Aktuelle Kurse wichtiger Indizes oder Rohstoffe, habe ich immer unter Beobachtung. Auf einem meiner Bildschirme sehe ich auf einen Blick die Entwicklung von: DAX, Dow Jones, Nasdaq, Gold, Silber, Öl, US-Anleihen und Euro/Dollarkurs. Das gehört zum Handwerkszeug eines Börsenprofis.
Die Realtime-Kurse (Echtzeitkurse) der o.a. Werte habe ich zwar so platziert, dass ich sie jederzeit sehe, aber mich interessiert dabei mehr das Zusammenspiel all dieser Kurse als der Ausschlag eines einzelnen Wertes. Wie das bei mir aussieht, sehen Sie in der untenstehenden Grafik (Screenshot aus meiner Handelsmaske von Interactive Brokers).
Erklärung der Kürzel, die Sie im Screenshot sehen:
DAX: Das ist der Future auf den DAX. Er zeigt mir den Kursverlauf des DAX.
YM: Der so genannten Mini-Future auf den US-Leitindex Dow Jones. Er zeigt mir den Kursverlauf des Dow Jones.
QQQ: Ein Fonds auf den US-Technologieindex Nasdaq. Der QQQ läuft 1zu1 mit der Nasdaq und zeigt mir deren Entwicklung an.
GLD: Ein Fonds auf Gold, der parallel zum Goldpreis läuft.
SLV: Ein Fonds auf Silber, der parallel zum Silberpreis läuft.
QM: Der Future des Ölpreises. Ein guter Indikator für die Weltwirtschaft und Ruhe beziehungsweise Unruhe in den Öl fördernden Ländern.
TLT: Ein Fonds auf langlaufende US-Staatsanleihen.
EUR.USD: Der Kurs des Währungspaare Euro/Dollar.
Der Tag an der Börse: Es ist nichts passiert
Auf den ersten Blick mag es irritieren, wenn ich über den Screenshot schreibe: „Es ist nichts passiert.“ Immerhin liegt der DAX zum Zeitpunkt dieses Screenshots mit 1,53% im Minus. „Nichts passiert“, sieht anders aus, könnten man meinen. Aber das Gesamtbild führt mich zu dieser Bewertung.
Meine Analyse der Momentaufnahme:
DAX und YM:
Dass der DAX mit 1,53% Verlust in etwa das Doppelte des Verlustes des Dow Jones (YM = minus 0,72%) aufweist, ist normal. Meistens hat der DAX höhere Kursausschläge als der Dow Jones.
YM und QQQ:
Mit der Nasdaq (dem QQQ) sieht es ähnlich aus: Auch hier liegen die Kursauschläge oft über denen des Dow Jones. Dass hier alle 3 Indizes (DAX, Nasdaq, Dow Jones) im Minus stehen, zeigt - für sich betrachtet - ein klares Bild: Aktien stehen unter Druck.
GLD und SLV:
Gold und Silber geben beide ab. Es ist typisch, dass Edelmetalle parallel laufen. Weniger plausibel begründbar ist, dass die Anleger ihr Geld aus den Aktienindizes (DAX, Dow Jones, Nasdaq) und den Edelmetallen abziehen.
QM:
Öl geht oft seinen eigenen Weg. Der Ölpreis liegt hier im Minus. Keine besondere Aussagekraft. Aber: Das „große Geld“ geht auch nicht den Weg aus Aktien raus und in den Ölpreis rein.
TLT:
„Interessant“, dass die Anleger ihr Geld offensichtlich aus den Aktienindizes sowie Gold und Silber, aber auch aus den Staatsanleihen abziehen. Hier ist das Minus zwar nur marginal. Aber die Anleihen profitieren ebenso wenig vom Minus der Aktienindizes wie die Edelmetalle.
EUR.USD:
Die Schwankungen von bis zu 1% im Währungspaar Euro/Dollar wären früher „dramatisch“ gewesen. Heute gehören sie zum Alttag. Wie jemand sein Geld aus dem Euro abziehen und in den US-Dollar investieren kann, ist mit unverständlich. Aber es werden wohl finanzpolitische Eingriffe sein.
Typischerweise werden Ihnen Kursbewegungen des DAX oder von Gold und Silber von den Medien mit schönen Thesen erklärt und begründet. Das gehört zum Ritual der Börsennachrichten in ARD, ZDF, Bloomberg und NTV etc.
Mein Fazit: Alle Erklärungen, die Ihnen die Medien zu den Kursbewegungen einen solchen Tages liefern, sind unsinnig und nicht haltbar. Aber stellen Sie sich einen der schlauen Kommentatoren vor, der sich vor die Kamera stellt und sagt: Ich habe keine Ahnung, warum der DAX heute um 1,53% gefallen ist und Gold und Silber auch abgegeben haben. Da er das nicht darf, spricht er halt viele Worte, ohne was zu sagen.
Heute so und morgen so: Zocker machen Tageskurse
Interessant wird es für mich, wenn Aktienkurse steigen und Edelmetalle fallen oder umgekehrt. Entsprechend: wenn Aktienkurse steigen und Anleihen fallen oder umgekehrt. Das Zusammenspiel der einzelnen Finanzanlagen ist spannend und lässt Rückschlüsse zu. Dann lohnt es sich, diese Kursbewegungen zu analysieren. So, wie im Screenshot der gestrigen Momentaufnahme, sagen die Kurse nur dies: Hier bestimmen Zocker die Tageskurse. Grundsätzliche Schlussfolgerungen über den Markt sind nicht möglich. Diese Tageskurse haben keine Aussagekraft.
Zum guten Schluss: Heute vor 261 Jahren, also am 28.07.1750, verstarb der deutsche Komponist Johann Sebastian Bach. Seine Arbeit beschrieb er als ganz einfach:
„Alles, was man tun muss, ist, die richtige Taste zum richtigen Zeitpunkt zu treffen.“
Wenn dass denn einfach ist, dann ist es genauso einfach, an der Börse Erfolg zu haben. Man muss „nur“ zum richtigen Zeitpunkt kaufen und verkaufen. Ein Tag wie gestern, liefert uns da keine Entscheidungsgrundlage. Ich bemühe mich an dieser Stelle, den richtigen von dem falschen Zeitpunkt zu unterscheiden. In der Hoffnung, dass es oft gelingt, sende ich beste Grüße
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