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Bilanzanalyse: Diese Maßnahmen bewertet die Bank kritisch

Für die Bank gilt es, im Rahmen der Bilanzanalyse zu klären, ob und inwieweit die bilanzierten Posten der Realität entsprechen und ob sich daraus Ausfallrisiken für die Kredite ergeben können.

Dass Banken dabei eine kritische Betrachtungsweise anwenden, ist nicht verwunderlich.

Bilanzanalyse: Dann wird die Bank misstraurisch

Banken sind bei der Bilanzanalyse zur Sorgfalt verpflichtet, denn Bilanzwerte bilden – neben der Zukunftsfähigkeit – die entscheidende Grundlage für eine Kreditgewährung und dessen Rückzahlung, und werden den Banken hin und wieder „geschönte“ Bilanzen untergeschoben, so dass Banker zu Recht kritisch sind.

Wenn:

  • Ihr Bilanzergebnis immer um den Nullpunkt schwankt,
  • wenn Sie erst durch aktivierte Eigenleistungen zu Gewinnen kommen,
  • wenn über drei oder vier Jahre Ihre Bestände ständig steigen, ohne dass Ihr Umsatz im gleichen Ausmaß wächst,

vermutet Ihre Bank „Bilanzkosmetik“.

Das vermutet man, wenn sich eine ungleichmäßige Entwicklung zwischen halbfertigen Arbeiten und den darauf erfolgten Anzahlungen ergibt, und wenn Sie Ihre Roherträge in schwierigem Konkurrenzumfeld ständig verbessern,

Bewertungsmaßnahmen, die die Aktiva der Bilanz betreffen, können dazu führen, dass Vermögenswerte ausgewiesen werden, deren Wert tatsächlich niedriger anzusetzen ist.

Die Banken beobachten deshalb die folgenden Bewertungsmaßnahmen entsprechend kritisch:

Aktivierung von Eigenleistungen

Eine besonders „beliebte“ kosmetische Maßnahme ist aus Sicht der Banker, dass Gegenstände des Anlagevermögens selbst erstellt und relativ hoch bewertet werden.

Was weiter nicht auffällt, da diese Gegenstände nicht zum Verkauf anstehen, so dass ein niedrigerer Verkaufswert die Manipulation offen legen würde.

Oder: Es werden Formen, die für die Produktion benötigt werden, selbst hergestellt, aktiviert und langfristig abgeschrieben, obwohl sie auftragsbezogen eingesetzt und für andere Aufträge nicht genutzt werden können.

Wenn Sie Eigenleistungen aktivieren, sollten Sie Ihrer Bank bereits in den schriftlichen Bilanzerläuterungen, spätestens jedoch beim Bilanzgespräch Einzelheiten darstellen, aus denen sie ersehen kann, dass Sie realistische Wertansätze bilanziert haben.


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Abschreibungen

Abschreibungszeiten werden verlängert oder es wird auf die Inanspruchnahme von Sonderabschreibungen oder auf die Möglichkeiten der degressiven Abschreibungsmethode verzichtet, um das Betriebsergebnis zu erhöhen.

Erwägen Sie solche Maßnahmen nicht, die Bank berechnet ohnehin den Cash-Flow (vereinfachte Berechnung: Gewinn + Abschreibungen) und deckt damit die praktizierte Bewertungsmethode sofort auf.

Im Rahmen von Rating wird nämlich nicht nur die Umsatzrendite bewertet, es kommt vielmehr auf den Cash-Flow an.

Bewertungsmaßnahmen, die Banken sorgfältig beobachten

Es gibt eine Reihe weiterer Bewertungs- und Gestaltungsmaßnahmen, die Banken sorgfältig beobachten. Beispielsweise, wenn

  • notwendige Instandhaltungs- oder Reparaturarbeiten zeitlich verzögert oder ganz unterlassen werden
  • Gewinnausschüttungen zeitlich verzögert werden, also deren Verbuchung erst in der nächsten Bilanz erfolgt, so dass in der laufenden Bilanz ein höherer Eigenkapitalausweis erfolgt
  • Anlageverkäufe vorgezogen werden, um die Verbesserung noch in der laufenden Bilanz auszuweisen
  • Pensionsgeschäfte getätigt werden. Beispiel: Schwer verkäufliche Waren werden vor dem Bilanzstichtag mit der vertraglichen Verpflichtung veräußert, sie nach dem Bilanzstichtag wieder zurückzukaufen. Gleiches gilt für uneinbringliche Forderungen.
  • Eigenkapital kurz vor dem Bilanzstichtag durch Einlagen künstlich erhöht wird und die Einlagen kurz nach dem Bilanzstichtag wieder abgezogen werden.
  • Noch gravierender: Dieser Effekt wird dadurch erzielt, dass der Inhaber oder Gesellschafter für diese Transaktion einen Privatkredit aufnimmt.

Verzichten Sie auf Bilanzkosmetik

Lassen Sie bei Ihren Banken keinesfalls den Eindruck aufkommen, Sie würden Bilanzkosmetik betreiben und Bewertungen praktizieren, die nicht den tatsächlichen wirtschaftlichen Gegebenheiten entsprechen.

Geben Sie Ihren Banken deshalb offen über Ihre Bewertungspraxis Auskunft. Sie schaden sich selbst mit bilanzkosmetischen Maßnahmen, da die Banken Ihnen Vertrauen entziehen und Ihre Kreditanträge besonders kritisch prüfen.

Manipulationen, die die Bank kennt

Die Banken kennen im Regelfall die „Tricks“, die Kreditnehmer anwenden, um ihre Zahlen in ein besseres Licht zu rücken.

Hier einige Punkte, die von den Banken beobachtet und meist auch erkannt werden:

  • Forderungen an Gesellschafter werden in der Position „sonstige Forderungen“ versteckt, da die Bankanalysten regelmäßig die Forderungen an Gesellschafter vom Eigenkapital absetzen.
  • Wertpapiere, deren Kurse gefallen sind, werden, um eine entsprechende Abwertung zu vermeiden, vom Umlaufvermögen ins Anlagevermögen übernommen, da dort das Niederstwertprinzip nicht gilt und die Papiere weiterhin zum Anschaffungspreis bilanziert werden können.
  • Erträge aus derAuflösung von Wertberichtigungenoder aus der Auflösung von Rückstellungen werden in den „sonstigen Erträgen“ verpackt, damit die Bank sie nicht als außerordentliche Erträge klassifiziert und entsprechend beim laufenden Ergebnis korrigiert.
  • Die Bilanzgliederung wird stark zusammengefasst, um keine aufschlussreichen Einzelpositionen auszuweisen. Diese Maßnahme führt im Regelfall dazu, dass die Bank nach den Inhalten der jeweiligen Positionen fragt.

Checkliste: Transparente Bilanzpolitik

  • Falls Ihr Warenbestand von Jahr zu Jahr steigt, sollten Sie Ihrer Bank dafür eine logische Erklärung geben.
  • Erläutern Sie Ihrer Bank, aus welchen Gründen Sie eine permanente Rohertragssteigerung erreichen.
  • Machen Sie die Bewertung Ihres Warenbestands transparent, indem Sie die Altersstruktur und die entsprechenden Bewertungsabschläge offen legen.
  • Nehmen Sie in Ihre Bilanzerläuterungen einen Hinweis über den Zahlungseingang Ihrer Kundenforderungen auf.
  • Wenn Sie Eigenleistungen aktivieren, sollten Sie dokumentieren, dass es sich dabei um realistische Werte handelt.
  • Halten Sie sich an den Grundsatz, Kosten nicht zu aktivieren.
  • Geben Sie Ihren Banken auf Fragen über die von Ihnen angewandte Bewertungspraxis Auskunft.
  • Wenn es sachliche Gründe für einen vom Kalenderjahr abweichenden Bilanzierungstermin gibt, sollten Sie Ihre Gründe den Banken erläutern.
  • Setzen Sie keine Bilanzkosmetik ein, die bei Ihren Banken den Eindruck der Manipulation aufkommen lässt, da Sie durch solche Maßnahmen das Vertrauen Ihrer Banken verlieren.
  • Die Banken unterscheiden zwischen einem „konservativen“ und einem „progressiven“ Bilanzierungsverhalten. Konservativ bilanzieren Sie, wenn Sie alle Möglichkeiten nutzen, um sich „ärmer“ zu rechnen. Progressiv bilanzieren Sie, wenn Sie Ihr Unternehmen „reicher“ rechnen, indem Sie Abschreibungen und Rückstellungen nur geringfügig ausnutzen.
  • Sofern Sie Ihre Kundenforderungen kreditversichert haben, sollten Sie dies Ihrer Bank gegenüber offen legen.

30. Januar 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.