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Brasilienkrise: Eine falsche Währungspolitik fordert Opfer

Nach den jahrelangen Jubelmeldungen aus Brasilien ziehen nun wieder dunkle Wolken über dem Zuckerhut auf. Das Land hängt zu stark an den aktuell schwachen Rohstoffen – diese Abhängigkeit wirkt sich nun klar aus.

Ein Blick in die Geschichte zeigt: Brasilien war schon häufiger anfällig für Krisen. Die Ereignisse der 1990er Jahre sind jedoch schon wieder aus dem Bewusstsein gerückt. Brasilien war ein Krisenland und kann es auch zukünftig wieder werden.

Die Einführung des Real – mit gravierenden Folgen

Bis Anfang der neunziger Jahre wurde Brasilien von unfähigen Politikern durch Hyperinflation ruiniert. Um künftig das Geld stabil zu halten, beschlossen sie, eine neue Währung mit fester Anbindung an den US-Dollar zu schaffen, den sogenannten Real.

Tatsächlich sank die Inflation rapide bis auf vier Prozent im Jahr 1997. Um den Wechselkurs zu halten, musste sich Brasilien jedoch massiv verschulden. Durch Einführung des Real hat sich die Verschuldung Brasiliens zwischen 1994 und 1998 deshalb mehr als verfünffacht.

Schon während der Asienkrise 1997 – als die verunsicherten Investoren schlagartig Geld aus allen Anlageregionen der Welt abzogen und somit auch Brasilien und andere Schwellenländer unter Druck setzten – musste der Zinssatz auf durchschnittlich 30 Prozent angehoben werden, um eine Kapitalflucht mit Währungsverfall zu verhindern.

Schulden über Schulden

Dadurch schrumpfte die Wirtschaft Brasiliens bereits im Jahr 1998 um 2,5 Prozent. Allein bei den Währungsturbulenzen Ende Oktober 1997 musste das Land zur Stützung des Real an drei Tagen über neun Milliarden Dollar aufwenden. Hätten die Turbulenzen nur drei Wochen angehalten, wären die gesamten Reserven von 62 Milliarden Dollar aufgebraucht worden.

Auch die Unternehmen hatten die festen Wechselkurse zur günstigeren Verschuldung im Ausland genutzt und einen Schuldenberg von 100 Milliarden Dollar aufgebaut. Der IWF sagte im November 1998 zusätzlich einen Stützungskredit von über 40 Milliarden US-Dollar zu. Anfang Januar 1999 erklärte der drittstärkste Bundesstaat Brasiliens, den Schuldendienst an den Bund für 90 Tage aussetzen zu wollen.

Der Wechselkurs fällt, der Zinssatz steigt

Schnell erkannten Spekulanten die instabile Lage des Landes und zogen massiv Geld ab. Dadurch konnte der Wechselkurs zum Dollar nicht mehr aufrechterhalten werden, die Währung verfiel um über 40 Prozent. Wie bei Russland sperrte der IWF auch diesmal sofort alle weiteren Zahlungen. Es wurde sogar gefordert, den Zinssatz auf 70 Prozent zu erhöhen.

Durch höhere Zinssätze und ungünstigere Wechselkurse explodierten die Zinslasten geradezu – der Bankrott wird langfristig unvermeidbar sein. Um die Spekulationsgefahr einzudämmen, erhöhte Brasilien nun drastisch den kurzfristigen Zinssatz auf 40 Prozent.

Am Rande des Staatsbankrotts – durch massives Sparen

In dieser Situation gibt es keinen Ausweg mehr: Werden die Spekulanten durch hohe Zinssätze abgewehrt, bricht die Wirtschaft zusammen. Wird hingegen die Währung freigegeben, können die angehäuften Schulden zum ungünstigen Wechselkurs nicht mehr bedient werden, und der Staat wie auch große Teile der Unternehmen gehen Bankrott.

Wenn jedoch die Wirtschaftskrise durch Aufnahme von IWF-Krediten verhindert werden soll, wird der Zusammenbruch zwar etwas hinausgezögert, aber umso heftiger, weil hierdurch das Grundübel Verschuldung nur noch zunimmt und die Wirtschaft durch sogenannte Sanierungsmaßnahmen zerstört wird.

Die IWF-Hilfen: Wirklich hilfreich?

Daneben hätten die Rosskuren des IWF das Land beinahe ruiniert: Um IWF-Kredite zur Stützung des Wechselkurses zu erlangen, musste Brasilien beispielsweise ein „drakonisches Sanierungsprogramm“ auflegen.

Die Regierung räumte sogar ein, dass sich das Programm auf jeden Fall rezessiv auswirken werde. Durch die IWF-„Hilfen“ explodierte die Staatsverschuldung, weshalb 1999 das Etatdefizit auf zehn Prozent des Bruttosozialproduktes anstieg, gegenüber acht Prozent im Vorjahr. Ohne den Schuldendienst hätte Brasilien dagegen einen Haushaltsüberschuss von drei Prozent erwirtschaftet.

An diesem kurzen Rückblick sehen Sie, wie stark die Schuldenfalle zuschnappen kann. Und heute ist die Lage in zahlreichen Ländern deutlich angespannter als damals in Brasilien. Das gilt allein schon wegen der immer höheren Schuldenberge rund um den Globus.

6. August 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.