Kapferer: Ich glaube, das ist deshalb so bedeutsam, weil Deutschland über eine gewachsene industrielle Struktur verfügt, die dazu beigetragen hat, dass wir aus der Wirtschafts- und Finanzkrise der letzten Jahre sehr viel schneller rausgekommen sind als andere. Aber alles wird digitalisiert.

Das betrifft nicht nur den Einzelhandel, auch viele Fertigungsprozesse werden immer digitaler. Deshalb ist die Verknüpfung zwischen der traditionellen Industrie und den neuen Start-Ups ein ganz wichtiger Erfolgsfaktor der Zukunft.

GeVestor: Wenn man sich hier umgeschaut hat auf der Konferenz, hat man den Eindruck gewonnen, es geht natürlich vor allem ums Geld. Das ist klar: Wer eine Idee hat, der muss sie umsetzen, und das kostet Geld. Gibt es dieses Geld nur bei der alten Ökonomie, oder sehen Sie dort auch Wege, dass vielleicht auch Privatanleger davon profitieren können?

Kapferer: Ich glaube, dass wir alle Formen der Finanzierung gehen müssen. Die gute Nachricht von Best of Both ist ja, dass die klassischen Industrie-Unternehmen erkannt haben, dass hier Geschäftschancen der Zukunft liegen für das eigene Unternehmen, vielleicht auch nur für eine Beteiligung an einem neuen Unternehmen.

Das ist wichtig, weil man es am Ende nicht allein über Kredite von Banken, über öffentliche Fördermittel oder über Crowdfunding wird finanzieren können. Aber auch solche Instrumente wie Crowdfunding sind natürlich für die Zukunft ein wichtiges Instrument.

GeVestor: Jetzt hat die Bundesregierung im Koalitionsvertrag gerade auch die Initiativen rund um die digitale Welt festgeschrieben und will sich dort stärker engagieren. Welche Rolle wird dort auch die private Wirtschaft spielen?

Kapferer: Um es ganz deutlich zu sagen: Unser Wirtschaftsminister wird sich demnächst zum Beispiel mit CEOs der klassischen Industrie treffen, um über das Thema „Wie sichern wir die Wettbewerbsfähigkeit in der digitalen Welt?“ zu sprechen.

Das ist ein Thema, das wir eben nicht nur mit dem Beirat der jungen digitalen Wirtschaft, den wir auch haben als Wirtschaftsministerium, besprechen, sondern auch ganz klar mit Vertretern der klassischen Industrie. Ich denke, das ist eine Erfolgsvoraussetzung.

GeVestor: Wir haben im Zuge der Finanzkrise immer davon gesprochen, dass es eine Trennung gibt zwischen der Realwirtschaft und der Finanzwirtschaft. Bietet sich nicht hier irgendwo die Verbindung zwischen beidem, zwischen der Finanzwirtschaft, den Interessen von Anlegern, die natürlich jetzt auch bei diesem Zinsniveau entsprechend interessiert sind, neue Anlageformen zu finden, und der Realwirtschaft?

Kapferer: Ich glaube, Deutschland ist der beste Beweis dafür, dass es falsch ist, zu sagen: Es gibt nur dieses oder jenes. Das ist, glaube ich, eine Erfolgsgeschichte, dass wir auf diese Realwirtschaft nie verzichtet haben. Am Ende ist es die Entscheidung von den Finanzinvestoren selbst, wo sie die besten Chancen sehen.

Aber ich glaube, es ist völlig offensichtlich: Digitale Ökonomie ist die Wachstumsbranche und das wird auch sicherlich Finanzinvestoren dazu bringen, sich hier zu engagieren.

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Stefan Kapferer, Beamteter Staatssekretär. ©Bundesregierung/Bergmann

GeVestor: Ist das eine reine Wirtschaftsgeschichte oder ist das etwas, das auch die breite Öffentlichkeit stärker beachten müsste?

Kapferer: Ich glaube, das ist natürlich nicht nur eine reine Wirtschaftsgeschichte. Die digitale Welt umfasst alle Lebensbereiche. Das, was in wirtschaftlichen Prozessen passiert, hat ganz konkrete Auswirkungen auf das Konsumverhalten, auf das Arbeitsleben der Menschen.

Insofern ist die digitale Agenda als Thema der Bundesregierung ein Thema, das auch diese gesellschaftlichen Aspekte über die wirtschaftlichen Aspekte hinaus mit berücksichtigt.

GeVestor: Also auch für Privatanleger?

Kapferer: Ich weiß jetzt nicht, ob die Privatanleger sich das im Einzelfall so anschauen. Aber wie in jeder wirtschaftlichen Branche wird es so sein, dass Investoren und Finanzanleger Angebote machen werden, die sich natürlich auch Privatanleger anschauen werden und sagen werden: „Ist das was für mich? – Vielleicht ja.“

5. Juni 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Marcus Schult. Über den Autor

Finanzen sind sein Leben: Mit dem richtigen Gespür für Wirtschaft- und Finanzthemen ausgestattet liefert der ehemalige ARD-Mann das richtige Know-How.