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Bilanz-Serie: Die ersten wichtigen Kennzahlen für Aktienanleger im Überblick

Eine Zahl kann mehr als tausend Worte sagen. Unter diesem Motto steht die heutige Ausgabe. Kürzlich habe ich Ihnen über die Value-Strategie berichtet, mit der Investoren wie Warren Buffett seit Jahrzehnten überdurchschnittliche Erfolge erzielen. Wichtiger Grundstein dieser Anlagestrategie ist die sogenannte Fundamentalanalyse, mit der eine mögliche Unterbewertung einer Aktie aufgedeckt werden soll.

Zur Erinnerung: Von einer unterbewerteten Aktie sprechen Value-Anleger dann, wenn der fundamentale Wert einer Aktie geringer ist als der aktuelle Börsenwert dieser Aktie. Die fundamentale Aktienanalyse versucht mit der Berechnung von Kennzahlen, einzelne für die Bewertung von Aktien wichtige Kriterien auf den Punkt zu bringen. Mit möglichst einer einzigen Kennzahl sollen bestimmte Eigenschaften eines Unternehmens dargestellt werden.

Diese Kennzahlen messen vor allem Kapital- und Vermögensstruktur, Liquidität und Rentabilität von Aktiengesellschaften. Wichtig dabei ist, dass Sie immer beachten, dass es länder- und branchenspezifische Besonderheiten gibt. Deshalb können länder- und branchenübergreifende Analysen nicht immer 1:1 miteinander verglichen werden.

Entscheidend ist letztlich auch nicht, ob jede einzelne Kennzahl sehr gut ist, sondern, dass das fundamentale Gesamtbild sehr gut ist. Um Sie in die Lage zu versetzen, künftig selbst (zumindest eine grobe) fundamentale Einschätzung eines Unternehmens vornehmen zu können, werde ich Ihnen heute im ersten Teil unserer neuen Serie rund um Bilanzen und Bilanzkennzahlen die ersten Bilanzkennzahlen samt Musterrechnung vorstellen.

Kapitalstruktur und Eigenkapitalquote

Eine überaus wichtige Kennzahl zur Messung der Kapitalstruktur ist die Eigenkapitalquote (EK-Quote). Diese Quote drückt den Anteil des Eigenkapitals an der Bilanzsumme aus. Das Eigenkapital wiederum ist die Summe aus gezeichnetem Kapital und Rücklagen – also das Geld, das auch dem Unternehmen gehört und nicht geliehen werden muss. Die Formel zur Berechnung sieht wie folgt aus:

Eigenkapital

———————— x 100 = EK-Quote (in %)

Bilanzsumme

Ein konkretes Zahlenbeispiel: Ein Unternehmen hat ein gezeichnetes Kapital von 2.000.000 Euro, Rücklagen in Höhe von 200.000 Euro und eine Bilanzsumme von 4.000.000 Euro. Die Berechnung sieht dann wie folgt aus:


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(2.000.000 + 200.000)

————————— x 100 = 55%

4.000.000

Das Eigenkapital ist bei einer Aktiengesellschaft das von den Aktionären zur Verfügung gestellte Kapital. Daher haben Sie als Aktionär einen Anspruch auf den anteiligen Gewinn des Unternehmens. Sehr wichtig für Sie als Anleger: Je höher die Eigenkapitalquote, desto weiter ist ein Unternehmen von einem Konkurs wegen Überschuldung entfernt.

Zudem ist ein Unternehmen mit einer höheren Eigenkapitalquote weniger abhängig von Banken als eines mit einer niedrigen Eigenkapitalquote. Eine sehr niedrige Eigenkapitalquote (unter 10 bis 20% der Bilanzsumme) ist ein relativ zuverlässiges Zeichen für ernste wirtschaftliche Schwierigkeiten eines Unternehmens.

Allerdings wird die Beurteilung der Eigenkapitalquote dadurch erschwert, dass eine optimale Eigenkapitalquote nicht für alle Unternehmen gleich ist. Sie sollten daher stets die EK-Quote des von Ihnen begutachteten Unternehmens mit der durchschnittlichen EK-Quote der Branche, in der das Unternehmen tätig ist, vergleichen.

Im Finanzsektor zum Beispiel sind niedrige Quoten normal, während in der Softwarebranche hohe EKQuoten üblich sind. Es kann jedoch auch innerhalb der Branchen größere Abweichungen geben, ohne dass dies zwingend ein Alarmzeichen sein muss. Wichtig ist auch stets die Entwicklung der EK-Quote im zeitlichen Verlauf.

Vermögensstruktur und Anlagenintensität

Die Kapitalstruktur bezieht sich auf die Passivseite der Bilanz. Man spricht im Zusammenhang mit der Passivseite auch von der Mittelherkunft. Die Passivseite der Bilanz gibt also die Antwort auf die Frage, wo das Kapital des Unternehmens herkommt. Die Vermögensstruktur bezieht sich auf die Aktivseite der Bilanz, die die Mittelverwendung darstellt und somit die Frage nach der Verwendung des auf der Passivseite dargestellten Kapitals beantwortet.

Die wichtigste Kennzahl hinsichtlich der Vermögensstruktur ist die Anlagenintensität, die das Anlagevermögen in Relation zur Bilanzsumme setzt. Die Formel zur Berechnung sieht wie folgt aus:

Anlagevermögen

-G–e–s-a-m—t-v-e-r-m—ö-g–e-n- x 100 = Anlagenintensität (in %)

Zu beachten ist auch bei dieser Bilanzkennzahl, dass es in jeder Branche eine mehr oder weniger typische oder optimale Aufteilung des Vermögens in Anlagevermögen und Umlaufvermögen gibt. Zum Anlagevermögen zählen z. B. Maschinen und Fabrikanlagen. Typische Bestandteile des Umlaufvermögens sind beispielsweise Vorräte an Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen oder Handelswaren.

Ein überdurchschnittliches Umlaufvermögen bei den Vorprodukten lässt auf schlechtes Lagermanagement schließen und ein zu hoher Bestand an Fertigprodukten auf Absatzschwierigkeiten. Eine Ursache für zu geringe Bestände im Umlaufvermögen kann Kapitalmangel sein. Dadurch kann im Extremfall die Möglichkeit bestehen, dass nicht kontinuierlich produziert werden kann, weil Vorprodukte fehlen.

Die Kapital-Vermögens-Struktur

Bei der Analyse der Kapital-Vermögens-Struktur werden sowohl die Aktiv- als auch die Passivseite der Bilanz berücksichtigt. Die in dem Zusammenhang maßgebliche Kennzahl ist der Anlagendeckungsgrad (ADG). Der Anlagendeckungsgrad setzt das Eigenkapital in Relation zum Anlagevermögen. Die Berechnung sieht dann wie folgt aus:

Eigenkapital

——————— x 100 = ADG (in %)

Anlagevermögen

Mit Hilfe des Anlagendeckungsgrades soll ermittelt werden, ob das langfristig gebundene Kapital (also das Anlagevermögen) auch langfristig finanziert ist. Denn im Gegensatz zum Umlaufvermögen kann das in Maschinen, Immobilien oder Ähnlichem gebundene Anlagevermögen nicht kurzfristig zu Geld gemacht werden, ohne den Unternehmensfortbestand zu gefährden.

Der Anlagendeckungsgrad sollte laut Faustregel bei mindestens 100% liegen. Eine Abweichung nach unten ist nicht zwangsläufig ein K.O.-Kriterium. Jedoch sollte in einem solchen Fall die künftige Entwicklung sehr aufmerksam verfolgt werden, damit Sie erkennen können, ob die Abweichung womöglich einen längerfristigen Trend einleitet.

12. September 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.