von Andreas Sommer

Branchen-Verluste: Ein Blick hinter die Kulissen

Branchenauswertung Deutschland: So verteilen sich die Verluste seit dem 29. Juli

Branchenauswertung Deutschland: So verteilen sich die Verluste seit dem 29. Juli

Die Börsenwelt ist seit Montag letzter Woche verändert.

Mir ist bewusst, dass es diverse Definitionen für das gibt, was sich in den vergangenen 6 Handelstagen ereignet hat. Meine Definition dafür lautet: Crash.

So definiere ich persönlich Kurseinbrüche von mehr als -15% innerhalb einer kurzen Zeitspanne. Und diese Marke wurde gestern beispielsweise von den wichtigen deutschen Markt-Indizes wie DAX, MDAX, SDAX oder TecDAX oder auch dem österreichischen ATX überschritten.

Das tückische an Crashs ist: Man weiß nie, wo sie enden werden. Deswegen ist es in aller Regel eine gute Entscheidung, sich bei den ersten Anzeichen dafür rigoros von allen Depot-Positionen zu verabschieden.

Momentum Trader-Leser verkauften rechtzeitig

Genauso das habe ich am Dienstagvormittag der letzten Woche (am 2. August) – wie übrigens auch schon mehrfach im Börsen-Horrorjahr 2008 – den Lesern meines Börsendienstes Momentum Trader empfohlen. Schon im Juli hatte ich nach einem ersten Warnsignal des von mir entwickelten Momentum Trader-Markt-Barometers 3 Depot-Positionen verkaufen lassen.

Wir haben dabei durchaus auch Verluste realisiert. Das gehört zum Investieren dazu. Allerdings haben alle verkauften Aktienpositionen nach dem Verkauf weiter massiv verloren: Aktuell zwischen -20,6% und -41,7%! Es hat sich also für meine Leser wieder einmal gelohnt, SOFORT und kompromisslos die Reißleine zu ziehen.

Übrigens: Gestern habe ich den Momentum Trader-Lesern empfohlen, eine erste kleine Put-Position aufzubauen. Die liegt zur Stunde bereits mit +13,7% im Gewinn.

Genauer hingeschaut: Wie verteilen sich die Verluste innerhalb der Branchen?

Doch zurück zu unserem eigentlichen Thema. In Börsensituationen wie der aktuellen, ist es immer hilfreich, einmal genauer hinzuschauen, wie sich die Verluste eigentlich verteilen. Daraus lassen sich oft wertvolle Erkenntnisse ziehen. Oder es ergeben sich Hinweise, die es wert sind, sie einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Ich habe mir daher die Mühe gemacht und die Kursveränderungen der Branchen-Indizes in Deutschland und den USA zwischen dem 29. Juli und gestern untersucht. Das hat zwar auf den ersten Blick nichts mit Charttechnik zu tun. Doch eine solche Auswertung kann Ihnen wertvolle Anhaltspunkte liefern, um sich verschiedene Charts daraufhin einmal genauer anzuschauen.

Die Kursveränderungen finden Sie in den beiden abgebildeten Tabellen. Da es in den USA mehr als 120 verschiedene Branchen gibt, habe ich diese Tabelle auf die 12 größten Verlierer und die 12 Branchen mit den geringsten Verluste (von Gewinnern kann man ja schlecht sprechen) begrenzt.

Tatsächlich lagen die bisherigen Verluste in einigen Branchen noch weit über der „Crash“-Marke. So ist es bemerkenswert, dass ausgerechnet die Branche, die zuletzt als die fundamental stärkste angesehen wurde und daher zu den größten Gewinnern zählte, nun auf Rang 1 der Top-Verlierer steht: Die Autowerte.

Ein bekanntes Phänomen – aber deshalb nicht unbedingt richtig

Dies zeigt ein altbekanntes Phänomen: Investoren neigen dazu, in solchen Börsenphasen zuerst die Titel zu eliminieren, die (die größten) Gewinne aufweisen. Bei den ohnehin schon im Verlust notierenden Depotpositionen „hofft“ man hingegen darauf, dass sie die Abwärtsbewegung irgendwie doch überstehen und irgendwann mit Gewinn oder weniger Verlust abgestoßen werden können.

Eine trügerische und falsche Hoffnung (einmal ganz abgesehen davon, dass Hoffnung wohl eines der schlechtesten Investment-Motive überhaupt ist): Eigentlich sollten Sie – wenn Sie sich schon nicht zu einem radikalen Ausverkauf entschließen können – genau anders herum vorgehen und erst die schwächsten Aktien verkaufen.

Andererseits gibt es Branchen, die auffallend wenig verloren haben. Beispielsweise der Telekom-Sektor in Deutschland.


Branchenauswertung USA: So verteilen sich die Verluste seit dem 29. Juli

USA: Nahrungsmittel und Gold-Minen überraschend widerstandsfähig

In den USA lohnt sich ein Blick in die untere Tabellenhälfte: Titel der Nahrungsmittel-Branche (Food & Beverage = Nahrung & Getränke) und insbesondere der Getränke-Branche (Unternehmen wie Coca-Cola oder Pepsi) haben offensichtlich bemerkenswert wenig an Wert verloren. Der Grund ist einfach zu erklären: Wie schwer auch eine Krise ist oder wird: Essen und trinken müssen wir auch weiterhin…

Auf eine Branche möchte ich besonders Ihr Augenmerk richten: Die Gold-Minen. Scheinbar ist der Crash an diesen Werten komplett vorbei gegangen. Andererseits haben diese Aktien aber auch nicht davon profitiert, dass der Goldpreis im selben Zeitraum +5,8% zugelegt hat. Per heute sind es sogar +7,7%, nachdem der Preis für eine Feinunze Gold am Vormittag bereits ein neues Allzeithoch oberhalb von 1.750 USD markiert hat.

Das sollten Sie lieber lassen

Falls Sie nun planen, Gold-Minen-Aktien zu kaufen, da diese ja augenscheinlich noch „Nachhol-Potenzial“ besitzen, dann kann ich Sie nur warnen: Rohstoffe und Aktien sind „2 Paar Schuhe“, wie man so schön sagt. Letztlich dürften auch sie der Verkaufswut zum Opfer fallen.

So war es zumindest im Crash des Jahres 1987, den ich persönlich als noch junger Wertpapierberater hautnah miterlebt habe. Damals wie heute waren die Anleger in den ersten Tagen des Crashs in Gold geflüchtet. Der Goldpreis war entsprechend kräftig gestiegen. Angesichts der Verluste rings um uns herum war das eine ganz außergewöhnliche Entwicklung. Und auch die Gold-Minen-Aktien hatten sich zunächst prima „gehalten“.

Meine persönliche Erfahrung: Finger verbrannt

Daher war für mich damals die „logische“ Überlegung: Goldpreis steigt – Gold-Minen-Aktien müssen dann auch steigen. Also nahm ich das Geld, das nach Realisierung der herben Verluste der ersten Crash-Phase noch übrig war und investierte es in den seinerzeit noch börsennotierten südafrikanischen Goldminen-Betreiber Kloof Gold Mining. Wenige Tage später verbuchte ich weitere -50% Kursverlust…

Ich möchte Ihnen mit diesen Branchen-Auswertungen keinesfalls Vorschläge unterbreiten, was Sie kaufen oder verkaufen oder nicht kaufen oder nicht verkaufen sollten. Nehmen Sie die Tabellen vielmehr als Handwerkszeug, um interessante Branchen unter die Lupe zu nehmen.

Oder machen Sie in einigen Tagen / Wochen noch einmal eine Auswertung, um zu sehen, wo sich gravierende Verschiebungen in der Performance ergeben haben. Diese Vorgehensweise kann Ihnen dabei helfen, attraktive Investments für die Zeit nach diesem Crash herauszufiltern.

Denn das ist zumindest sicher: Irgendwann wird er zu Ende sein. Und darauf sollten Sie dann gut vorbereitet sein!

 
 
Tags: MDAX, ATX, Goldpreis, DAX, Gold  

Autor:

Andreas Sommer

Seit November 2008 veröffentlicht Andreas Sommer seine Profi-Erfahrung in seinem täglichen kostenlosen Newsletter Chartanalyse-Trends.