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Bodo Schnabel und der schöne Schein

Der Schein trügt: Die am Neuen Markt als Topwert gehandelte Firma Comroad von Bodo Schnabel war nichts weiter als eine Betrugsmasche großen Ausmaßes. Rund 95% der Geschäftstätigkeit der Firma waren frei erfunden.

So lag der Börsenwert zeitweilig bei 1,2 Milliarden Euro – und Anleger, Banken sowie Wirtschaftsprüfer investierten weiter.

Bodo Schnabel: Mehr Schein als Sein

Die Firma Comroad wurde von Bodo Schnabel zur Herstellung von Telematik-Systemen und Navigationsgeräten für Fahrzeuge gegründet. Am Neuen Markt in Deutschland gehörte das Unternehmen schnell zu den top gehandelten Titeln.

Doch fast alle Geschäftsvorfälle waren frei erfunden. Angebliche Geschäfte tätigte Comroad mit einer weiteren Scheinfirma in Hongkong, zahlreiche erfundene Umsatzsteigerungen wurden veröffentlicht. Dies führte zu einem rasanten Kursanstieg der Aktie, die dadurch massiv überbewertet war.

Erst 2002 wurde öffentlich, dass das Unternehmen seit 1998 Scheingeschäfte tätigte. Vom angegebenen Umsatz von 93 Millionen € im Jahr 2001 waren 90 Millionen € frei erfunden. Bodo Schnabel wurde 2002 verhaftet und wegen Kursbetrugs, Insiderhandels und gewerbsmäßigen Betrugs zu 7 Jahren Haft verurteilt.

Kurze Haftzeit und kein Schadensersatz

Die Euphorie am Neuen Markt hinsichtlich neuer Werte habe der Manipulation Tür und Tor geöffnet, so die Richter zu ihrem für manche recht milden Urteil. Die Täuschung wäre Schnabel sehr leicht gemacht worden. Keiner fragte genauer nach, wenn von einem neuen erfolgreichen Geschäftsmodell die Rede war. Vor allem nicht, wenn Begriffe wie „Computer“ oder „Technik“ fielen.

Einen Teil der Haftstrafe saß Schnabel ab, 2005 kam er wieder auf freien Fuß und konnte sich eine neue Existenz aufbauen. Er gründete in Hongkong ein neues Unternehmen und nimmt wieder am Geschäftsleben teil. Eine Geldstrafe wurde auch vereinbart: 20 Millionen € musste Schnabel aus seinem Privatvermögen an den Staat zahlen.

Die Anleger gingen zunächst leer aus. Sie mussten in Nachfolgeprozessen um ihr Geld kämpfen – teilweise erfolgreich, oft wurde die Klage jedoch auch abgewiesen. Die Beweislast, dass eine ganz bestimmte Meldung von Comroad zum Kauf der Aktie führte, lag bei den Klägern und war schwer nachzuweisen.

Täuschung aller Beteiligten

Nicht nur Privatanleger ließen sich von der Scheinwelt des Bodo Schnabel einfangen – auch Banken und Wirtschaftsprüfer durchschauten die Betrugsmasche der Leerbuchungen nicht.

Erst 2002 kündigte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ihre Zusammenarbeit mit Comroad auf. Sie hatte mittlerweile erheblichen Zweifel an den vorgelegten Zahlen der Firma. Das Vertrauen der Märkte war erschüttert, der Aktienkurs brach ein.

Die Banken, die sich auf Comroad einließen und somit erst an die Börse brachten, blieben unbehelligt. Sie mussten sich allenfalls den Vorwurf gefallen lassen, den Betrug nicht durchschaut zu haben.

Das fatale Signal an die Privatanleger: Viele verloren durch die Luftbuchungen ihre Ersparnisse und führten teilweise jahrelange Prozesse um Schadensersatz – ein finanzieller Schaden und ein immenser Vertrauensverlust ist geblieben.

21. Februar 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sonja Hüsken. Über den Autor

Schon vor ihrem Studium der Volkswirtschaftslehre beschäftigte sich Sonja Hüsken intensiv mit dem Zusammenspiel von Politik und Wirtschaft und der Frage nach der richtigen Vorsorge. Immer im Fokus: Der Mehrwert der Information für den Leser.