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Börsenpsychologie: Ein wichtiger Erfolgsfaktor an der Börse

Börsenpsychologie bzw. Verhaltensökonomik (wie es in der Wissenschaft genannt wird) oder „Behavioral Finance“ (im angelsächsischen Raum) ist ein elementares Thema im Zusammenhang mit erfolgreichen Börsengeschäften. Nur wer als Anleger über eine gewisse mentale Stärke verfügt, wird auf Dauer an der Börse erfolgreich sein.

Die Grundlagen der Börsenpsychologie

Die Grundlage der Behavioral-Finance-Theorie (Börsenpyschologie) bildet die von Daniel Kahneman und Amos Tversky entwickelte „neue Erwartungstheorie“. Diese stammt aus dem Jahr 1979 und bietet aus psychologischer Sicht eine Alternative zu der bis dahin gängigen Annahme, dass der Mensch rein rational entscheidet – also ein „Homo Oeconomicus“ ist.

Kahneman und Tversky konnten in ihren Untersuchungen und Experimenten Verhaltensmuster aufzeigen, die nicht rational erklärbar waren. Für den endgültigen Einzug der „neuen Erwartungstheorie“ in die Finanzwissenschaft sorgte Richard Thaler.

Thaler ist ein amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler, der an der Universität von Chicago Verhaltensökonomik lehrt und aktuell zum Beraterstab von Barack Obama, dem Präsidenten der USA, zählt.

Thaler wendete die bereits vorhandenen Erkenntnisse 1997 erstmals auf die Kapitalanlage an und war somit quasi Geburtshelfer der Behavioral-Finance-Theorie. Thaler entwickelte ein Modell zur Preisreaktion auf neue Marktinformationen, um davon auch selbst zu profitieren.

Die Bereiche der Behavioral Finance: Verhaltensfehler erkennen und nutzen

Anleger neigen zu „Anomalien“. So lautet die Grundaussage der Behavioral Finance. Das bedeutet, dass Anleger zu nicht rational begründbaren Verhaltensmustern neigen, die sich in ihren Anlageentscheidungen und damit auch in den Kursen der Wertpapiere niederschlagen. Dadurch gibt es keine stets effizienten Märkte, denn es kommt durch diese „Anomalien“ immer wieder zu Fehlbewertungen.


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Untersucht werden in der Börsenpsychologie auch die starke Verlustabneigung oder das starke Bedauern, das mit jeder Entscheidung verbunden ist, bei der Objekte, zu denen eine starke gefühlte Bindung besteht (zum Beispiel das eigene Haus oder die „Lieblings-Aktie“), verloren werden können.

Diese Verlustängste zeigen sich zum Beispiel im Börsenalltag. Wenn ein Verkauf von Aktien zur Folge hat, dass ein Verlust realisiert werden muss, so lässt sich häufig ein Unwille beobachten, diese Transaktion durchzuführen.

Der Durchschnittsanleger „sitzt“ Verluste lieber aus und hofft auf Besserung, auch wenn der Fall nahezu hoffnungslos ist. Diese Angst vor Verlust-Realisierung erklärt auch, warum sich die Preise auf dem Immobilienmarkt selbst bei schwacher Nachfrage nicht den Angebotspreisen nähern.

Behavioral Finance in der Praxis

Im Rahmen ihrer Arbeit an der „Neuen Erwartungstheorie“ entdeckten Kahneman und Tversky bereits in den 70er-Jahren, dass Investoren ein Verlust mindestens doppelt so stark schmerzt, wie ein Gewinn in identischer Höhe an positiven Emotionen auslöst.

Das Ergebnis dieses unterschiedlichen Schmerzempfindens in der Praxis ist, dass Verluste oftmals zu spät realisiert, Gewinne hingegen zu früh mitgenommen werden. Zudem konnten Tversky und Kahneman bei Investoren eine selektive Wahrnehmung nachweisen.

Im Rahmen der Informationsaufnahme und -verarbeitung nehmen viele Investoren Informationen derart subjektiv wahr, dass die Handlungen oder Ansichten des jeweiligen Investors bestätigt werden. Das bedeutet in der Praxis: Der Anleger sieht nur das, was er sehen will.

Dies ist sehr gefährlich, denn: Eine wichtige Information kann dadurch bei zwei Investoren vollkommen unterschiedliche Bewertungen und darauf basierende Entscheidungen auslösen. Die Fehler, die daraus bei Börsengeschäften entstehen, können sehr teuer werden.

Gefährlicher „Herdentrieb“

Ein weiteres oft zu beobachtendes Phänomen stellt der sogenannte „Herdentrieb“ dar. Dabei folgen Investoren vermeintlich „erfolgreichen“ Börsen-Gurus, um dadurch Informationskosten einzusparen.

Ein anderer Grund für den Herdentrieb-Effekt kann ein vermuteter Informationsvorsprung sein. Auch der „Rückschau-Effekt“ ist ein ganz typisches Börsen-Phänomen. Er beschreibt den Umstand, dass sich Menschen systematisch falsch an ihre Vorhersagen erinnern, nachdem das Ereignis eingetreten ist. Im Ergebnis führt dies zu einer fatalen Überschätzung der eigenen Prognosefähigkeiten.

Dazu ein Zitat von Daniel Kahneman (der übrigens zusammen mit Amos Tversky 2002 den Wirtschaftsnobelpreis erhielt): „Wenn sich etwas ereignet, schaut es im Nachhinein immer so aus, als hätte es passieren müssen.“ Was er damit sagen will, ist, dass sich zu jedem Ereignis, egal, ob ein Aktienkurs steigt oder fällt, rückblickend ein scheinbar zwingender Grund erkennen oder konstruieren lässt.

Fazit: Nutzen Sie das Fehlverhalten anderer für Ihren Erfolg

Wenn Sie typische Verhaltensfehler erkennen und damit auch bei sich selbst erkennen, können Sie nicht nur eigene Entscheidungen optimieren, sondern auch die durch das Fehlverhalten anderer entstehenden Chancen für sich nutzen.

Für Sie bedeutet das: In einer Boom-Phase können Sie Ihre Aktien zu sehr hohen Preisen teuer verkaufen. Im Crash können Sie dagegen an der Börse Aktien zu Schnäppchenpreisen einsammeln. In einer rationalen Börsenwelt wäre das nicht möglich.

6. Dezember 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.