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Bilanzserie Teil 2: Die wichtigsten Kennzahlen für Aktienanleger im Überblick

Hier finden Sie den 2. Teil unserer Bilanzserie. Nachdem ich mich im 1. Teil der Serie der Kapital- und Vermögensstruktur von Unternehmen gewidmet habe, liegt der Schwerpunkt heute auf der Liquidität und der Rentabilität von Unternehmen.

Zur Erinnerung: Die Bilanzserie soll Ihnen die praktische Vorgehensweise von Value-Anlegern aufzeigen und Ihnen dabei helfen, selbst nach den Prinzipien der Value-Schule Anlageentscheidungen treffen zu können.

Berechnung und Bedeutung von Liquiditätskennzahlen

In der fundamentalen Unternehmensanalyse wird in erster Linie zwischen 3 verschiedenen Liquiditätskennzahlen unterschieden. Diese unterscheiden sich allerdings nur im Detail voneinander.

Das Ziel der Liquiditätsanalyse eines Unternehmens durch Bildung und Interpretation von Liquiditätskennzahlen ist vor allem, die Erkenntnis darüber zu gewinnen, ob das Unternehmen über die flüssigen Mittel verfügt, die erforderlich sind, um in naher Zukunft alle Zahlungsverpflichtungen erfüllen zu können.

Das bedeutet vereinfacht gesagt: Man versucht herauszufinden, ob alle kurzfristigen Schulden bzw. Zahlungsverpflichtungen durch flüssige finanzielle Mittel gedeckt werden können. Dies ist deshalb wichtig, weil ein Mangel an Liquidität neben der Überschuldung die zweite Ursache für eine Insolvenz sein kann.

Die Formel zur Berechnung der Liquidität 1. Grades (die erste der drei Liquiditätskennzahlen) lautet:

flüssige Mittel

———————————- x 100 = Liquidität ersten Grades (in %)

kurzfristige Verbindlichkeiten

Unter dem Punkt flüssige Mittel sind der Kassenbestand und die sonstigen sofort verfügbaren Finanzmittel zu verstehen. Flüssige Mittel entsprechen der aktiven Bilanzposition B.IV. „Kassenbestand, Schecks, Guthaben bei Kreditinstituten“. Kurzfristige Verbindlichkeiten sind (in diesem Zusammenhang) alle Schulden, die innerhalb von weniger als einem Jahr zurückgezahlt werden müssen.

Bei der Liquidität 2. Grades teilt man die flüssigen Mittel und die kurzfristigen Forderungen durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten. Im Unterschied zur Liquidität 1. Grades werden also die flüssigen Mittel um die Forderungen erweitert, die kurzfristig (innerhalb maximal eines Jahres) zu einem Zahlungseingang führen sollen.

Die Liquidität 2. Grades sollte in einem Bereich zwischen 100 und 120% liegen. Eine Abweichung nach oben ist deutlich weniger problematisch zu sehen als eine Abweichung nach unten. Bei der Liquidität 3. Grades werden zu den flüssigen Mitteln und den kurzfristigen Forderungen noch die Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe gezählt und durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten geteilt.

Der Grund ist, dass Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe im Extremfall kurzfristig zu Geld gemacht werden können. Diese 3. Liquiditätskennzahl ist aber nur „im Notfall“ zu betrachten und auch nur dann relevant.

Die wichtigsten Rentabilitätskennzahlen

Die Analyse der Kapital- und Vermögensstruktur eines Unternehmens und dessen Liquiditätslage liefert Ihnen als Aktionär wichtige Entscheidungshilfen, ob Sie die Aktie des Unternehmens kaufen, halten oder verkaufen sollten. Noch etwas bedeutsamer sind die Kennzahlen, die die Rentabilität einer Aktiengesellschaft widerspiegeln. Nur eine Aktie von einem rentablen Unternehmen ist auf Dauer ein gutes Investment.

Unter rentabel ist in diesem Zusammenhang ein dem Kapitaleinsatz angemessener Gewinn zu verstehen. Bei der Analyse der Rentabilität wird der Gewinn des Unternehmens beispielsweise in Relation zum Gesamtkapital, zum Eigenkapital oder zum Umsatz gesetzt. Alle 3 daraus resultierenden Kennzahlen können interessante Ergebnisse liefern.

Die Gesamtkapitalrendite

Bei der Berechnung der Gesamtkapitalrentabilität werden neben dem Gewinn auch die gezahlten Zinsen berücksichtigt. Die Formel lautet:

JÜ + Zinsaufwand

——————– x 100 = Gesamtkapitalrendite (in %)

Gesamtkapital

JÜ steht in der Formel für Jahresüberschuss. Die Kennzahl Gesamtkapitalrentabilität gibt an, wie rentabel das Gesamtkapital des Unternehmens eingesetzt wurde. Die Gesamtkapitalrentabilität sollte höher als der durchschnittliche Zinssatz sein, der für das Fremdkapital gezahlt werden muss. Ansonsten hat das Unternehmen Fremdkapital aufgenommen, ohne dass es Investitionsmöglichkeiten gab, die nach Abzug der Zinsen einen Gewinn abwarfen.

Die Eigenkapitalrendite

Bei der Berechnung der Eigenkapitalrendite werden der Gewinn und das Eigenkapital in Relation gesetzt. Diese Kennzahl gibt an, wie rentabel das von den Aktionären zur Verfügung gestellte Eigenkapital vom Unternehmen eingesetzt wurde. Die entsprechende Formel sieht folgendermaßen aus:


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Jahresüberschuss

———————- x 100 = Eigenkapitalrendite (in %)

Eigenkapital

Die Eigenkapitalrendite sollte höher sein als die Gesamtkapitalrendite, da das Eigenkapital primär das Risiko des Unternehmens trägt – und somit Sie als Aktionär und Eigenkapitalgeber.

Für dieses höhere Risiko verdient das Eigenkapital bzw. der Aktionär als Eigenkapitalgeber gegenüber den sicheren Zinsen für Fremdkapital eine Risikoprämie. Darin liegt übrigens auch der finanztheoretische Grund für die langfristig höhere Rendite von Aktien gegenüber festverzinslichen Wertpapieren.

Die Nettoumsatzrendite

Zur Beurteilung des operativen Geschäfts können verschiedene Kennzahlen angesetzt werden. Es können beispielsweise der operative Gewinn (EBIT) oder der Jahresüberschuss ins Verhältnis zum Umsatz gesetzt werden. Für Sie als Aktionär ist aber auch die Nettoumsatzrendite von entscheidender Bedeutung, da in dieser Zahl neben den operativen Ergebnissen des Unternehmens auch der Zinsaufwand und die Steuerbelastung enthalten sind.

Bei der Berechnung der Nettoumsatzrendite wird der Jahresüberschuss in Relation zum Umsatz gesetzt. Die Formel lautet:

Jahresüberschuss

———————- x 100 = Nettoumsatzrendite (in %)

Umsatz

Für die Höhe der Nettoumsatzrentabilität gibt es keine allgemein verbindliche Anforderung, wie es beispielsweise bei der Gesamt- oder der Eigenkapitalrentabilität der Fall ist. Ausblick: Nachdem ich Ihnen in den ersten beiden Teilen dieser Serie die im Rahmen der Bilanzanalyse wichtigsten Kennzahlen vorgestellt habe, werde ich Ihnen im nächsten Teil die beiden Seiten (Aktiv- und Passivseite) einer Bilanz näherbringen.

Heute finden Sie hier den 2. Teil unserer Bilanzserie. Nachdem ich mich vor 2 Wochen (im 1. Teil der Serie) an dieser Stelle der Kapital- und Vermögensstruktur von Unternehmen gewidmet habe, liegt der Schwerpunkt heute auf der Liquidität und der Rentabilität von Unternehmen.

Zur Erinnerung: Die Bilanzserie hier soll Ihnen die praktische Vorgehensweise von Value-Anlegern aufzeigen und Ihnen dabei helfen, selbst nach den Prinzipien der Value-Schule Anlageentscheidungen treffen zu können.

Berechnung und Bedeutung von Liquiditätskennzahlen

In der fundamentalen Unternehensanalyse wird in erster Linie zwischen 3 verschiedenen Liquiditätskennzahlen unterschieden. Diese unterscheiden sich allerdings nur im Detail voneinander.

Das Ziel der Liquiditätsanalyse eines Unternehmens durch Bildung und Interpretation von Liquiditätskennzahlen ist vor allem, die Erkenntnis darüber zu gewinnen, ob das Unternehmen über die flüssigen Mittel verfügt, die erforderlich sind, um in naher Zukunft alle Zahlungsverpflichtungen erfüllen zu können.

Das bedeutet vereinfacht gesagt: Man versucht herauszufinden, ob alle kurzfristigen Schulden bzw. Zahlungsverpflichtungen durch flüssige finanzielle Mittel gedeckt werden können. Dies ist deshalb wichtig, weil ein Mangel an Liquidität neben der Überschuldung die zweite Ursache für eine Insolvenz sein kann.

Die Formel zur Berechnung der Liquidität 1. Grades (die erste der drei Liquiditätskennzahlen) lautet:

flüssige Mittel

———————————- x 100 = Liquidität ersten Grades (in %)

kurzfristige Verbindlichkeiten

Unter dem Punkt flüssige Mittel sind der Kassenbestand und die sonstigen sofort verfügbaren Finanzmittel zu verstehen. Flüssige Mittel entsprechen der aktiven Bilanzposition B.IV. „Kassenbestand, Schecks, Guthaben bei Kreditinstituten“. Kurzfristige Verbindlichkeiten sind (in diesem Zusammenhang) alle Schulden, die innerhalb von weniger als einem Jahr zurückgezahlt werden müssen.

Bei der Liquidität 2. Grades teilt man die flüssigen Mittel und die kurzfristigen Forderungen durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten. Im Unterschied zur Liquidität 1. Grades werden also die flüssigen Mittel um die Forderungen erweitert, die kurzfristig (innerhalb maximal eines Jahres) zu einem Zahlungseingang führen sollen.

Die Liquidität 2. Grades sollte in einem Bereich zwischen 100 und 120% liegen. Eine Abweichung nach oben ist deutlich weniger problematisch zu sehen als eine Abweichung nach unten. Bei der Liquidität 3. Grades werden zu den flüssigen Mitteln und den kurzfristigen Forderungen noch die Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe gezählt und durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten geteilt.

Der Grund ist, dass Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe im Extremfall kurzfristig zu Geld gemacht werden können. Diese 3. Liquiditätskennzahl ist aber nur „im Notfall“ zu betrachten und auch nur dann relevant.

Die wichtigsten Rentabilitätskennzahlen

Die Analyse der Kapital- und Vermögensstruktur eines Unternehmens und dessen Liquiditätslage liefert Ihnen als Aktionär wichtige Entscheidungshilfen, ob Sie die Aktie des Unternehmens kaufen, halten oder verkaufen sollten. Noch etwas bedeutsamer sind die Kennzahlen, die die Rentabilität einer Aktiengesellschaft widerspiegeln.

Nur eine Aktie von einem rentablen Unternehmen ist auf Dauer ein gutes Investment. Unter rentabel ist in diesem Zusammenhang ein dem Kapitaleinsatz angemessener Gewinn zu verstehen. Bei der Analyse der Rentabilität wird der Gewinn des Unternehmens beispielsweise in Relation zum Gesamtkapital, zum Eigenkapital oder zum Umsatz gesetzt. Alle 3 daraus resultierenden Kennzahlen können interessante Ergebnisse liefern.

Die Gesamtkapitalrendite

Bei der Berechnung der Gesamtkapitalrentabilität werden neben dem Gewinn auch die gezahlten Zinsen berücksichtigt. Die Formel lautet:

JÜ + Zinsaufwand

——————– x 100 = Gesamtkapitalrendite (in %)

Gesamtkapital

JÜ steht in der Formel für Jahresüberschuss. Die Kennzahl Gesamtkapitalrentabilität gibt an, wie rentabel das Gesamtkapital des Unternehmens eingesetzt wurde. Die Gesamtkapitalrentabilität sollte höher als der durchschnittliche Zinssatz sein, der für das Fremdkapital gezahlt werden muss.

Ansonsten hat das Unternehmen Fremdkapital aufgenommen, ohne dass es Investitionsmöglichkeiten gab, die nach Abzug der Zinsen einen Gewinn abwarfen.

Die Eigenkapitalrendite

Bei der Berechnung der Eigenkapitalrendite werden der Gewinn und das Eigenkapital in Relation gesetzt. Diese Kennzahl gibt an, wie rentabel das von den Aktionären zur Verfügung gestellte Eigenkapital vom Unternehmen eingesetzt wurde. Die entsprechende Formel sieht folgendermaßen aus:

Jahresüberschuss

———————- x 100 = Eigenkapitalrendite (in %)

Eigenkapital

Die Eigenkapitalrendite sollte höher sein als die Gesamtkapitalrendite, da das Eigenkapital primär das Risiko des Unternehmens trägt – und somit Sie als Aktionär und Eigenkapitalgeber. Für dieses höhere Risiko verdient das Eigenkapital bzw. der Aktionär als Eigenkapitalgeber gegenüber den sicheren Zinsen für Fremdkapital eine Risikoprämie. Darin liegt übrigens auch der finanztheoretische Grund für die langfristig höhere Rendite von Aktien gegenüber festverzinslichen Wertpapieren.

Die Nettoumsatzrendite

Zur Beurteilung des operativen Geschäfts können verschiedene Kennzahlen angesetzt werden. Es können beispielsweise der operative Gewinn (EBIT) oder der Jahresüberschuss ins Verhältnis zum Umsatz gesetzt werden. Für Sie als Aktionär ist aber auch die Nettoumsatzrendite von entscheidender Bedeutung, da in dieser Zahl neben den operativen Ergebnissen des Unternehmens auch der Zinsaufwand und die Steuerbelastung enthalten sind.

Bei der Berechnung der Nettoumsatzrendite wird der Jahresüberschuss in Relation zum Umsatz gesetzt. Die Formel lautet:

Jahresüberschuss

———————- x 100 = Nettoumsatzrendite (in %)

Umsatz

Für die Höhe der Nettoumsatzrentabilität gibt es keine allgemein verbindliche Anforderung, wie es beispielsweise bei der Gesamt- oder der Eigenkapitalrentabilität der Fall ist. Ausblick: Nachdem ich Ihnen in den ersten beiden Teilen dieser Serie die im Rahmen der Bilanzanalyse wichtigsten Kennzahlen vorgestellt habe, werde ich Ihnen im nächsten Teil die beiden Seiten (Aktiv- und Passivseite) einer Bilanz näherbringen.

26. September 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.