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Brasilien – so geht es dem BRIC-Staat heute

Als Kanzlerin Merkel 2015 mit großer Delegation nach Brasilien reiste, sprach sie vom „Schlüsselland in internationalen Fragen“. Das gilt auch für Anleger, besonders diejenigen, die Aktien von einigen der rund 1.400 deutschen Unternehmen mit Präsenz in Brasilien halten. Ziel des Besuchs war unter anderem, ein Freihandelsabkommen auf den Weg zu bringen, das beiden Seiten helfen würde.

Lange galt die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt neben China als Hoffnungsträger unter den BRIC-Ländern, auf deren Entwicklung zahlreiche Zertifikate und ETFs setzen. Brasiliens Wirtschaft wuchs jährlich um fast 5%. Die Rede war vom Wirtschaftswunder in Brasilien. Und so geht es dem BRIC-Staat heute:

Brasilien: Heute stark gezeichnet

Nach einem verlangsamten Wachstum von 2,3% im Jahr 2013, kam die Stagnation und 2015 ein Rückgang um 3,8%. Aktuell verzeichnet das einstige Boomland einen Zuwachs der Firmeninsolvenzen um geschätzte 22%. Das ist höher als der bisherige Negativrekord in China. Den Konsumeinbruch bekamen neben anderen deutschen Unternehmen auch Autobauer wie VW zu spüren.

Begleitet wird die schwere Wirtschaftskrise zudem von anhaltenden Dürreperioden, die der Agrarwirtschaft zu schaffen macht und politischen Unwägbarkeiten. Die bisherige Präsidentin Dilma Rousseff war mit ihren Reformbemühungen vor allem an der Opposition gescheitert und wurde schließlich unter zweifelhaften Umständen des Amtes enthoben. Die neue Übergangsregierung verspricht nun ebenfalls Wirtschaftsreformen, und die sind dringend nötig.

Massiver Einbruch, auch strukturbedingt

Brasilien braucht solide Strukturen und kann nicht nur auf sprudelnde Einnahmen, etwa durch den Ölkonzern Petrobras, setzen, der 2015 den größten Einbruch seiner Geschichte erlebte. Das Defizit im Haushalt von 10% geht auch auf ineffiziente Steuereinnahmen, Korruption und hohe Rentenausgaben zurück. Ein Gemisch, das an Griechenland erinnert. Viele Brasilianer gehen bereits mit 55 in Rente, und das bei vollen Bezügen. Hinzu kommt die mit fast 7% höchste Arbeitslosenquote seit 2009.

Was das Land dringend braucht, ist eine verstärkte Außenwirtschaft. Die spielt bislang mit einem Anteil von 20% am Bruttoinlandsprodukt (BIP) eine geringe Rolle. In gleicher Größenordnung bewegt sich die im internationalen Vergleich geringe Investitionsquote – Tendenz sinkend.

Sorgen bereitet die niedrige Wettbewerbsfähigkeit der Industrie, deren Produktion seit zwei Jahren stetig abnimmt. Was darüber hinwegtäuschte, war 2015 die seit Jahren beste Handelsbilanz. Das gesamte Handelsvolumen indes ging kräftig zurück – um 20% gegenüber 2014.

Brasilien muss Potenziale nutzen

Die Ausfuhren wurden vor allem vom schwächeren Real getragen. Exportiert werden vor allem Rohstoffe aus dem Agrarsektor. Größter Absatzmarkt ist die EU, gefolgt von China und den USA. Dass Brasilien Potenzial hat, zeigt sich unter anderem in den hohen ausländischen Investitionen.

Neben tief greifenden Reformen für mehr Wettbewerbsfähigkeit bedarf es einiger Handelsabkommen, die etwa den Partnern in der EU nicht nur Hoffnung bescheren würden. Es geht auch um handfeste Erleichterungen, zu denen ein längst fälliges Doppelbesteuerungsabkommen gehört. Denn wenn Unternehmen nicht mehr unnötig Steuern in beiden Ländern zahlen müssen, ist die Investitionsbereitschaft umso höher.

28. Juni 2016

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.