Gastbeitrag von Markus Lindermayr
Eine Statistik stört ein wenig das Bild, welches die geschönten Arbeitsmarktdaten des amerikanischen Bureau of Labour Statistics (BLS) vorspiegeln.
Selbst der Vorsitzende des Federal Reserve Systems Ben Bernanke hat gesagt, die Arbeitsmarktdaten seien stärker als die Lage des Arbeitsmarkts!
Der Verbrauch von Benzin und anderen Petroleumdestillaten erzählt eine deutlichere und weniger manipulierbare Geschichte. Der Verbrauch erreichte vor der Finanzkrise um 2007/2008 einen Höhepunkt.
Der wirtschaftliche Einbruch ließ den Verbrauch bis zum Tiefpunkt im März 2009 stark abfallen. Danach folgte eine deutliche Erholung der Wirtschaftstätigkeit, die wiederum von steigendem Verbrauch von Benzin und anderen Destillaten begleitet war.
Bis zum September 2010 erholten sich die monatlichen Verbrauchsdaten und fingen danach wieder an zu fallen. Nun sind die Benzin-Verbrauchszahlen in den USA bis zum Dezember 2011 5 Monate in Folge gefallen und haben bereits das Tief aus der Finanzkrise unterschritten.
Der Petroleumverbrauch in den USA ging im Dezember derart stark zurück, dass das Verbrauchstief aus der Finanzkrise erreicht wurde.
Baltic Dry Index – Der Puls der Weltwirtschaft
Eine weiteres klares, sehr schwaches Signal liefert der Baltic-Dry-Index (BDI), der die internationalen Frachtraten für Schüttgüter (Bulk Ware), wie Eisenerz, Stahlschrott, Zement, Kohle usw. für den Seetransport wiedergibt.
Der BDI hat mit Werten über 700 Punkten wieder die Tiefen der Finanzkrise erreicht. Auch andere Seetransportindikatoren wie der Harper-Peterson-Shipping-Index zeigen eine besondere Schwäche auf.
Zwar ist der Markt für Seegütertransporte einer Überkapazität ausgesetzt, weil zu viele Frachtschiffe gebaut wurden, jedoch kann man an den Bewegungen der Frachtraten relativ frühzeitig den Puls der Weltwirtschaft fühlen.
Globale Bremsspuren
In der Eurozone sind Italien, Spanien, Griechenland und Portugal tief in eine Rezession gerutscht, die durch die notwendigen Anpassungen der Staatshaushalte an die Realität zustande kommt. Dies zieht die gesamte Eurozone in ein leichtes negatives Wachstum (Schrumpfung der Wirtschaftsleistung).
In Japan brechen die Auftragseingänge für den Maschinenbau um über 7 % ein. Die Wettbewerbsfähigkeit der japanischen Volkswirtschaft wird durch die Abwertung der anderen Währungen (Euro, Dollar) verursacht. Wegen des deflationären Drucks auf Löhne und Margen der Unternehmen dürfte die japanische Notenbank bald mit Anleihenkäufen reagieren.
Chinas Rechnung für die Kreditorgie
Die Volksrepublik China hat mit einem Megastimulusprogramm den Weg aus der Finanzkrise erkauft. Die Kredite dafür erreichten 25 % der jährlichen Wirtschaftsleistung. Nachdem nun der Immobilienboom zu Ende ging und der Export für den Weltmarkt stagniert, geht die Wirtschaftstätigkeit in China zurück, wie man am Stromverbrauch erkennen kann.
Die Flaute führt zu einem Bankensystem, welches mit gigantischen Volumen schlechter Schulden beladen ist. Um einen Massenbankrott zu verhindern, werden derzeit die Laufzeiten von Krediten einfach pauschal verlängert. Die schlechten Schulden werden wohl irgendwann von der Zentralbank aufgekauft werden müssen.
Diese Puzzlestücke zeigen Ihnen, dass die Börsen derzeit eher von Liquidität als vom Wirtschaftswachstum getragen werden.



