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Börsenwissen: Der moderne Computerhandel und Gefahren für die Börse

Der moderne und hochdigitalisierte Börsenhandel hat große Vorteile für Anleger weltweit, birgt jedoch auch Gefahren. Dies zeigt sich immer dann, wenn schon durch winzige Informationsbruchstücke gewaltige Kursbeben ausgelöst werden und das teilweise in kürzester Zeit und rund um den Globus.

Die Reaktions- bzw. Einflusszeiten sind heutzutage so gering, dass sogar Falschmeldungen ganze Lawinen lostreten können, bevor sie überhaupt als fehlerhaft erkannt werden.

Daher macht es Sinn, dass wir Ihnen dieses Thema einmal ausführlich näherbringen.

Kommen wir zunächst dazu, was Computer- oder Hochfrequenzhandel überhaupt ist und wie dieser funktioniert.

Winzige Kursdifferenzen, riesige Summen

Hinter den Hochfrequenzhändlern (Hochfrequenzhandel wird durch Computerhandel betrieben) stehen oft Hedgefonds. Modernste Computerprogramme setzen auf winzige Kursunterschiede an den Börsen.

Damit sich der Aufwand lohnt, müssen riesige Summen eingesetzt werden.

Das hört sich spontan wie eine kleine Nische für Spezialfonds an. Die Realität sieht jedoch ganz anders aus. Experten gehen davon aus, dass die Hochfrequenzhändler in den USA für über 70% der Aktien-Umsätze verantwortlich sind.

In Europa liegt die Quote auch schon bei über 40%. Tendenz weiter steigend.


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Der Hochfrequenzhandel besitzt Vor- und Nachteile

Theoretisch ist der Hochfrequenzhandel sogar eine gute Sache für die Börse und auch für uns Anleger. Der Markt wird noch liquider. Das ist die Grundlage für transparente und faire Kurse.

Es gibt allerdings einige Schwachstellen: Zum einen sind die Hochfrequenzhändler unberechenbar. Ziehen sich mehrere große Händler plötzlich zurück, trocknet der Markt schlagartig aus. Ein solcher Rückzug soll beispielsweise den „Flash- Crash“ im Mai 2010 ausgelöst haben.

Damals verlor der Dow Jones ohne Grund plötzlich 1.000 Punkte.

Am Ende des Handelstages notierte der Index wieder auf seinem alten Niveau. Ein weiterer Kritikpunkt: Die riesigen Order-Größen der Hochfrequenzhändler sollen in Stressphasen die Schwankungen verstärken.

Dies war im turbulenten Börsenjahr 2015 häufiger der Fall. Zwischenfazit: In ohnehin ruhigen Börsenzeiten, die es aber immer seltener gibt, ist die Wirkung der Hochfrequenzhändler und damit auch die des Computerhandels allgemein positiv, in stürmischen Zeiten dagegen negativ.

Angesichts dieser unglücklichen Wirkung bieten diese Handelssysteme unterm Strich so gut wie keinen Mehrwert für den Gesamtmarkt.

Lösungsansatz Transaktionssteuer

Ein möglicher Lösungsansatz für das Problem des zunehmenden Computerhandels ist eine Finanztransaktionssteuer, die ich unter zwei Bedingungen befürworten würde. Die erste Bedingung ist, dass der Steuersatz zwischen 0,01 und 0,1% liegen sollte.

Die meisten Privatanleger – und damit auch Sie – würden diese zusätzliche Belastung kaum spüren.

Für die Hochfrequenzhändler hingegen wäre diese Zusatzbelastung deutlich spürbar. Meine zweite Bedingung wäre, dass die Einnahmen dieser Steuer nicht im allgemeinen EU-Haushalt verschwinden.

Kommt es zu einer EU-weiten Transaktionssteuer, die bereits mehrfach angedacht war, so würde ich diese unter den beiden genannten Bedingungen unterm Strich für förderlich halten.

Der Lösungsansatz der Börse Frankfurt

Anfang dieses Monats kam es im unter dem Label „Börse Frankfurt“ geführten Parketthandel an der Frankfurter Wertpapierbörse zu einer bedeutenden Änderung. Denn seit Anfang Dezember wird der Hochfrequenzhandel für den Handelsplatz Börse Frankfurt eingeschränkt.

Grundlage dafür ist eine Änderung des Preisverzeichnisses für die Nutzung der Börsen-EDV.

Es verringert sich unter anderem die Schwelle, ab der Marktteilnehmer für die Eingabe von Unmengen von Orders, von denen nur ein winziger Bruchteil zur Ausführung kommt, zur Kasse gebeten werden.

Zuvor lag diese Schwelle bei 5.000:1. Das bedeutet: Erst wenn auf eine ausgeführte Order mehr als 5.000 nicht ausgeführte Orders kamen, mussten die Hochfrequenzhändler dafür zahlen. Seit Anfang dieses Monats liegt diese Schwelle bei 100:1 – und damit deutlich niedriger.

Aus meiner Sicht geht diese Maßnahme noch nicht weit genug, zumal der Computerhandel im Frankfurter Parketthandel sowieso eine viel geringere Rolle spielt als beispielsweise über die elektronische Handelsplattform Xetra. Aber: Es ist immerhin ein Anfang.

Ihnen muss der Computerhandel keine Sorgen bereiten

Anleger, die einen mittel- bis langfristigen Anlagehorizont haben (und damit auch Sie), brauchen sich wegen des Computerhandels aber nicht zu sorgen.

Lassen Sie sich von diesen Chaos-Tagen nicht irritieren. Die Aussagekraft dieser kurzfristigen Kursbewegungen liegt bei 0,0. Bereits wenige Tage oder Wochen später ist der Spuk solcher Ereignisse wie vom Donnerstag dieser Woche schon wieder vergessen.

20. Juni 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.