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Cashflow-Analyse in Geschäftsberichten: Dahin fließt das Geld

Die tiefsten Einblicke in den Erfolg eines Unternehmens erhalten Sie bei der Betrachtung der Kapitalflussrechnung, der so genannten Cashflow-Rechnung. Sie besteht im Wesentlichen aus 3 Teilen:

  • Cashflow aus laufendem Geschäft (operativer Cashflow),
  • aus Investitionstätigkeit und
  • aus Finanzierungstätigkeit.

Betrachten Sie hauptsächlich den Cashflow aus der betrieblichen (operativen) Tätigkeit. Er ist für die Analyse des Unternehmenserfolgs am wichtigsten. Hier sehen Sie alle Ein- und Auszahlungen, die Beschaffung, Produktion, Verwaltung und den Absatz betreffen.

Den Aufwendungen (Reinvermögensminderungen) werden dabei die Erträge (Reinvermögensmehrungen) gegenüber gestellt.

Berechnung des operativen Cashflow

Jahresergebnis +/- Abschreibungen/Zuschreibungen auf Anlagevermögen +/- Änderungen bei Rückstellungen +/- Verlust/Gewinn aus Veränderungen beim Anlagenbestand +/-Abnahme/Zunahme bei Vorräten sowie Forderungen +/- Abnahme/Zunahme aus Verbindlichkeiten = Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit

Der Haken: Im Jahresbericht ist die Betrachtungsperiode von 12 Monaten sehr lang. Zahlungsengpässe oder eine mögliche Insolvenz können oft kaum erkannt werden.

Daher sollten Sie stets auch die Halbjahres- und – falls verfügbar – die Quartalsberichte aufmerksam studieren. Bei negativen operativen Cashflows über mehrere Quartale hinweg ist Vorsicht angebracht.

Cashflow-Analyse an Beispielen

Wie hilft Ihnen nun die Betrachtung der Kapitalflüsse bei der Bewertung eines Unternehmens? Zum Beispiel finden Sie bei den Investitionen Änderungen des Sachanlagevermögens.

Adidas etwa hat die Konzerntochter Salomon im Jahr 2005 verkauft; vor allem deshalb lag der Mittelzufluss aus Investitionstätigkeit mit fast 440 Mio. € ein ganzes Stück über dem operativen Cashflow von rund 352 Mio. €.

Zusätzliche Informationen zur Kapitalflussrechnung am Beispiel Adidas 2005


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Kapitalfluss veräußerter Gesellschaftenin Tausend €
Flüssige Mittel10358
Vorräte218769
Forderungen und sonstige kurzfristige Vermögensgegenstände271108
Sachanlagen49694
Geschäfts- oder Firmenwerte und sonstige immaterielle Vermögensegegenstände138902
Finanzanlagen und sonstige langfristige Vermögensgegenstände239
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen und sonstige Verbindlichkeiten-202066
Kurzfristige Finanzverbindlichkeiten0
Langfristife Finanzverbindlichkeiten-9865
Gesamtwert der veräußerten Vermögensgegenstände477139
flüssige Mittel der veräußerten Gesellschaften-10358
Gesamtwert der veräußerten Vermögensgegenstände/abzüglich flüssiger Mittel466781

Zum 30.September 2005 wurde das Salomon Geschäftssegment veräußert. Der Marktwert des Nettovermögens entsprach grundsätzlich in etwa dem Buchwert des veräußerten Nettovermögens. Das Vermögen und die Verbindlichkeiten zum Zeitpunkt der Veräußerung stellen sich wie folgt dar:

Der Cashflow aus Finanzierungstätigkeit weist unter anderem Eigenkapitalzuführungen aus, wie sie bei Kapitalerhöhungen erfolgen. Auch die für Anleger so wichtige Dividende wird hier aufgeführt, ebenso wie Änderungen beim Fremdkapital, etwa die Aufnahme von Krediten.

Adidas verzeichnete 2005 einen außergewöhnlich hohen Mittelzufluss aus Finanzierungstätigkeit. Grund war vor allem die Kapitalerhöhung im November, die fast 639 Mio. € in die Kassen des Sportartiklers brachte.

Tipp: Erläuterungen zu einzelnen Positionen finden Sie entweder im Lagebericht des Konzerns oder im Anhang des Geschäftsberichts.

Aus dem Cashflow abgeleitete Kennziffern

Mit diesem grundlegenden Wissen über den Cashflow können Sie eigene Schlüsse über den Erfolg des betrachteten Unternehmens ziehen. Nutzen Sie dazu die folgenden Kennziffern.

  • Cashflow/Gewinn-Relation

Steigt der Jahresüberschuss in der Gewinn- und Verlustrechnung bei stagnierendem Cashflow deutlich an, so kann das etwa mit der Auflösung von Rückstellungen erklärt werden.

Wichtig ist dabei nach Möglichkeit der Vergleich über mehrere Perioden hinweg, um unterschiedliche Entwicklungen noch besser erkennen zu können.

  • Entschuldungsgrad

Teilen Sie zur Ermittlung den operativen Cashflow durch das Fremdkapital abzüglich der liquiden Mittel. Das Ergebnis gibt die Zahl der Jahre wieder, bis das Unternehmen schuldenfrei ist. Je niedriger diese Zahl ausfällt, desto besser.

  • Innenfinanzierungskraft

Setzen Sie den Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit ins Verhältnis zum Cashflow aus Investitionstätigkeit. Damit können Sie die Frage klären, zu welchem Teil die Investitionen durch laufende Einnahmen gedeckt sind. Je höher dieser Wert ausfällt, desto besser.

  • Kurs/Cashflow-Verhältnis

Das KCV wird gern für die Analyse von Aktieninvestments herangezogen. Das Problem: Kurzfristig schwankende Daten – nämlich der Aktienkurs – werden ins Verhältnis zu langfristig ermittelten Werten gesetzt.

Nutzen Sie den Wert daher nur zur groben Orientierung und im Vergleich mit anderen Unternehmen der gleichen Branche.

Tipp: Nutzen Sie diese Kennziffern nur für Ihre Orientierung. Da sie auf der rückwärts gerichteten Betrachtung im Jahresbericht abgeleitet werden, sind sie keine Garantie für erfolgreiches Wirtschaften und damit auch nicht für steigende Aktienkurse.

Checkliste: So lesen Sie Geschäftsberichte richtig

  • Denken Sie bei der Lektüre eines Geschäftberichts daran, dass er auch der (möglichst positiven) Selbstdarstellung dient. Betrachten Sie Aussagen zum Unternehmen daher stets mit einer gesunden Portion Skepsis.
  • Die „Finanz-Highlights“ zu Beginn des Geschäftsberichts bieten Ihnen eine erste grobe Orientierung über das abgelaufene Geschäftsjahr. Vergleichen Sie die aktuellen Daten mit denen des Vorjahres.
  • Studieren Sie zunächst das Statement des Vorstands. Vergleichen Sie dazu die Ziele des Vorjahres mit dem Erreichten der betrachteten Periode.
  • Nehmen Sie sich dann den Lagebericht vor: Was ist geschehen? Wie geht es im Konzern weiter? Wo liegen die Risiken, wo die Chancen?
  • Widmen Sie sich dann der Bilanz. Verfügt der Konzern über genügend liquide Mittel, um den kurzfristigen Verpflichtungen nachkommen zu können? Ist der Konzern wesentlichen Fremdwährungsrisiken ausgesetzt? Werden Rückstellungen gebildet oder aufgelöst?
  • Nehmen Sie sich anschließend die Gewinn- und Verlustrechnung vor. Wichtige Fragen sind: Gibt es außerordentliche Gewinne oder Verluste, die den Vorjahresvergleich und die Aussagekraft des Ergebnisses relativieren? Bestehen gravierende Risiken, die womöglich das Fortführen des Betriebs gefährden? Haben sich die betrieblichen Aufwände und Erträge deutlich verändert und warum?
  • Jetzt sollten Sie einen Blick auf die Kapitalflussrechnung werfen. Generiert das Unternehmen einen ausreichend hohen Cashflow? Wie wurde der Mittelzufluss aus betrieblicher Tätigkeit verwendet?
  • Ergänzend zu Bilanz, GuV sowie Kapitalflussrechnung sollten Sie die Erläuterungen im Anhang betrachten. Hier finden Sie Informationen und detailliertere Aufstellungen zu vielen einzelnen Posten. Erst mit diesen Fußnoten können Sie die Teile der Finanzanalyse wirklich verstehen.

14. August 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.