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Bewertung des Firmenwerts: Es ist nicht immer ganz einfach

Die Bewertung des Firmenwertes scheint auf den ersten Blick eine einfache Sache.

Jedoch gibt es einige kaum zu berechnende Unwägbarkeiten, wenn der Firmenwert festgelegt werden soll. Dies liegt daran, dass der Firmenwert ein immaterieller Wert ist, für den also keine exakten Wiederbeschaffungskosten beziffert werden können.

Bewertung des Firmenwerts nach HGB

Nach der Definition des Handelsgesetzbuches (HGB) ist der Firmenwert recht einfach zu beurteilen. In Paragraph 252, Paragraph 5, Absatz 2 EStG ist das geregelt: Als Firmenwert gilt der Mehrwert, der den Substanzwert abzüglich der Schulden übersteigt.

Diese Formulierung beinhaltet 3 Gruppen. Die Schulden, ein sehr einfach zu überblickender Punkt in der Bewertung. Hier gilt es, einfach alle offenen Verbindlichkeiten zum Zeitpunkt der Bewertung aufzurechnen. Bei längerfristigen Zahlungsplänen oder laufenden Leasingverträgen sind diese auf den Bewertungszeitraum abzuzinsen. Die Abzinsungsfaktor-Formel: Vom Zukünftigen ins Jetzt rechnen

Substanzwert und Firmenwert

Der Substanzwert eines Unternehmens setzt sich aus den vorhandenen Vermögenswerten zusammen. Das heißt, hier sind Immobilienwerte, Barvermögen, Zeitwert von Produktionsmaschinen, ausstehende Forderungen und ähnliches mit einzurechnen.

Mehrwert und Firmenwert

Werden nun vom ermittelten Substanzwert die vorhandenen Schulden abgezogen, erhält man eine Summe, die als Firmenwert festgelegt werden könnte. Allerdings wird ein Kaufpreis so gut wie nie diese Marke treffen.

In den meisten Fällen wird der Kaufpreis erheblich über diesem Wert liegen. Dieser überschreitende Betrag ist der Mehrwert (er wird auch als Goodwill bezeichnet).

In einigen Fällen kann allerdings auch ein Kaufpreis, also ein Firmenwert, vereinbart werden, der unterhalb des Firmenvermögens abzüglich der Schulden liegt. Dies wird dann als Badwill bezeichnet. Negativer Firmenwert: Erklärung und Bedeutung

Warum ist Goodwill bei der Bewertung des Firmenwerts wichtig?

Diese Frage hat mehr als nur eine Antwort.

Zunächst sind die Beweggründe für einen Verkauf einer Firma ein wesentlicher Punkt.

Man kann sich leicht vorstellen, dass ein Handwerker, der seinen Betrieb über Jahrzehnte hinweg selbst aufgebaut hat und nun einen Verkauf in Betracht zieht (allerdings keinerlei Zeitdruck dabei hat), einen recht hohen „Aufpreis“ für sein Lebenswerk haben will. Hier würden schon rein sentimentale Gründe dazu führen, dass ein Interessent am Unternehmen einen etwas höheren Goodwill in Kauf nehmen muss.

Anders sieht es aus, wenn ein Investor sich einfach verspekuliert hat und ein zugekauftes Unternehmen wieder abstoßen will. Oder auch, wenn (gar nicht so selten der Fall) eine private finanzielle Schieflage des Unternehmers diesen zum Verkauf nötigt. Dies wären Beispiele, in denen ein Badwill denkbar wäre.

Es gibt allerdings auch handfeste Gründe, die einen Aufschlag im Kaufpreis rechtfertigen. Hierzu zählen unter anderem eine langjährige und solide Kundenstruktur, gut ausgebildetes Personal, besondere Konditionen bei Zulieferern und gerade bei Firmen mit einem bekannten und guten Namen die Fortführung und Übernahme desselbigen.

Bewertung des Firmenwerts ist auch Verhandlungssache

Die Bewertung des Firmenwerts beruht also nicht nur auf harten Fakten, sondern zu einem großen Teil auch auf Schätzwerten und Emotionen. Hier ist es verständlich, dass die Ansichten von Käufer und Verkäufer eines Unternehmens nicht immer ganz übereinstimmen.

Dann gilt es, die von jeder Partei ermittelten Bewertungen miteinander zu vergleichen und im Dialog einen Mittelweg zu finden.

16. August 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rüdiger Dalchow. Über den Autor

Seit 1995 ist er selber aktiv an den Märkten tätig und hat dabei sowohl Hochs als auch Tiefs erlebt. Aus dieser Erfahrung heraus ist es sein Ziel, dem privaten Anleger oftmals zu kompliziert dargestellte Zusammenhänge an der Börse möglichst einfach, aber dennoch effektiv näherzubringen. Seit 2011 führt sein Blog www.aktienhandel-einsteiger.de mit interessanten Fachartikeln und Interviews durch das Aktiendickicht.