von Andreas Sommer

Charttechnik Goldpreis: Eine gefährliche Entwicklung

Charttechnik Goldpreis in USD/Feinunze: Deutliche Verkaufssignale

Charttechnik Goldpreis in USD/Feinunze: Deutliche Verkaufssignale

Anfang der Woche stellte ich in meiner Video-Analyse Ölpreis: Crude Oil bildet Trend-Wende-Formation aus fest, dass der Ölpreis möglicherweise vor einer größeren Abwärtsbewegung steht, falls die Marke von 95 USD fällt.

Dieses Niveau bildet nämlich die Nackenlinie einer Doppel-Top-Formation.

Rohstoffe werden immer schwächer

Eifrige Leser von Chartanalyse-Trends wissen darüber hinaus, dass ich den Sammel-Index für Rohstoffe, den CRB Futures-Index, schon seit Juni dieses Jahres skeptisch einschätze.

In meinem Beitrag Charttechnik Rohstoffe: die Bären haben nun die Macht vom 10. Oktober lautete mein Fazit zum CRB Futures-Index beim Stand von 303,52:

„Bei den Rohstoffen haben die Bären das Zepter übernommen. … Kurzfristig scheint eine Erholungsrallye möglich, die jedoch im Bereich 320 / 325 Punkte zum Erliegen kommen sollte.“

Nun: Diese Erholungs-Rallye endete tatsächlich bei 324,99.

Doch das ist nicht der Punkt.

Aktuell notiert der CRB Futures-Index bei 305,77 und zeigt damit weiter Schwäche an.

Zusätzlich habe ich bei meiner Wochenend-Analyse festgestellt, dass insbesondere die Agrar-Rohstoffe in den vergangenen Wochen stark unter Druck geraten sind.

Der Goldpreis konnte sich diesem allgemeinen Abwärtstrend bei Rohstoffen seit Sommer dieses Jahres bislang entziehen. Anfang September wurde noch ein neues Allzeithoch markiert.

Doch damit könnte nun Schluss sein: Der Goldpreis in USD/Feinunze hat gestern eine schwerwiegende Kursentwicklung genommen. Eine Entwicklung übrigens, die vom Relative Stärke Index (RSI) schon etwas länger „angekündigt“ wurde.

Analyse des Goldpreises

Doch schauen wir gemeinsam auf den Chart des Goldpreises:

Beginnen wir zunächst mit dem Kursverlauf: Eine Kerze entspricht dem Handelsverlauf eines Tages.

  • Die pinkfarbenen Linien kennzeichnen den übergeordneten Trend. Sie verbinden die markanten Zwischenhochs und Zwischentiefs und verdeutlichen dadurch besser den Trendverlauf beim Goldpreis.
  • Im Februar dieses Jahres nahm der Goldpreis nach einer viermonatigen Seitwärts-Bewegung seinen Aufwärtstrend wieder auf. Dies habe ich durch die grünen Pfeile sichtbar gemacht: Sie belegen, dass auf jedes Zwischentief ein höheres Zwischentief folgte. Bis gestern…
  • Gestern schloss der Goldpreis unter dem Zwischentief vom 21. November (1.666,70 USD). Das signalisiert, dass der Goldpreis nun mindestens wieder eine längere Seitwärts-Bewegung wie zwischen Oktober 2010 und Januar 2011 einleiten könnte.

RSI kündigt Ungemach an

Ich sagte bewusst „mindestens“. Denn der Relative Stärke Index RSI kündigt eher größeres Ungemach an:

  • Das Zwischentief vom 21. November wurde vom RSI nämlich schon als Verkaufssignal angezeigt, als durch diese Kursbewegung der Aufwärtstrend seit September (grüne Linie) nach unten durchschlagen wurde.
  • Mit der Bewegung bis gestern wurde damit ein Abwärtstrend im RSI bestätigt (blauer Kreis), der ursprünglich bereits Anfang November gestartet wurde. Dieser entpuppt sich wiederum als Fortführung eines bereits seit Ende August bestehenden Abwärtstrends (rote Linie).

Gehen wir nun noch einmal zurück in den Kursteil des Charts.

  • Die gestrichelten violetten Linien markieren die Ausbildung eines symmetrischen Dreiecks. Aus diesem Dreieck erfolgte Anfang der Woche der Ausbruch nach unten. Ein deutliches Verkaufssignal.
  • Der guten Ordnung halber weise ich darauf hin, dass symmetrische Dreiecke eine unangenehme Begleiterscheinung haben können (nicht müssen): Sie neigen ab und an zu Fehlausbrüchen. Sollte also in den kommenden Tagen eine abrupte Wende nach oben erfolgen, dann wäre das extrem bullish für den Goldpreis.

Denn alle Gold-Bullen, die aufgrund des Ausbruchs aus dem Dreieck ausgestoppt wurden, würden ihre Positionen neu aufnehmen müssen, wenn der Goldpreis oben aus dem Dreieck herausläuft.

Wer von diesen Bullen aufgrund des Ausbruchs auch noch ins Bärenlager gewechselt ist, muss seine Position erneut schließen. Diese Nachfrage und das Eindecken der Short-Positionen würde sich dann zu der Nachfrage gesellen, die sich ohnehin bei einem Ausbruch nach oben einstoppen lassen wollten.

Aufgrund der Konstellation im RSI räume ich diesem Szenario allerdings nur geringe Chancen ein.

  • Tendiert der Goldpreis weiter abwärts, stellt die untere Begrenzung des Abwärtstrend-Kanals (gestrichelte blaue Linie), der aus der Parallele zur oberen Dreiecksbegrenzung gebildet wird, ein mögliches Kursziel dar (gelber Kreis).

Fassen wir zusammen:

  • Wir können eine generelle Schwäche der Rohstoffpreise seit Sommer 2011 konstatieren.
  • Agrar-Rohstoffe sind seit einigen Wochen besonders schwach.
  • Der Ölpreis (Light Sweet Crude Oil WTI) steht vor einem signifikanten Verkaufssignal.
  • Und nun neigt auch der „ach so sichere Hafen“ Gold zur Schwäche.

Ganz ehrlich: Das gefällt mir auch im Gesamtbild mit den Aktienmärkten ganz und gar nicht!

Eines sollte Ihnen bewusst sein: Kommt der Goldpreis deutlicher unter Druck, dann kann dies eine regelrechte Lawine auslösen. Falls Sie also auch auf einen weiter steigenden Goldpreis gesetzt haben, dann sollten Sie zumindest über eine Absicherung Ihrer Position nachdenken! Denn:

Aufgrund des Jahrhundert-Trends beim Gold wurden in der Vergangenheit so viele Derivate aufgelegt wie zu keinem anderen Börsenwert.

Physisches Gold und Derivate auf einen steigenden Goldpreis finden sich mittlerweile in den meisten Privat-Anleger-Depots.

Es wurden in der Vergangenheit auch zahllose ETFs (Exchange Traded Funds) auf Gold aufgelegt – viele davon mit physischer Golddeckung. Bei einem Rutsch des Goldpreises würden diese unter Handlungsdruck geraten und mit Verkäufen reagieren müssen.

Falls Sie das Szenario eines größeren Kursrückgangs für unmöglich halten, weil doch Gold angesichts der weltweiten Krisen von „allen Seiten“ mit Kurszielen weit jenseits von 2.000 USD empfohlen wird, dann darf ich Sie auf 2 Ereignisse in der jüngeren Geschichte hinweisen, die mir ganz spontan einfallen:

  1. Im Sommer 2007 notierte der Ölpreis bei 150 USD und es hagelte regelrecht Kaufempfehlungen und Analysen, die eine weitere Verdoppelung des Ölpreises für realistisch hielten. Ein halbes Jahr später hatte der Ölpreis rund -80% seines Wertes verloren.
  2. Silber notierte am 25. April dieses Jahres kurz vor der Marke von 50 USD je Feinunze. Im Vorfeld hielten viele Analysten noch weit höhere Silberpreise für möglich, da Silber gegenüber Gold ja einen immensen Nachholbedarf habe. Am 12. Mai stoppte die Talfahrt des Silberpreises dann bei 32,34 USD oder -35% tiefer. Ende September fand der Silberpreis erst bei 26,07 USD Halt (nahezu eine Halbierung gegenüber dem Aprilhoch).

Damit hat Silber Gold übrigens eines voraus: Silber IST bereits in einen Abwärtstrend übergewechselt!

Blasen an den Börsen haben immer eine Gemeinsamkeit: Kaum jemand will wahrhaben, dass es auch mal wieder anders herum gehen kann, weil doch „diesmal alles anders ist“.

Glauben Sie einem alten Börsenhasen: Letztlich ist nie etwas anders. Weil Blasen nämlich von Menschen gemacht werden.

Und die Gier und die Angst der Menschen bleiben stets gleich!

 
 

Autor:

Andreas Sommer

Seit November 2008 veröffentlicht Andreas Sommer seine Profi-Erfahrung in seinem täglichen kostenlosen Newsletter Chartanalyse-Trends.